Mehr Pendler sollen an der Regensburger Stadtgrenze umsteigen

Von Marion Koller · 11. März 2025 um 09:00

Park&Ride, Expressbusse, Radschnellwege – das Mobilitätskonzept für den Großraum Regensburg liefert gute Ideen. Viele fragen sich aber, wie die Infrastruktur-Maßnahmen finanziert werden können.

Der Haidplatz war früher zugeparkt und über die Steinerne Brücke sind Autokolonnen gerollt. Heute flanieren dort die Menschen. Mit Fotos hat Rimbert Schürmann von der Beratung PTV bei der Vorstellung des Mobilitätskonzepts für den Großraum Regensburg gezeigt, wie sich der Verkehr verändert hat. Weil die Bevölkerung in Stadt und Umland wächst, immer mehr Pendler nach Regensburg strömen und wegen des Klimawandels verändert sich die Mobilität erneut.

Seit vier Jahren haben Stadt und Landkreis, Bürger und die Fachleute von PTV Transport Consult das Mobilitätskonzept für den Großraum erarbeitet. Im Marinaforum wurde es am Montag präsentiert. Es gab viel Lob, aber auch zahlreiche offene Fragen. Vor allem: Woher soll das Geld für den zukunftsfähigen Verkehr, für mehr Park&Ride-Plätze, Radschnellstrecken, Expressbuslinien und den Umbau des Straßenraums kommen? Zu den Finanzen sagte Wolfgang Bogie, Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland: „Geld ist da.“ Das zeigten der geplante Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels, der Nordgaustraße und der ebenfalls vorgesehene Bau der Sallerner Regenbrücke.

Auf Zweitauto verzichten?

Angelika Ritt-Frank, Bürgermeisterin von Mintraching im Kreis Regensburg, klagte, die Landkreisgemeinden hätten fast keine personellen Kapazitäten und kein Geld mehr für den Verkehr. Sie forderte einfachere Standards. „Warum muss jeder Radweg asphaltiert sein ?“ Mintraching habe einen aufgelassenen Bahnhof, doch der Umbau würde eine Million Euro verschlingen. „Diese hohen Standards können wir uns nicht mehr leisten.“

Kathrin Fuchshuber vom Hotelverein fand es „sensationell“, dass Stadt, Landkreis, Bad Abbach im Kreis Kelheim und das Städtedreieck das Konzept gemeinsam erarbeitet haben. Alle haben über die kommunalen Grenzen hinaus gedacht. Auch Regierung der Oberpfalz und das bayerische Verkehrsministerium mischten mit. Ins Thema eingeführt hatten OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Schweiger. Die OB sagte, das Mobilitätskonzept sei „kein Zauberstab“. Es müsse weiterdiskutiert werden. Die Infrastrukturprobleme seien beträchtlich, etwa dass sich die Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Hof so lange hinziehe.

„Zufrieden, wenn das Zweitauto wegfällt“

Schweiger wünschte sich mehr Geschwindigkeit bei Infrastrukturprojekten wie dem Walhalla-Bahnhof oder dem Ausbau des Pfaffensteiner Tunnels. Im Landkreis sei nicht dieselbe Bustaktung wie in der Stadt möglich. „Wir wären zufrieden, wenn das Zweitauto wegfällt.“ Rimbert Schürmann von PTV Transport Consult stellte die Ergebnisse vor. Wesentliche Projekte, von der Entwicklung eines S-bahn-ähnlichen Verkehrs in der Region mit 30-Minuten-Takt über die Erweiterung des Busnetzes in der Stadt und Radrouten bis zu Baumaßnahmen und Planungen auf A3, A93, B15 und 16, Staatsstraße 2615 und Kreisstraße R30 seien im Gange.

45 neue, konkrete Maßnahmen schlägt das Konzept vor: Zwischen der Stadt und den größeren Umlandgemeinden sollen etwa Expressbusse eingerichtet werden, zum Beispiel nach Hemau, Bernhardswald, Teublitz/Burglengenfeld, Wörth, Pfatter, Mintraching und Bad Abbach. Auf zehn Strecken in die Landkreise Regensburg und Schwandorf sollen Radschnellwege entstehen – mit hohem Ausbau- und Komfortstandard, etwa nach Alteglofsheim, Wörth, Wolfsegg, Laaber, Nittendorf und Teublitz/Burglengenfeld. Sie sind gedacht für Pendler, die bis zu 20 Kilometer mit dem E-Bike fahren. Für die Landkreise sei die Antriebswende hin zu E-Autos besonders wichtig, meinte Schürmann.

Auf den zentralen Achsen des Stadt- und Regionalverkehrs wollen die Kommunen Busspuren und Busvorfahrt an Kreuzungen einführen. Auch in Nebenstraßen soll der öffentliche Nahverkehr schneller werden: durch Änderungen im Parkraum-Management. Mehrere Park&Ride- sowie Bike&Ride-Plätze am Stadtrand sollen entstehen, damit Pendler umsteigen.

Vorfahrt für den Bus

Beim Straßenausbau will man alle Verkehrsarten und die Aufenthaltsqualität im Auge behalten. Der Parkraum soll verringert werden. Die Gebühren sollen steigen. OB Maltz-Schwarzfischer bewertete das Mobilitätskonzept als gute Grundlage, um die Verkehrsplanung voranzubringen. „Mir ist wichtig, dass wir wirklich umsetzen.“ Die Landrätin forderte Bund und Freistaat auf, bei der Finanzierung zu helfen.

Diskutierten: Landrätin Tanja Schweiger, OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Wolfgang Wüst und Moderator Dr. Oliver Märker Foto: H.C. Wagner