Neumarkter boxte Schwager ins Gesicht und gefährdete schwangere Schwester

Von Kilian Graef · 24. Mai 2025 um 11:00

Ein 18-Jähriger hat im November 2024 seinem Schwager zwei Mal ins Gesicht geschlagen. Nur die schwangere Schwester schaffte es, den jungen Erwachsenen von ihrem Mann zu trennen. Auch vor dem Amtsgericht Neumarkt wusste er sich nicht zu benehmen.

Der Angeklagte aus Neumarkt, der dem Mann seiner Schwester ins Gesicht geschlagen hat, möchte sich nicht setzen. Stattdessen steht er in strammer Haltung hinter seinem Platz und mustert alle Personen im großen Saal des Amtsgerichts Neumarkt.

Auch die Aufforderung von Richter Marcel Dumke „ich möchte, dass sie sitzen“, ignoriert der 18-Jährige. Daraufhin verschwindet Dumke gereizt im Hinterzimmer und kehrt wenige Minuten später mit zwei Sicherheitsbeamten zurück, die dem Neumarkter „gegebenenfalls beim Benehmen helfen“ sollen.

Das mit dem Benehmen ist ihm unter anderem am 25. November an einem S-Bahnhof im nordwestlichen Landkreis Neumarkt nicht gelungen: An dem Tag treffen der Angeklagte und sein Schwager aufeinander. In der Bahn unterstellt der Auszubildende dem 28-Jährigen, dass er seinen Chef angerufen hätte. „Dann habe ich ihn zehn Mal gebeten, dass er sich entfernt“, sagt der Schwager am Freitag als Zeuge vor Gericht. Stattdessen beleidigen sie sich kurz darauf. Das alles bekommt auch die schwangere Schwester am Telefon mit, die ihren Mann vom Bahnhof abholen will.

Schwester hat Angst

Dort schlägt der 18-Jährige seinem Schwager zwei Mal ins Gesicht. Der fällt zu Boden, wo der Neumarkter weiter auf ihn losgeht. „Ich bin mit dem Auto vorgerast und habe einen Meter vor den beiden eine Vollbremsung gemacht“, erinnert sich die Schwester, die nach eigener Aussage ihren Bruder wegen Angstzuständen bewusst nicht anschaut. „Mein Mann lag da und hat sich nicht gewehrt.“ Erst als die 27-Jährige einschreitet, lässt ihr Bruder vom Mann ab und beide fahren sofort davon.

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Innerhalb der Familie gibt es seit vielen Jahren Probleme, berichtet die Jugendgerichtshilfe. Nachdem die Eltern sich getrennt haben, hätte das Sorgerecht sehr oft gewechselt. „Er hat in seinem Leben keinen Halt erlebt und keine Bezugsperson gehabt“, so die Jugendgerichtshelferin über den Angeklagten. Auch mit dem Schwager habe er laut Schwester schon immer Probleme gehabt, weil dessen Mutter aus Kasachstan komme. Der Angeklagte habe ihn „scheiß Kanacke“ genannt und sei auf den 28-Jährigen losgegangen. Zur Tat äußert sich der 18-Jährige vor Gericht nicht, betont aber, dass er Deutscher ist. „Ich nehme einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat an“, sagt Richter Marcel Dumke.

Zum zweiten Mal verurteilt

Er verurteilt ihn nach Jugendstrafrecht zu drei Wochen Dauerarrest. Vor wenigen Monaten ist der Azubi mit einer milden Strafe davongekommen. Er hatte sich Polizisten widersetzt und ein vertrauliches Gespräch mit dem Vater mitgefilmt. Der 18-Jährige musste Arbeitsstunden ableisten und einen Sozialkurs besuchen, den er nie abgeschlossen hat. Der Freiheitsentzug sei daher alternativlos. „So, wie Sie sich präsentiert haben, haben sie noch nicht gecheckt, worum es geht“, rügt Dumke.