1,46 Promille und ein gebrochenes Herz: 36-Jährige schlägt helfender Frau ins Gesicht

Von Kilian Graef · 16. Mai 2025 um 11:00

Als Richter Marcel Dumke Partybilder der Angeklagten aus dem Landkreis Neumarkt zeigt, verbirgt sie ihr Gesicht hinter den Händen. Auf den Fotos merkt man der 36-Jährigen die 1,46 Promille an. Sie hatte einer Frau ins Gesicht geschlagen, obwohl diese nur hatte helfen wollen.

Anwalt Christopher Lihl gibt am Mittwoch vor dem Amtsgericht Neumarkt zu, dass es sich so abgespielt hat. Er besteht aber darauf, dass sich das Gericht die ganze Vorgeschichte anhört: Der Freund der 36-Jährigen machte letztes Jahr an einem Augusttag mit ihr Schluss und löste einen emotionalen Ausnahmezustand in der Angeklagten aus. Weil sie wusste, dass der 35-jährige Herzensbrecher auch vor Ort ist, stürmte sie kurzerhand mit einer Freundin die Feier. Alles andere als deeskalierend hat der viele Wodka gewirkt, den sie zuvor getrunken hatte. „Ich trinke sehr selten“, behauptet die 36-Jährige. „Da hatte ich übertrieben.“

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Die Freundinnen wollten den 35-Jährigen zur Rede stellen. „Ich habe ihr gesagt, dass es nichts zu reden gibt“, berichtet dieser als Zeuge vor Gericht. Daraufhin habe es gewaltfreie, aber sehr laute Streitigkeiten gegeben. Was die Situation verschärfte: Auch die Ex-Frau des Zeugen war vor Ort.

Angeklagte bildete sich bei Feier im Landkreis Neumarkt Angriff ein

Als die Angeklagte gerade gehen wollte und ihr frisch getrennter Ex-Partner hinterherlief, um zu schauen, ob es auch wirklich ein Abschied von Dauer ist, fiel die 36-Jährige über einen Bordstein und stürzte auf den Hinterkopf.

Weil sie benommen auf der Straße lag, beugten sich drei Partygäste über sie, um zu schauen, wie es der Gestürzten geht. Darunter auch die Geschädigte. „Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Verteidiger Lihl. Die Angeklagte bildete sich ein, wegen eines Angriffs auf dem Boden gelandet zu sein, und schlug wild um sich. Auf Kosten der zu Hilfe geeilten Geschädigten: Sie kassierte einen Schlag ins Gesicht, musste sich mehrfach übergeben und trug eine Prellung davon.

Glück vor Amtsgericht Neumarkt und in der Liebe

Anwalt Lihl, die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, und Richter Dumke, einigten sich auf die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage: Die 36-Jährige muss ihrem Opfer 1500 Euro zahlen. „Das ist ein großes Entgegenkommen vom Gericht“, schätzt Dumke die Entscheidung ein. Weil sie keine Vorstrafen hat, einsichtig war und es für das Gericht dank Aussagen des Ex-Freundes und der 1,46 Promille plausibel klang, dass der Schlag ein Versehen war, traut ihr Dumke eine straffreie Zukunft zu.

Privat lief es für die 36-Jährige zuletzt auch wieder besser. Sie hat das Herz ihres Ex-Freundes zurückgewonnen. Die beiden sind wieder ein Paar.