Bürgerbegehren in Regensburg gestartet: „Die Bagger können morgen anrollen“

Von André Baumgarten · 9. Juni 2025 um 15:00

Mit einer Fuß-Demo hat ein Aktionsbündnis mit dem Sammeln von Unterschriften gegen das Bauprojekt begonnen. „Das ist der Beginn einer Autobahn durch die Stadt“, sagen die Initiatoren, die den Bau der Sallerner Regenbrücke verhindern wollen. 23 Organisationen und Parteien haben sich organisiert.

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Der Widerstand gegen das „Mammut-Bauvorhaben Sallerner Regenbrücke“ formiert sich: 6000 Unterschriften wollen die Akteure für ein Bürgerbegehren sammeln. Die mittlerweile 23 in dem Aktionsbündnis organisierten Gruppen wollen die Umsetzung der bereits genehmigten Pläne stoppen. Ihre Forderung: Mobilität neu denken. Das in den 60er-Jahren erstmals ins Auge gefasste Projekt sei „völliger Blödsinn“. Bei einer Fuß-Demo von rund 100 Teilnehmern fiel am Samstagnachmittag der Startschuss das Bürgerbegehren.

Schon kurz vor 14 Uhr sind trotz dunkler Wolken am Himmel die ersten Menschen am Treffpunkt neben der Frankenstraße angekommen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen kommen die meisten mit dem Rad. Wofür sie sich hier sammeln, ist auf dem zur Schautafel umfunktionierten Radanhänger zu sehen. Aktivisten bauen die Lautsprecheranlage auf – man will schließlich gehört werden. Was die Menschen zu sagen haben, bringen Wolfgang Bogie und weitere Redner auf den Punkt.

Wird das Projekt 200 Millionen Euro teuer?

Als „das größte Anti-Verkehrswende-Projekt in Regensburg“ bezeichnet Bogie das, wogegen er und viele andere kämpfen wollen. Weil „das einfach mehr Autoverkehr in die Stadt bringt, mehr CO2- und Feinstaub-Belastung“, erklärt er. Über ein halbes Jahrhundert seien diese Pläne alt, womit „am Lappersdorfer Kreisel ein unübersichtlicher ‘Spaghetti-Knoten‘ geschaffen“ werde, mit so vielen Ampeln, dass es mehr Stau gebe als heute, so Bogie. Mehr noch: Ökologisch wie ökonomisch sei das Projekt „Unsinn“.

Nach seinen Worten würden „wahrscheinlich 200 Millionen Euro für nichts und wieder nichts investiert“, um so die Nordgaustraße vierspurig bis zum Alexcenter auszubauen. Am Ende wäre das Ganze nicht mehr als eine Umleitung für die Sanierungsarbeiten im Pfaffensteiner Tunnel. Nicht zuletzt, weil „auf 280 Metern mitten durch ein FFH-Gebiet 14 Betonpfeiler aufgestellt“ würden. „Wir müssen diesen alten Zopf abschneiden“, fordert Bogie unter Applaus der rund 100 Anwesenden. Nur so könne der Pendlerverkehr zum Umdenken gebracht werden. Denn: „Das ist der Beginn einer Autobahn durch die Stadt.“

Die Unterschriftenlisten waren beim Auftakt zum Bürgerbegehren binnen kurzer Zeit vergriffen. - Foto: Baumgarten

Als „willkommene Abkürzung, jedes Mal, wenn die A93 dicht ist“ sieht Burkard Wiesmann, Vorsitzender vom Bürgervereins Süd-Ost, das Projekt. „Und das wird längst nicht mit der Sanierung enden.“ Als BüSO sei man in der Pflicht, sich zu Themen zu äußern, die die Stadt als Ganzes beträfen. Er ist sicher, dass direkte Auswirkungen auch im Südosten Regensburg deutlich spürbar wären. Und: „Das alles atmet doch den Geist der 60er-Jahre.“ Frank Gesche von Greenpeace ist „richtig sauer“. Man müsse jetzt aktiv werden und wachrütteln, „damit dieser Wahnsinn nicht passieren kann“. Das unterstrich auch Harald Klimenta vom VCD und Attac: Es brauche „viel mehr Selbstbewusstsein – bitte werden wir offensiver“.

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Zuvor hatte Bogie hervorgehoben, dass Baurecht bestehe. „Die Bagger können morgen anrollen.“ Man müsse schnell aktiv werden und „jetzt mindestens 6000 Unterschriften sammeln“. Auch Alois Zorzi von Kultur am Regen geht mit der „völlig überflüssigen sechsspurigen Brücke über den Regen“ ins Gericht: Die vermeintliche Verkehrsberuhigung für Sallern sei „ein leeres Versprechen“. Eine Alternative sei aufgezeigt worden – mit einer Nord-Umgehung über die B 16 auf der Pilsen Allee. Nun sei die letzte Chance, in die Opposition zu gehen und ein Bürgerbegehren hervorzurufen.

Protest-Banner prangt auf großem Gerüst

Nach 30 Minuten machen sich die Gegner der Sallerner Regenbrücke mit ihrem Neun-Meter-Protestbanner auf den Weg. Die Fuß-Demo, eskortiert von der Polizei, führt auf dem gut frequentierten Radweg zu dem Punkt nahe dem Gelände der Gärtnerei Hauner, wo das bis zu 25 Meter breite Bauwerk über den Regen führen soll. Da markieren zwei grüne Linien quer über den Weg das künftige Bauwerk und lassen die Dimensionen erahnen. Mit einer Einschränkung, so Bogie: „Die Brücke ist der schmalste Teil.“

Wolfgang Bogie, einer der Sprecher der Gruppen (li.), befestigte mit Helfern das neun Meter breite Protest-Banner an einem Gerüst. - Foto: Baumgarten

Angeregte Gespräche entstehen hier. Selbst, als die Demo längst beendet ist, stehen einzelne Gruppen noch beieinander und diskutieren. „Ich bin schockiert“, sagt eine ältere Dame angesichts der 25 Meter breiten Markierungen. „Das ist ja monströs und grauslich.“ Etwas neben ihnen bekommt das Banner mit dem Anliegen des Bündnisses da schon seinen festen Platz am eigens aufgebauten Gerüst: Mobilität neu denken – ohne Sallener Regenbrücke. Dafür sammeln die Menschen nun Unterschriften.

Die Planungen für die Sallerner Regenbrücke wurden an den Schautafeln beim Treffpunkt intensiv diskutiert. - Foto: Baumgarten

23 Gruppen und Partei kämpfen gegen das Projekt

Akteure: Neben vier Parteien (BSW, B90/Grüne, Die Linke, ÖDP) gehören der ADFC, die Altstadtfreunde, der Architekturkreis, ATTAC, die BI LOS, der Bund Naturschutz (BN), der Bürgerverein Süd-Ost (BüSO), Forum Regensburg, Fridays for Future, Greenpeace, Kultur am Regen/ in Reinhausen, Omas und Opas sowie Parents und Scientists for Future, Pro Bahn, FUSS eV, der VCD und das Netzwerk Nachhaltigkeit dazu.

Infos: Auf https://sallerner-regenbruecke.de sind die ersten Details zum Bürgerbegehren nun bereits abrufbar. Unterschriftenlisten können per E-Mail unter info@sallerner-regenbruecke.de angefordert werden.

Der Protestzug führte vom Busparkplatz an der Frankenstraße in die Regenauen in Sallern/Reinhausen. - Foto: Baumgarten