Verurteilter hofft auf Rache Gottes: Er schlug 80-Jährigem nahe Neumarkt ins Gesicht

„Gott sieht alles und Gott kennt seine Lügen. Er wird seine Strafe bekommen“, sagt ein Angeklagter vor dem Neumarkter Amtsgericht über einen 80-Jährigen, dem er im Oktober mit einem radio ins Gesicht geboxt haben soll. Fünf Minuten später scheint Gott nicht mehr auf der Seite des 64-Jährigen zu sein.
Richter Marcel Dumke verurteilt ihn zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Seine Version eines Nachbarschaftsstreits im westlichen Landkreis Neumarkt glaubte weder der Richter noch Staatsanwältin Meier. Wobei sich der Angeklagte und der Geschädigte von Anfang an einig sind: Es gab einen Angriff, nachdem der 64-Jährige den älteren Rentner damit konfrontierte, dass dieser sein Auto fotografiert hätte. Viel miteinander zu tun hatten die Männer aus dem Landkreis Neumarkt zuvor nicht. „Er war mir von Anfang an unsympathisch und ich bin ihm aus dem Weg gegangen“, sagt der 64-Jährige.
Lesen Sie hier: Online-Accounts der Ex-Freundin gehackt: 33-Jähriger bestellt Waren und versendet Nachrichten
Dann unterscheiden sich die Geschichten: Der Angeklagte behauptet, der 80-Jährige habe ihm als Antwort auf die Frage, warum er sein Auto fotografiert habe, ins Gesicht geschlagen. Er selbst hätte niemanden boxen können, weil er an der einen Hand zwei Hunde an der Leine führte und in der anderen Hand ein kleines Radio hielt. Als Grund, warum man ihm glauben soll, führte er an, dass er extrem gläubig sei und vor Gott nicht lügen dürfe. Wie der 80-Jährige zur Gehirnerschütterung, blutigen Wunden an Stirn, Nase, Auge, Oberschenkel, Lippe und einer Prellung am Bauch gekommen war, konnte der Täter nicht erklären.
64-Jähriger boxte 80-Jährigem mindestens zweimal mit Radio ins gesicht
Auch deshalb hielt Richter Dumke die Version aus der Anklage für realistischer: Als der 80-Jährige den Müll ausleerte, konfrontierte ihn der 64-Jährige von hinten. Ersterer schob den Angeklagten zur Seite. Daraufhin kassierte er einen Stoß. Doch dabei blieb es nicht: Mindestens zweimal schlug er ihm mit dem Radio in der Hand ins Gesicht. „Gott hört alles, was Sie sagen“, konterte der 64-Jährige auf die Zeugenaussagen des 80-Jährigen, den er während des Prozesses nur „Person“ nennt.
Doch der Angeklagte hatte es nicht nur auf den Geschädigten abgesehen. Auch von der Justiz hält der aus vier Verfahren Vorbestrafte nichts. Die Gerichte seien an seiner Armut schuld. In einem Fall, bei dem er das Opfer war, sei er ungerecht behandelt worden. Seinem Anwalt habe er vor dem Prozess gekündigt. „Ich war mit seiner Arbeit unzufrieden.“ Den Job der Staatsanwältin bezeichnete er als lachhaft.
Das ist ziemlich lebensfremd, was Sie geäußert haben
Richter Marcel Dumke
Neben der achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilte Dumke den Angreifer zu einer Zahlung von 500 Euro Schmerzensgeld. Einen Kommentar konnte er sich nicht verkneifen: „Das ist ziemlich lebensfremd, was Sie geäußert haben.“