Abitur 2025: Neumarkts Turnhallen blieben leer – Nur in Parsberg feiern Abiturienten

Von Kilian Graef · 28. Mai 2025 um 11:00

Turnhallen voller aufgeregter Schüler, wilde Abifeiern und mal mehr, mal weniger kreative Abistreiche sind dieses Jahr Mangelware im Landkreis Neumarkt. Nur am Gymnasium Parsberg absolvieren Zwölftklässler wegen eines besonderen Angebots gerade ihr Abitur. Und bekommen schon bald ihre Ergebnisse.

Video ansehen

Am Freitag erfahren 53 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Parsberg, ob sie ihr Abitur bestanden haben und wenn ja, mit welchem Schnitt. „Dann entscheidet sich auch, wer noch in die mündlichen Zusatzprüfungen gehen möchte oder muss“, erklärt Schulleiter Manfred Hößl. Er und seine Kollegen gehören zu den wenigen in Bayern, die im Schuljahr 2024/25 Abiturienten auf die Prüfungen vorbereitet haben.

Lesen Sie hier: Hilfe bei Demenz: Kontaktgruppe in Berngau will Patienten und Angehörige unterstützen

2024 hat sich der letzte G8-Jahrgang in das Berufsleben, ein soziales Jahr in exotischen Ländern oder an die Universitäten verabschiedet. Weil Schüler in Zukunft neun Jahre am Gymnasium verbringen, ist das Abi 2025 größtenteils ausgefallen. Nur wenige Gymnasiasten absolvierten von Ende April bis Mitte Mai schriftliche Prüfungen und in den vergangenen beiden Wochen das Kolloquium, bei dem sie ihr Wissen mündlich bewiesen.

53 Schüler streckten in Parsberg die Mittelschule um ein Jahr

53 Jugendliche und junge Erwachsene haben ein Angebot am Gymnasium Parsberg, die achte bis zehnte Klasse im Rahmen von „Mittelstufe plus“ um ein Jahr zu strecken, angenommen und dadurch auch ihr Abi später zu schreiben. „Des Weiteren hätten sich auch Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Parsberg melden können, die im vergangenen Jahr die Abiturprüfung nicht bestanden haben“, so Hößl. „Dies war aber nicht der Fall.“

Anders als das Gymnasium Parsberg waren das Willibald-Gluck- und das Ostendorfer-Gymnasium dieses Jahr nicht dem bekannten Abi-Stress ausgesetzt. Lehrer sitzen nicht wochenlang an den Abituraufgaben oder Aufsätzen, die sie rechtzeitig korrigieren müssen, die Vorbereitung des Kolloquiums fällt weg, und niemand baut an einem Nachmittag die komplette Turnhalle zum Prüfungssaal um. „Ein Abitur-Jahrgang hat bei uns 150 bis 200 Schüler“, sagt der stellvertretende Schulleiter des WGGs, Martin Sachs. „Das ist eine große zeitliche Belastung, die dieses Jahr wegfällt.“

Manche tragen die Auswirkungen noch heute mit sich

Schulleiter Karlheinz Dölle

Die gesparten Stunden würde das WGG laut Sachs in schulinterne Projekte investieren. Die Schulgemeinschaft hat sich in den Abiturwochen beispielsweise noch intensiver mit den Themen Digitalisierung und mit künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt. Und auch die Zukunftswerkstatt, bei der Schüler, Lehrer und Elternvertreter darüber reden, wie das Schulleben optimiert werden kann, findet ausnahmsweise statt, während der Terminkalender in regulären Jahren von Abitur-Programmpunkten dominiert wird.

Am OG Neumarkt kümmern sich Lehrer und Betreuer in der frei gewordenen Zeit intensiver um die Spätwirkungen durch die temporären Schulschließungen während der Corona-Pandemie. Zum Beispiel die psychische Belastung. „Manche tragen die Auswirkungen noch heute mit sich“, sagt Schulleiter Karlheinz Dölle. Auch das Projekt Angstfreie Schule, bei dem die Gymnasiasten lernen, mit dem Druck vor unangekündigten Abfragen oder Exen umzugehen, läuft auf Hochtouren. Zudem könne man sich besser um das Programm Erasmus+ kümmern – eine Initiative der EU, die es Schülern erleichtern soll, Auslandserfahrung zu machen. „Das ist ein ziemliches Bürokratiemonster“, sagt Dölle.

G9 ist gut für Vereine im Landkreis Neumarkt

Die Rückkehr zum G9 hat an den Neumarkter Gymnasien laut Dölle und Sachs bisher gut geklappt. „Schulisch gesehen ist es ein Gewinn“, sagt Sachs. Der Lehrplan sei entzerrt worden und die Schüler könnten sich in ihrem individuellen Tempo entwickeln. Ein anderer Vorteil: Der Nachmittagsunterricht ist stark reduziert. „Das ist auch positiv für die Vereine in der Region“, so Dölle.

Lesen Sie hier: Studieren statt meditieren: OTH Amberg-Weiden soll in den LGS-Schauturm ziehen

Besonders viel Freizeit haben die Parsberger Abiturienten ab Ende Juni. Dann bekommen sie ihre Abschlusszeugnisse verliehen und feiern mit dem Abiball das Ende ihrer Schullaufbahn.

Warum das Abitur 2025 in Bayern ausfällt

Absolventen: In Bayern haben dieses Jahr laut Kultusministerium nur 5500 statt der üblicherweise über 30 000 Schülern ihr Abitur geschrieben. Etwa ein Prozent von ihnen in Parsberg. Grund für den stark ausgedünnten Abi-Jahrgang ist die Umstellung Rückkehr zum G9. Den ersten G8-Abschluss gab es 2011, den letzten 2024.

G9: Schüler, die 2017 oder später in die fünfte Klasse eines Gymnasiums kamen, besuchen das von nun an wieder neun Jahre lang. Wegen der Umstellung haben 2025 nur Schüler, die 2024 durchgefallen sind oder die die „Mittelstufe plus“, also eine Streckung der Klassen acht bis zehn um ein Jahr in Anspruch genommen haben.