Hilfe bei Demenz: Kontaktgruppe in Berngau will Patienten und Angehörige unterstützen

In Berngau entwickelt sich eine Erfolgsgeschichte weiter. Vor knapp einem Jahr gründeten engagierte Berngauer die Kontaktgruppe „Mir genga zum Lukas“, um einsame ältere Menschen wieder mehr in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Nun wollen die Ehrenamtlichen Demenzkranke und deren Angehörige besser unterstützen. Dafür haben sie bereits Grundlagen geschaffen.
Die Gruppe von 13 Freiwilligen hat erfolgreich eine 30 Stunden umfassende Demenz-Schulung absolviert. „Es ist klar, dass man nach vier Tagen keine voll ausgebildete Pflegekraft ist“, sagt Josef Meier, einer der Teilnehmer. „Man bekommt aber ein Gefühl für die Krankheit und dafür, wie man mit den Leuten umgehen sollte.“
Allein in Bayern leiden laut dem Bayerischen Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft etwa 500 000 Menschen an Demenz. Wegen der demografischen Entwicklung steigen die Zahlen. Auch deshalb engagiert sich Meier in der Kontaktgruppe.
Erfolgreiches erstes Jahr
Die 15 Ehrenamtlichen organisieren jeden zweiten Mittwoch von 14 Uhr bis 16.30 Uhr ein Treffen im Lukas-Anwesen. „Leute mit Demenz sollen nicht nur zu Hause sitzen“, sagt Quartiersmanager Wolfgang Wild, der auch Organisator der Kontaktgruppe ist. Mittwochs gibt es gemeinsame Unternehmungen, es wird zusammen gesungen, Kaffee getrunken und Kuchen gegessen.
„Manche Angehörige bringen sich für ihre Mutter oder ihren Vater bis zur Erschöpfung ein, aber irgendwann kommt man an eine Grenze.“
Wolfgang Wild, Quartiersmanager
Als die Kontaktgruppe vor rund einem Jahr an den Start ging, war der Hintergrund, dass man für die Menschen vor Ort in Berngau ein Angebot bei Einsamkeit und Demenz schaffen wollte. Obwohl sie um den Bedarf wussten, hatten Wild und seine Mitstreiter vor Beginn dennoch leichte Bedenken, ob und wie gut die Treffen angenommen werden. Die sind längst verflogen: „Es kommen bis zu 20 Teilnehmer und wir haben auch immer genügend Betreuer“, freut sich Wild.
Die Gruppe wird zu großen Teilen vom Bayerischen Demenzfonds finanziert. Beispielsweise konnte die Gruppe die Ausstattung ihrer Räumlichkeiten im früheren Wirtshaus „Lukas“ damit bezahlen. Durch den Demenzfonds wurde nun auch die Schulung möglich. Diese befähigt die 13 Absolventen auch, als Betreuer in Privathaushalten zu helfen. Zum Beispiel den Haushalt zu machen, für die Erkrankten etwas zu kochen oder sich einfach ein paar Minuten zu unterhalten. Das entlastet auch die Angehörigen, unterstreicht Wolfang Wild.
Auf Augenhöhe begegnen
„Manche Angehörige bringen sich für ihre Mutter oder ihren Vater bis zur Erschöpfung ein, aber irgendwann kommt man an eine Grenze“, weiß Wild. Er und Josef Meier fanden die Tipps vom Sozialpädagogen Gerhard Wagner zum Umgang mit Leuten mit Demenz äußerst interessant. „Man sollte die Patienten nicht ständig korrigieren, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnen“, sagt Meier.
Wild, der die Schulung organisiert hatte, ergänzt: „Sie dürfen auch fünfmal hintereinander die gleiche Frage stellen.“Ihre Hilfe über die Kontaktgruppe möchten die Ehrenamtlichen noch viel eweitere Jahre leisten und dabei das Wissen aus der Schulung einbringen.
„Man kann ihnen gar nicht genug danken“, betonte Bürgermeister Thomas Meier bei der Übergabe der Zertifikate. „Diese Betreuung ist etwas ganz besonderes“, würdigte der Verwaltungschef das Engagement der Gruppe. Das größte Lob ist für diese allerdings laut Wild: „Wenn die Leute mit einem Lächeln im Gesicht gehen.“
Wissenswertes zu Demenz und zur Kontaktgruppe
• Symptome: Erste Zeichen, die auf eine Demenz hindeuten, sind laut Gerhard Wagner von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, wenn sich Menschen zurückziehen, sonderbar werden und sich stark verändern. „Wenn sie Dinge, die sie immer gerne gemacht haben, plötzlich nicht mehr machen.“ Spätestens, wenn die kognitiven Leistungen nachlassen und die Vergesslichkeit stark zunimmt, sollten Angehörige mit dem Betroffenen darüber sprechen und den Hausarzt aufsuchen.
• Entwicklung: Die häufigsten Formen der Demenz sind chronische Erkrankungen des Großhirns, wie Alzheimer. Aber auch Vitamin- oder Flüssigkeitsmangel sowie Stoffwechselerkrankungen können eine Demenz als Folge haben. Schon am Anfang kann neben der Vergesslichkeit, nachlassender Aufmerksamkeit oder unpräziser Sprache eine Depression auftreten.
• Umgang: Angehörige sollten den Menschen mit seiner Veränderung annehmen: „Nicht schimpfen, ihn nicht korrigieren und über Fehler hinwegsehen“, sagt Gerhard Wagner. Oft helfen Menschen mit Demenz eine Strukturierung des Tagesablaufs, Bewegung und soziale Kontakte.
• Ansprechpartner: Informationen zur Kontaktgruppe „Mir genga zum Lukas“ gibt das Generationen- und Quartiersmanagement der Gemeinde Berngau. Ansprechpartner ist Wolfgang Wild, der per E-Mail an qm@berngau.de für Fragen zur Verfügung steht.