Die Gesundheit wurde am Campus in Bad Kötzting eine Woche lang in vielen Facetten beleuchtet

Von Stefan Weber · 9. Februar 2024 um 15:00

Seit zwölf Jahren gibt es den Gesundheitscampus in Bad Kötzting – dass hier nicht nur theoretisch, sondern auch sehr viel praktisch gearbeitet wird, das stellten nun Studenten der THD unter Beweis.

Bürgermeister Markus Hofmann zeigt sich am Freitagvormittag schon ganz gespannt, was bei der zweiten Winterschool der Technischen Hochschule Deggendorf in Bad Kötzting im Sinocur herausgekommen ist. Wichtig seien diese Treffen, da die Teilnehmer aus Österreich, Tschechien und Deutschland in dieser Woche auch ganz praktisch in die Kommunen gingen und Projekte entwickelten, die später auch in die Praxis umgesetzt werden könnten.

Verena Nirschl, Themen-Koordinatorin der Europaregion-Donau-Moldau (Bezirk Oberpfalz), freute sich ebenfalls auf die Ergebnisse der Winterschool. Prof. Horst Kunhardt, wissenschaftlicher Leiter des Gesundheitscampus in Bad Kötzting, erinnerte daran, dass es die Zusammenarbeit mit der Stadt und den angrenzenden Regionen auf tschechischer Seite bereits seit zwölf Jahren gebe.

Viele verschiedene Aufgaben

Was waren nun die Projekte? Zum Beispiel, Angehörige zu unterstützen, die ihre Verwandten zu Hause pflegen; oder aber auch, wie bereits in die Jahre gekommene Fitness-Parcours, die es in einigen Gemeinden gibt, wieder mehr in den Focus vor allem von älteren Bürgern gerückt werden können. Es ging aber auch um einen Mehrgenerationen-Spielplatz für die Gemeinde Miltach und um ein Projekt in Freyung-Grafenau, das einen Schwerpunkt auf die psychische Gesundheit besonders von Frauen gelegt hat.

63 Prozent aller Pflegebedürftigen würden aktuell zu Hause gepflegt, präsentierte eine Gruppe die Zahlen, weniger als 20 Prozent in stationären Heimen. Das bedeute, dass die Verwandten, die ihre Angehörigen selbst pflegten, stark belastet würden. „Schaffe ich das?“, sei die Frage, die sich viele vorab stellten. Freunde, Familie, Hobbys – alles werde zurückgestellt. „Ich muss mich eben kümmern“, dächten viele. Eine Lösung könnte eine I care genannte App sein, die die Aufgabe eines interaktiven Kalenders erfülle. Darin würden Selbsthilfegruppen ebenso erfasst wie Fragebogen, die Pflegenden selbst neutral vor Augen führten, wie belastbar sie wirklich seien. Der Kalender fordere auch Aktivitäten ein, die Pflegende bewusst für sich selbst machen müssten – von Spazierengehen bis Achtsamkeitsübungen. Auch der Kontakt zu anderen werde so organisiert. Was dann noch übrig sei, das sei die Zeit für die Pflege. Wichtig auch: Wer kann noch helfen? Helfer bei der Aufgabe können ihre Zeiten ebenfalls in den Kalender eintragen. Die App müsse aber auch dabei helfen können, Pflegenden aufzuzeigen, dass sie nun mit der Pflege zu Hause überfordert seien.

Im Altersbereich von 45 bis 65 Jahren wollte eine weitere Gruppe für sechs bis acht Wochen auf breiter Basis ein Bewegungs-Programm für Frauen in der Post-Menopause anbieten. Ganz nach dem Motto: „Starker Geist, starker Körper“. Wichtig sei dabei auch, das Angebot in der Zielgruppe entsprechend bekannt zu machen. Die Gruppe hatte die Aufgabe, sich mit der mentalen Gesundheit besonders von Frauen zu beschäftigen. Im Mittelpunkt des entworfenen Programmes standen soziale Kontakte, feste Anleitung, Stressabbau, bessere Schlafqualität, Selbstreflexion und auch die Neubildung von von Nervenzellen. Wichtig: Der Trainingsplan müsse auch online verfügbar sein. Hier könnten die Teilnehmerinnen auch selbst Feedback geben, um ihre Fortschritte selbst kontrollieren zu können.

Einen „Wolkenpark am Regen“ wollte eine weitere Gruppe in Miltach für alle Generationen einrichten. Inklusion und Integration seien hier wichtige Themen. Ein „rundes Modell“ sei entwickelt worden, auch, um die Aufsicht zu erleichtern, zumal auch ein Zugang zum Wasser gewährleistet sein soll. Yoga outdoor, Fit für Senioren – wer immer wolle, könne sich eine dafür vorgesehen Fläche mieten, die sich um den eigentlichen Spielplatz befinden. Auch eine eigene Fläche für Hunde-Trainings sei vorgesehen. Der eigentliche Spielplatz würde sich in der Mitte des in drei Teile aufgegliederten äußeren Ringes befinden. Stellte sich bei den Juroren die Frage nach den Kosten, die zwar nicht berechnet, aber auf rund 300 000 Euro geschätzt wurden.

Alle hatten Potenzial

Einen Spielplatz in Schorndorf mit Parcours wieder attraktiver zu gestalten, das war die Aufgabe der letzten Gruppe. Eine schwierige Aufgabe, da die Anlage ja bereits besteht. Vorgeschlagen wurden nicht nur einige neue Geräte, sondern auch eine Zehn-Jahresfeier zu veranstalten, um die Anlage wieder in das Blickfeld von Kindern und auch von Senioren zu rücken. Eingebunden werden sollten dabei auch die Sportvereine, die so auch neue Mitglieder werben können sollten. Wichtig sei, dass der Parcours dann auch langfristig, also auch durch Vereine, dauerhaft genutzt werden müssen. Wichtig werde bleiben, immer wieder etwas Neues zu bieten – darum wurde auch ein Quiz via QR-Code geplant, das immer wieder verändert werden könne.

Überzeugt hatten letztlich alle vier Vorschläge die Mitglieder der Jury, und darum erhielten die Studierenden letztlich auch den Rat, mit allen ihren Ideengebern in Kontakt zu bleiben und die ausgearbeiteten Vorschläge auch nach Möglichkeit in die Realität umzusetzen – denn für die Schublade wären sie alle viel zu schade, versicherten die Jury-Mitglieder.

Der Gesundheitscampus

Aufgabe: Der Gesundheitscampus Bad Kötzting der Technischen Hochschule Deggendorf beschäftigt sich mit anwendungsorientierter, gesundheitswissenschaftlicher Forschung und Lehre.

Wissenschaft: Er wurde am 22. Oktober 2012 von dem bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, feierlich eröffnet und ist an die Fakultät Angewandte Gesundheitswissenschaften der Technischen Hochschule Deggendorf angegliedert worden.

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. biol. hum. Horst Kunhardt und Prof. Dr. Erich Wühr, operative Leitung Kathrin Martin; Weitere Mitarbeitende sind: Zwei Wissenschaftliche Mitarbeitende, vier Projektleiterinnen, eine Seminarmanagerin, eine Teamassistentin und zwei studentische Hilfskräfte.

I care könnte eine App heißen, die Pflegenden hilft.
Ein runder Spielplatz für alle Generationen
Wie kann mentale Gesundheit gefördert werden?
Einen bestehenden Parcours neu beleben, war die Aufgabe.