Tiny House statt Pflegeheim: Innovatives „Austragsheisl 2.0“ in Bad Kötzting präsentiert

Rund 30 Quadratmeter Fläche hat das „New Care Mobil“, das die Technische Hochschule Deggendorf entwickelt hat. Der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt wurde es am Montagnachmittag auf dem Gelände des Gesundheitscampus in Bad Kötzting im Landkreis Cham. Der Andrang war so groß, dass das Tiny House schnell voll war.
Zu sehen gab es dabei einiges, vor allem für diejenigen, die sich länger darin aufhielten und auch die Gelegenheit nutzten, sich mit den Mitarbeitern der THD über die Finessen zu unterhalten. „Man hofft ja nie, dass man es braucht, aber ...“, lautete einer der wohl häufigsten Sätze. Gekommen waren gleich am ersten der insgesamt fünf Tage, an denen das „Austragsheisl 2.0“ (wie es die THD auch getauft hat) in Bad Kötzting Station macht, vor allem ältere Besucher.
Fast alles höhenverstellbar
Die Idee, „im Fall der Fälle“ statt in ein Pflegeheim umzuziehen beziehungsweise das eigene Heim oder das der Kinder barrierefrei umzubauen, die Wohnung auf Zeit in einem bereits perfekt ausgestatteten Tiny House zu beziehen, kam an. Vor allem, wer sich die Zeit nahm, sich nicht nur mit der Fläche, sondern auch mit den technischen Finessen auseinanderzusetzen, war dem „Austragsheisl“ schnell nicht mehr ganz abgeneigt.

Denn wer hat schon eine Toilette im Haus, die nicht nur elektrisch höhenverstellbar, sondern auch ohne Toilettenpapier benutzbar ist (eine Erfindung aus Japan übrigens)? Dasselbe gilt für das Waschbecken im Bad und den Geschirrschrank über dem Herd in der Küche. Die Herdplatte erkennt übrigens über Sensoren auch, ob etwas auf der Platte steht und ob auch jemand davor steht – ansonsten schaltet sie sich einfach ab.
Sicherheit durch Sensoren

Alle drei Räume sind mit Lampen ausgestattet, die erkennen, ob der Bewohner gestürzt ist und die selbständig Nachrichten auf die Handys der Verwandten senden. Auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden in dem kleinen Haus automatisch überwacht. Das Bett kann per Knopfdruck schnell in einen Sessel verwandelt werden. Beheizt wird das Häuschen über eine Infrarot-Deckenheizung mit Strom, dann braucht es noch einen Wasseranschluss – und das war’s eigentlich schon. Pflegebedürftig würden viele „schnell und unerwartet“, sagte Prof. Horst Kunhardt von der TH Deggendorf. Darum sei der Ansatz gewesen, schnell einen eigenen Raum nahe des bestehenden sozialen Umfeldes einer pflegebedürftigen Person aufstellen und dabei den Faktor Sicherheit mit einem gemütlichen Umfeld kombinieren zu können.

Bis Pflegestufe drei, sagte Prof. Kunhardt, sei das „Austragsheisl“ konzipiert. Einen vollwertigen Pflegeplatz in einem Heim könne es darum nicht ersetzen. Das müsse das Tiny House aber auch gar nicht, denn einen abgeschlossenen barrierefreien Raum nahe bei den Verwandten, den könne man auch weit davor oft schon brauchen.

■ Idee: Entwickelt wurde es von der Technischen Hochschule Deggendorf, wobei es alle technischen Geräte, die verbaut wurden, bereits gibt.
■ Größe: Mit rund 30 Quadratmetern Fläche kann das Tiny House in der Regel ohne vorherige Genehmigungen durch das Landratsamt im Garten aufgestellt werden.
■ Kosten: Aktuell geht die Technische Hochschule Deggendorf von Kosten in Höhe von 1200 bis 1500 Euro pro Monat im Leasing aus – oder aber, es wird für den Preis von rund 120 000 Euro komplett gekauft.
■ Besichtigungen: Bis zum 9. Mai steht das New Care Mobil auf dem Gelände des Gesundheitscampus an der Landshuterstraße 1 in Bad Kötzting. Es gibt feste Öffnungszeiten, die wie folgt aussehen: Am Dienstag, 6. Mai, ist das Tiny House von 9 bis 17 Uhr, Mittwoch (7. Mai) von 9 bis 13 Uhr geöffnet; Donnerstag (8. Mai) ist von 9 bis 17 Uhr, Freitag (9. Mai) noch einmal von 13 bis 16 Uhr geöffnet.