Eine Schiene, kein Zug und viele Probleme: Chamer Pendler stehen vor Herausforderungen

Pendeln mit Bus und Bahn: Für Fahrgäste im Landkreis Cham ist das bisweilen eine echte Herausforderung. Ob Verspätungen, fehlende Durchsagen oder falsche Preisauskünfte, die Liste, die unsere Zeitung von Seiten eines passionierten Bahnfahrers erreicht hat, ist lang. Doch woran liegt das? Das Chamer Landratsamt liefert Antworten.
Ein ganz normaler Morgen. Arbeitsweg mit dem Zug. Von Regensburg nach Cham. Vor wenigen Minuten hat der Alex den Schwandorfer Bahnhof verlassen. Jetzt steht er. Ein Blick nach draußen: Wald. „Dies ist kein planmäßiger Halt. Bitte halten Sie sich von den Türen fern“, teilt die Zugbegleiterin über die Lautsprecher mit. Gemeinsam warten wir auf den verspäteten Gegenzug. „Beschwerden bitte direkt an die Leitstelle. Ich lasse mir diesen Schwachsinn auch nicht einfallen“, so die genervte Zugbegleiterin. Das Erlebnis ist kein Einzelfall: Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Landkreis Cham reisen will, braucht bisweilen gute Nerven – und sollte bei der Ticketwahl genau hinsehen.
Ein passionierter Bahnfahrer hat sich an unsere Zeitung gewandt. Obwohl er ein Auto hat, ist er regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Cham und Regensburg unterwegs. Er hat eine Liste mit Aspekten zusammengestellt, die das Pendeln erschweren.
Kostenfalle DB-Navigator
Die Tarife der Verkehrsgesellschaft Landkreis Cham (VLC) sind nicht in die DB-Navigator-App oder die Bahn-Website integriert. Die Folge: Wer in der App ein Ticket für die – planmäßig – neun Minuten lange Fahrt von Cham nach Roding lösen will, bekommt ein Bayernticket als günstigste Option vorgeschlagen. Für 32 Euro – umgerechnet sind das 3,55 Euro pro Fahrtminute.
Drei Wege führen zum richtigen Preis – der aufwendigste: Auf der Internetseite des VLC lädt man sich eine PDF-Datei des Zonenplans herunter. Hat man die zu fahrenden Zonen gezählt, lädt man sich auf derselben Seite die Preisliste herunter und sucht dort den passenden Tarif. Im Beispiel Roding liegt der bei 4,40 Euro für Erwachsene.
Den erhalten Pendler auch, wenn sie ihr Ticket am Fahrkartenautomaten am Bahnhof lösen. Michael Gruber vom Chamer Landratsamt verweist auf die „Wohin-du-willst“-App, in die die VLC seit 2017 integriert ist. Sie ermögliche „neben der reinen Preisauskunft über alle Tarifangebote in der gesuchten Verbindung zugleich einen digitalen Kauf“ von Fahr- oder Tageskarten. Zudem sind dort „die Rufbusse direkt buchbar“. Derzeit gebe es täglich rund 150 Zugriffe auf die Fahrplanfunktion, erklärt Gruber.
Die BahnCard gilt nicht
Erneut geht es ums Geld: Inhaber einer BahnCard 25 oder 50 erhalten im Verkehrsverbund keine Ermäßigung auf den Fahrpreis. Gruber zufolge liegt das daran, dass die Mindereinnahmen der Verkehrsverbünde „vonseiten der Deutschen Bahn nur anteilig ausgeglichen“ werden.
Damit stehe Cham nicht alleine da. Die Mehrheit der bayerischen Verbünde lehnt eine Ermäßigung ab. Der VLC akzeptierte sie bis 2018, „als einer der wenigen“. Eine aktuelle Ausnahme bildet der benachbarte Regensburger Verkehrsverbund (RVV). Dort komme laut Gruber ein „Überlappungstarif zur Anwendung“, bei dem sowohl die Tarife des RVV als auch die der Bahn parallel gelten. Die Regelung ende jedoch 2026.
Nachfolge für das Fahrtenbuch
Das gedruckte Fahrtenbuch mit Fahrtzeiten und Verbindungen wurde eingestellt. „Aus Gründen der Aktualität und im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen“, heißt es aus dem Landratsamt. Digital sind die Fahrpläne auf der Website der Mobilitätszentrale erhältlich.
Gruber fügt an, dass das Nutzerverhalten eindeutig zeige, „dass Online-Medien mit der Angabe von Fahrzeiten auf der Grundlage von Echtzeitdaten für Fahrgäste wesentlich wichtiger sind“. Entsprechend habe die „VLC in den vergangenen Jahren sehr viel in die Verfügbarkeit von Echtzeitdaten investiert“.
Kosten für Schüler
Bislang galt bei Schülern und Studenten für Fahrten im Landkreis Cham bis zu einem Alter von 23 Jahren der sogenannte Jugendtarif. Mit dem dürfen sie den ÖPNV am Wochenende, in den Ferien und an Schultagen ab 14 Uhr umsonst nutzen. „Ziel dieses Angebots war es, vor allem Studenten und Auszubildende in die Ermäßigung mit einzuschließen“, erklärt Michael Gruber. Seit diesem Jahr ist das Vergangenheit. Ab dem 18. Geburtstag gelten die üblichen Tarife.
Mit der Umstellung auf G9 trifft das auch Schüler der Oberstufe. Die Altersgrenze soll laut Gruber nur „als Übergangslösung“ gelten – begrenzt auf das Jahr 2025. Derzeit arbeite eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Kreistags an einer „Novellierung des VLC-Tarifs und der Ermäßigungsangebote“. Es gehe darum, eine zukunftsfähige Finanzierungsgrundlage für das regionale ÖPNV-Angebot zu schaffen.

Die Bedürfnisse der jungen Erwachsenen sollen neben denen von Senioren und Bedürftigen dabei auch berücksichtigt werden. Für Studierende und Auszubildende verweist Gruber außerdem auf das vergünstigte Deutschlandticket für 29 Euro im Monat.
Fehlerhafte Durchsagen
Mit der Kommunikation am Chamer Bahnhof ist es schwierig. Unter anderem werden Verspätungen auf den Anzeigen unzuverlässig oder erst spät angezeigt. Dem Landratsamt sind dazu bislang keine Eingaben oder Hinweise bekannt.
Langes Warten auf das Deutschlandticket
Unserer Redaktion liegt eine Beschwerde vor, wonach das Deutschlandticket des VLC nur verspätet bereitgestellt wurde. Laut Landratsamt könne ein Grund dafür sein, dass im Februar 2024 „eine Bonitätsprüfung bei Bestellungen des D-Tickets eingeführt“ wurde. Der Grund waren Betrugsfälle und fehlerhafte Abbuchungen. Die Prüfung könne dann bis zu sieben Tage dauern.
Die nächste Geduldsprobe für Pendler steht unmittelbar bevor: Ab 15. Juni wird die Strecke Schwandorf–Regensburg gesperrt – für zwei Monate.