Er brachte Prävention in Stadt und Region: Prof. Horst Kunhardt nach 21 Jahren an der TH Deggendorf verabschiedet

Zu einer Feierstunde hatte die Technische Hochschule Deggendorf (THD) am Freitagvormittag geladen. Anlass war die Verabschiedung ihres Vize-Präsidenten Prof. Dr. Horst Kunhardt – einem der Väter des Gesundheitscampus in Bad Kötzting und damit auch jahrzehntelangem Wegbegleiter der Stadt auf ihrem Weg zum Präventionsstandort.
Prof. Waldemar Berg, Präsident der THD, garantierte gleich zu Beginn, dass „wir dich auch weiter brauchen werden“. Er ging auch auf drei wichtige Stationen im Hochschulleben von Prof. Kunhardt ein: 2004 habe er an der THD angefangen, 2008 mit einer Vollzeitstelle, seit 2015 sei er Vizepräsident für den Bereich Gesundheit und wissenschaftlicher Leiter. „Wir haben dir letztendlich die Gesundheits-Fakultät zu verdanken“, sagte er. Volkswirtschaftlich gesehen wäre es eine Ressourcen-Verschwendung, wenn Prof. Kunhardt nicht auch weiterhin für die Hochschule arbeiten würde, versicherte der Präsident.
Landrat Franz Löffler sagte, dass das Wirken Kunhardts weit über die Hochschule hinaus und eben auch nach Bad Kötzting ausstrahle. Nach 15 Jahren beim Bezirk Oberpfalz und 21 Jahre als Professor werde heute ein „Visionär“ verabschiedet – und zwar einer, dessen Ideen auch umgesetzt werden. Im Oktober 2012 sei der Gesundheitscampus in Bad Kötzting ins Leben gerufen worden. Damit sei die Expertise der THD in die Region hinausgetragen worden. „Sie haben die Eigenschaft gehabt, ein regionales Netzwerk zu gründen – und zwar ganz ohne, von oben herab etwas einfach zu verkünden“, sagte er.
Stadt zukunftsfähig gemacht
Grenzüberschreitende Notfallrettung mit dem Zentrum in Furth in Wald, Digitalisierung im Gesundheitswesen, Innovationen wie „Dein Haus 4.0“ oder das „New Care Mobil“ seien Ideen, die auch „Schicksalsfragen unserer Zeit beantworten“. Sein Engagement habe dafür gesorgt, dass der Landkreis Cham heute als Vorreiter in der digitalen Pflege gelte.
Im Juli 2018 sei der Zweig für Gesundheit an der Altenpflegeschule installiert worden, auch gegen den Widerstand des Ministeriums. Rund 400 Menschen hätten die Qualifizierung von ausländischen Pflegekräften seit 2012 absolviert. „Ihr Wirken hat den Landkreis Cham innovativer, lebenswerter und zukunftsfähiger gemacht“, zeigte sich der Landrat überzeugt.
Bürgermeister Markus Hofmann versicherte, dass an diesem „besonderen Tag die Stadt mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ auf die Verabschiedung schaue. Ohne Prof. Kunhardt gäbe es den Campus in dieser Form nicht. 2009 habe er ihn – damals noch als Stadtrat – erstmals getroffen. Damals sei die Vision des Gesundheitsstandortes Bad Kötzting formuliert worden, um das junge Kneipp-Heilbad zukunftsfähig zu machen. Lebensstilprogramm, Präventions-Angebote, dauerhaftes Engagement der Hochschule in der Stadt – auch das seien wichtige Entwicklungen nicht nur für die THD, sondern vor allem für die Stadt. „Netzwerker und Ideengeber, scherzhaft oft auch ,Mister Fördergelder‘“, sei er in der Stadt in den vergangenen mehr als 20 Jahren gerne genannt worden. „Was Sie hier aufgebaut haben, ist ein Geschenk für die Stadt und ihre Menschen“, versicherte der Bürgermeister.
Er habe eine sehr wichtige Vermittlerrolle erfüllt
Prof. Michael Bossle als langjähriger Wegbegleiter, Kathrin Martin als operative Leiterin des Gesundheitscampus und Prof. Susanne Heininger als Nachfolgerin sprachen persönliche Dankesworte. Keine Reise zu weit, als Bittsteller nie zu schade – „Für die Gesundheit war dir nichts zu schwer“, sagte Bossle. In der Welt zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft habe er eine sehr wichtige Vermittlerrolle erfüllt. Er habe Menschen begeistert und zusammengebracht.
Kathrin Martin dankte Prof. Kunhardt vor allem für seine Gelassenheit, seinen Humor, und den Mut, immer wieder neue Ideen anzupacken und auch umzusetzen. Seine Nachfolgerin Prof. Heininger versicherte, dass es „sehr, sehr große Fußstapfen“ seien, in die sie trete. Sie vermute aber ohnehin einen „Ruhestand im Unruhestand“, meinte sie. Ihm selbst bleibe nur, allen zu danken: „Gegen Kritik kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos“, meinte Prof. Horst Kunhardt. Für ihn sei er Campus in Bad Kötzting keine Arbeit, sondern ein Herzensanliegen gewesen. „Beste Aussichten für ihre Gesundheit im Landkreis Cham“ sei aber kein Projekt, das wenige gestalten könnten, sondern eines, das alle brauchen.
Keine einfachen Anfänge
Prävention greifbar an einem Standort zu machen, das sei die Aufgabe des Gesundheitscampus, die heute noch wichtiger sei als vor 20 Jahren. Besonders erwähnte er dabei die Familie Staudinger, die nicht nur zwei Stiftungsprofessuren am Campus finanziert habe, sondern als Betreiber der TCM-Klinik Vernetzungen selbst nach China ermöglicht habe.
Einfach seien die Anfänge nicht gewesen, mehrere Außenstellen zu errichten. Im Ministerium sei ihm gesagt worden, dass er sich für Bad Kötzting nur deshalb so einsetze, weil er dort wohne – was allerdings nie der Fall gewesen sei, wie er mit einem Schmunzeln erinnerte.