Modellprojekt in Bad Kötzting hat die psychische Gesundheit an Schulen im Fokus

Dass psychische Erkrankungen bei Erwachsenen zunehmen, das ist mittlerweile gar nicht mehr so selten ein Thema. Doch dass bereits Kinder im Schulalter immer öfter mit Depressionen oder Angstzuständen zu tun haben, das ist weit weniger bekannt. Mit der Technischen Hochschule Deggendorf startet die Stadt Bad Kötzting (Landkreis Cham) dazu ein bayernweites Modellprojekt.
Am Montag gab es ein erstes Treffen mit Anna Lummer und Lukas Schmidbauer von der THD gemeinsam mit Bürgermeister Markus Hofmann und den Vertretern der Schulen vor Ort. „Wobei die Vorbereitungen schon rund anderthalb Jahre laufen“, wie Hofmann beim anschließenden Pressegespräch erklärte. Einiges an Geld und Energie fließe in der Region bereits in Präventions-Programme, die in der Stadt als zentralem Ort zusammenlaufen. Allerdings im Moment vor allem für Erwachsene.
Konkrete Fälle in der Region
Wer sich einmal genau umsehe und umhöre und auch das Alter von Straftätern etwa in den Polizeiberichten verfolge, der werde schnell feststellen, dass es nicht nur Erwachsene Menschen seien, die zumindest mutmaßlich an psychischen Erkrankungen litten: 16-Jährige, die Waffen sammelten; 19- und 23-jährige Brüder, die nicht nur zu Aggression neigten, sondern auch große Mengen an Drogen anbauten. Nur zwei Fälle von einigen, die in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt hätten.
„Die Stadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein kommunales Präventions-Konzept für alle Bürger anzubieten, und da gehören die Schüler natürlich auch dazu“, sagt Hofmann zur Begründung, weshalb ausgerechnet die Stadt Bad Kötzting ein Programm entwickeln will, das nach drei Jahren im besten Fall Beispielcharakter für anderen haben sollte. Natürlich biete jede der Schulen am Ort – vom Förderzentrum bis zum Gymnasium – eigene Möglichkeiten für Schüler an. Aber: Wie können die jeweiligen Angebote für alle gemacht werden und wie können bereits begonnene Programme etwa an der Grundschule an weiterführende Schulen übernommen werden – und was wollen und brauchen die Schüler eigentlich?
Das sind nur einige der vielen Fragen, die sich Anna Lummer, für die während des Projektzeitraums eine eigene Stelle bei der Stadt geschaffen worden ist, und Lukas Schmidbauer von der THD nun nicht nur sich, sondern auch den Schülern stellen werden.
80 Prozent der Kosten steuert das GKV-Bündnis bei
Prof. Michael Frey von der Hochschule wird das Projekt außerdem begleiten. Rund 300.000 Euro und damit 80 Prozent der Kosten steuert das GKV-Bündnis für Gesundheit, eine gemeinsame Initiative der gesetzlichen Krankenkassen unter der Aufsicht von Laura Hannemann bei. Das zeige, wie wichtig auch hier dieses Thema gesehen werde, sagte Markus Hofmann.
Zu Programmen dieser Art gehöre es natürlich auch, dass am Anfang noch niemand genau sagen könne, was am Ende herauskomme, wissen Lummer und Schmidberger. Das Präventions-Programm psychische Gesundheit für Schüler solle auch nicht einfach an der Hochschule in der Theorie entwickelt und dann vorgesetzt, sondern gemeinsam mit den Schülern und auch Lehrern entwickelt werden.
Viele Faktoren zu beachten
Faktoren gebe es viele zu bedenken. Da seien nicht nur die ohnehin vollen Lehrpläne, in die wohl nicht mehr viel zusätzliches an psychischer Betreuung werde fließen können. Aber im Nachmittagsunterricht vielleicht? Auch Vereine wie der Turnverein hätten ihre Bereitschaft zur Kooperation bereits bekundet. „Eine erste Frage an die Schüler wird sein müssen: Was wollt ihr und was braucht ihr?“, sagt Lummer. Konzepte müssten gemeinsam erarbeitet werden, damit sie letztlich auch Sinn machten – und natürlich müssten auch die Eltern mit ins Boot geholt werden.
Die kommenden drei Jahren seien ein Prozess, an dem immerhin rund 600 Schüler in den Klassen 1 bis 6 an allen fünf Schularten auf dem Bildungshügel der Stadt eingebunden werden sollen. Am Ende des Projekts sollte dann auch den Forschenden viel klarer sein, was die psychische Gesundheit der Schüler belastet und wie dem sinnvoll begegnet werden kann – und vielleicht entsteht daraus wirklich ein Programm, an dem sich auch andere Städte mit ihren Bildungseinrichtungen ein Beispiel nehmen könnten.
