Neue Kontaktgruppe „Mir genga zum Lukas“ in Berngau will Vereinsamung entgegenwirken

„Vereinsamung ist ein Faktor, der Demenz fördert“, sagt Waltraud Seßler. Genau da setzt die neue Kontaktgruppe „Mir genga zum Lukas“ an. Sie und Quartiersmanager Wolfgang Wild geben einen Ausblick, was ab Juni im frisch sanierten Lukas-Anwesen für Menschen mit und ohne Demenz geplant ist.
Das Landesamt für Pflege hatte Ende März einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn des Vorhabens zugestimmt: Das Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Demenzfonds gefördert – die Höhe sei noch nicht bekannt, erläutert Wild. Doch könne man dieser Zusage nun durchstarten. Bereits am 2. April seien die Demenz-Partner geschult worden. Derzeit erfolgt die letzte Abstimmung für den geplanten Beginn im Juni.
Die Kontaktgruppe solle Entlastung für Angehörige und den Pflegebedürftigen eine Möglichkeit der Teilhabe bieten. Sie solle Menschen mit und ohne Demenz ermöglichen, soziale Kontakte zu pflegen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – und das Thema der Erkrankung mehr in die Öffentlichkeit transportieren, sagt Wild: „Mir ist wichtig, dass sie für alle Menschen offen ist, die sich ins gesellschaftliche Leben miteinbringen möchten.“
Treffpunkt für alle Generationen
„Mir genga zum Lukas“ solle wie in früheren Zeiten eingeflügeltes Wort, das Lukas-Anwesen wieder Treffpunkt für alle Generationen und Menschen mit und ohne Handicap werden, wünschen sich Bürgermeister Thomas Meier und der Quartiersmanager. Das sei Ziel des Sanierungskonzepts für das ehemalige Wirtshaus gewesen.
Hintergrund dafür, eine Kontaktgruppe ins Leben zu rufen, sei gewesen, dass es gerade im ländlichen Bereich für Angehörige schwer sei, Pflegebedürftige für einen kurzen Zeitraum unterzubringen, ohne weit fahren zu müssen. „Wir wussten, dass da in Berngau Bedarf besteht“, erläutert Wild. Die konkrete Idee zu dem Projekt sei dann im Nachgang eines Vernetzungstreffens zur Sozialraum-Koordination im Jahr 2022 entwickelt worden, berichten Quartiersmanager und Bürgermeister.
Weitere Helfer willkommen
Klaus Pippan von der Fachstelle für Demenz und Pflege habe im Sommer 2022 die Möglichkeiten für ehenamtliche Betreuungsgruppen aufgezeigt. Das Ziel, eine solche einzurichten, sei bei weiteren Treffen und indem weitere Multiplikatoren ins Boot geholt worden, konsequent weiterverfolgt worden, erläutert Wild die weitere Entstehungsgeschichte.
Das inklusive Angebot entsteht in Kooperation mit der Fachstelle für pflegende Angehörige des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Neumarkt. Die Trägerschaft übernimmt die Gemeinde Berngau, die Koordination liegt in Händen von Waltraud Seßler. Ehrenamtliche werden sich um die Betreuung kümmern – 13 Helfer hätten bereits Interesse bekundet, weitere seien willkommen.
Besucher und Mieter sollen in das Konzept einbezogen werden
Das Augenmerk liegt laut Wild auf einem Miteinander der Generationen und von Menschen mit und ohne Handicap. Er hofft darauf, dass sich die Ortsvereine, Kindergarten, Schule und andere mit einbringen, Bürgermeister Meier, dass die Besucher der Eltern-Kind-Gruppe, der Bücherei und die Mieter der Wohnungen in den beiden Obergeschossen des Hauses miteinbezogen werden können.
Die Räumlichkeiten seien bewusst offen und barrierefrei gestaltet worden, damit sich die verschiedenen Menschen, die im „Lukas“ ein- und ausgehen, begegnen und miteinander in Kontakt kommen können. Deswegen sei der Zugang zu den Wohneinheiten in den oberen Stockwerken über die öffentlichen Räume geplant worden, stellt Meier heraus.
Der große Multifunktionsraum im hinteren Teil des Gebäudes wird nicht nur Domizil für die Eltern-Kind-Gruppe, sondern auch Heimat für die neue Kontaktgruppe. Vorgesehen ist, dass sie sich zunächst im 14-tägigen Turnus trifft. Bei einer Abfrage hätten zahlreiche Bürger Interesse bekundet, lässt Wild wissen. Willkommen seien nicht nur Leute aus Berngau, sondern auch aus benachbarten Kommunen.
Themennachmittage und Ausflüge geplant
Angedacht sei eine maximale Teilnehmerzahl von 15 Personen und ein Nachmittagsprogramm von 14 bis etwa 16.30 Uhr. Mit Koordinatorin Seßler hat sich Wild Gedanken über das Programm gemacht. Auch die Kita, die Schule, die Chöre und die Tanz-Kids des FSV Berngau hätten signalisiert, sich beteiligen zu wollen.
„Mein ist Ziel es, die Menschen vor Vereinsamung zu schützen“, betont Seßler. Die Berngauerin bringt als ausgebildete Betreuungsassistentin mehr als zwei Jahrzehnte Berufserfahrung in der Altenpflege und Seniorenarbeit mit. „Spiel, Spaß, Abwechslung“ solle das Motto bei den Treffen sein. Dabei solle im Vordergrund stehen, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Angedacht sind aber auch Bastelaktionen, Spiel- und Themennachmittage zu Brauchtum und Traditionen im Jahreskreis, Ausflugsfahrten und Gastbeiträge von Vereinen.
Bürgermeister Meier betont, dass es der große Verdienst von Quartiersmanager Wild sei, dass die Kontaktgruppe ins Leben gerufen werden kann – er habe ein Faible für soziale Dorfentwicklung. Voraussichtlich wird es am letzten Donnerstag im Juni erstmals heißen: „Mir genga zum Lukas“ – an diesem Tag ist das erste Treffen geplant.
Ziele und Ansprechpartner der Kontaktgruppe „Mir genga zum Lukas“
Zielsetzung: Die Kontaktgruppe möchte Menschen mit und ohne Handicap helfen, soziale Kontakte zu erhalten und zu knüpfen. Gleichzeitig sollen Angehörige entlastet werden. Die ehrenamtlichen Helfer um Koordinatorin Waltraud Seßler und Quartiersmanager Wolfgang Wild planen ein abwechslungsreiches Jahresprogramm.
Helfer und Hilfe: Die Kontaktgruppe Demenz freut sich über Ideen und Unterstützung. Das Angebot steht allen offen – egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, egal, ob Menschen mit Demenz im persönlichen Umfeld oder nicht.
Ansprechpartner: Weitere Informationen zur Kontaktgruppe „Mir genga zum Lukas“ gibt das Generationen- und Quartiersmanagement der Gemeinde Berngau. Ansprechpartner ist Wolfgang Wild, der unter der Telefonnummer (0170)7141400 sowie per E-Mail an qm@berngau.de für Fragen zur Verfügung steht.