Der Traum vom Fliegen: Acht Jugendliche sammeln in Cham erste Erfahrungen in der Luft

Lautlos und wie ein Vogel durch die Luft gleiten: Die Segelflieger kommen diesem Traum ganz nah. Acht Jugendliche und junge Erwachsene bekamen in Cham einen ersten Einblick in den Sport und hoben dabei auch selbst ab.
Es braucht etwas Geschick, um in einer flüssigen Bewegung in das Flugzeug einzusteigen. Fünf Gurtenden klicken in eine Metallschnalle. Die Kabine schließt sich. Ein Helfer montiert das Zugseil. Leichte Nervosität macht sich breit. Dann spannt sich das Seil, angezogen von einer Winde in mehreren hundert Metern Entfernung. Ein Gefühl der starken Beschleunigung, höchstens vergleichbar mit einer modernen Achterbahn. Die Reifen verlassen den Grasboden, im steilen Winkel geht es nach oben.

Das Seil klinkt aus. Ruhe. Die Geräuschkulisse bildet das Flugzeug im Wind. Die Stadt Cham liegt zu Füßen, am Horizont wirkt die Bergkette des Bayerwalds ganz nah. Zwei Störche heben sich vor dem dunklen Regen ab. Scheinbar mühelos gleiten sie durch die Luft.
Die Segelflieger vom SSV Cham haben zum Schnuppertag geladen. An zwei Tagen sollen acht Jugendliche und junge Erwachsene einen Einblick in den Verein und das Segelfliegen erhalten – drei Flüge mit einem Fluglehrer inklusive. Einer von ihnen ist Max. Er wolle Pilot werden, erklärt der 15-Jährige seine Motivation. Die Schnuppertage ermöglichen ihm, „Eindrücke von einem kleineren Flugzeug“ zu sammeln.
Zwei Millionen Starts jährlich
Doch vor der Praxis steht die Theorie. Im Vereinsheim am Janahof gibt Ausbildungsleiter Daniel Kreisel einen Überblick über Sport und Verein. Die Stimmung ist gut. Neben den Teilnehmern des Schnupperkurses haben sich auch einige Aktive eingefunden. In einer Ecke knistert ein Kamin, an der Decke hängt ein Mobile mit – na klar – Segelflugzeugen. Etwa 8000 Flieger gibt es in Deutschland, erzählt Kreisel. Sie sind für rund zwei Millionen Starts im Jahr verantwortlich.
Um in die Luft zu kommen, gibt es für die Piloten – mangels Triebwerk oder Propeller – nur eine Möglichkeit: Sie müssen sich ziehen lassen, um auf die nötige Geschwindigkeit zum Abheben zu kommen. Entweder durch eine Winde oder ein anderes Flugzeug. Einmal in der Luft, können sie dann bauartbedingt sehr lange Distanzen zurücklegen. Bei einem Kilometer Höhe zwischen 25 und teils gar 70 Kilometern. Um weiter zu fliegen, müssen sie sich Aufwinde suchen.

Wie weit es dann gehen kann, stellte Jonas Blahnik vom SSV am 1. Mai unter Beweis. Er brachte es auf 1011 Kilometer. Auch Kreisel selbst ist abseits der Ausbildung gerne über längere Strecken unterwegs. Durch die Aufwinde könne man sich „wie ein Vogel an die Wolken hochschrauben“. In der Vorwoche ein fast schon wortwörtliches Szenario, als ihm in der Nähe des Dreiländerecks zwei große Greifvögel im Kreisflug Gesellschaft leisteten.
Martin Vielsmaier ist der Vorsitzende der Segelflieger. „Dieses Spielen mit der Kraft, die in der Atmosphäre ist, um weite Strecken zu fliegen“, macht für ihn die Faszination am Sport aus. Ebenfalls wichtig: Segelfliegen ist ein Teamsport.

Von den Betriebsleitern über die Windenfahrer bis zu den Fluglehrern: Auf dem Flugplatz herrscht immer Betrieb. „Man muss sich halt abstimmen“, sagt Vielsmaier. Üblicherweise verläuft das aber freundschaftlich. Auch Alina Rücker zählt zu den Aktiven des Vereins. Es sei etwas schade, wenn ein Teilnehmer des Schnupperkurses für seinen Flug nur mit dem Handy am Filmen ist, gibt sie ihnen mit auf den Weg und ergänzt: „Schauts lieber raus, es ist voll geil!“ Besonders am Segelfliegen ist für sie: „Alles, was passiert, ist entweder man selber oder die Natur.“












Einen Tag später sitzt sie als Betriebsleiterin in einem kleinen Raum mit großen Fenstern auf dem Dach des Vereinsheims. Optisch erinnert er an einen kleinen Tower von den großen Flughäfen. Von dort hat sie einen guten Überblick über das Fluggelände. Eine der Aufgaben dort: alle Starts und Landungen zu dokumentieren.
Ruhe trotz Flugbetrieb
Für die sind zu einem großen Teil die Teilnehmer des Schnupperkurses verantwortlich. Nach der Kontrolle der beiden Zweisitzer geht es für die ersten um 10.15 Uhr in die Luft. Die Kontrolle übernehmen die Fluglehrer, die auf dem hinteren Platz sitzen. Am Boden herrscht in der Zwischenzeit völlige Ruhe. Flugzeuge am Himmel und das lauteste Geräusch kommt von den Tauben. Ein besonderes Bild.
Die fünf Leute, mit denen ich bisher geflogen bin, waren alle sehr, sehr begeistert.
Daniel Kreisel, Ausbildungsleiter Segelflieger
Ab dann ist für den Rest des Tages Hochbetrieb. Nahezu durchgehend ist mindestens eine der beiden Maschinen in der Luft. „Die Aussicht ist atemberaubend“, sagt Philipp, einer der Teilnehmer, nach seinem ersten Flug. Auch die Einweisung sei super gewesen, lobt er die Lehrer. „Ich habe nur selten gesehen, dass einer nach den ersten ein, zwei, drei Starts nicht mit einem Grinsen ausgestiegen ist“, gibt Martin Vielsmaier zu, der selbst eine Reihe von Flügen übernommen hat. „Die fünf Leute, mit denen ich bisher geflogen bin, waren alle sehr, sehr begeistert“, berichtet Daniel Kreisel und fügt an: „Es ist für alle ein neuer Eindruck gewesen. Es ist noch keiner von denen in einem Segelflugzeug gesessen. Schauen wir mal, wo die Reise noch hingeht.“