Nach Nominierung: Viel Lob, aber auch Kritik in Cham für die Personalie Englhardt-Kopf

Jubel bei den Parteifreunden, Optimismus bei den Bauern, Zurückhaltung und Kritik beim politischen Gegner – die Reaktionen auf die Nominierung von Martina Englhardt-Kopf (CSU) für das Amt der Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium fallen im Landkreis Cham unterschiedlich aus. Erwartungsgemäß.
„Für uns, für die ganze Oberpfalz ist das eine gute Nachricht“, sagt Franz Holzapfel, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Cham. Englhardt-Kopf stamme aus der Region und sei als Nebenerwerbsbäuerin der Landwirtschaft verbunden, sagt er. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihr, sie hat immer ein offenes Ohr für uns“, berichtet der BBV-Funktionär – und das nicht nur deshalb, weil sie für ihr Chamer Abgeordnetenbüro Räume beim Bauernverband gemietet hat.
„Kurze Wege und direkter Draht“
„Wir haben kurze Wege und einen direkten Draht“, berichtet Holzapfel. Wenn sie telefonisch nicht errichbar sei, dann rufe sie stets zurück. Welchen Weg die Agrarpolitik des Bundes nun gehen werde, müsse man sehen. Die Erwartungen des Chamer BBV an die neue Staatssekretärin und den künftigen Landwirtschaftsminister Alois Rainer aus Niederbayern seien klar: Beschlüsse der Ampelregierung zurückdrehen und die kleinen und mittelständischen Betriebe stärken. Konkret nennt Holzapfel unter anderem eine Abkehr vom strikten Aus für die Anbindehaltung.
„Wir sind jedenfalls froh, dass es eine Frau aus der Region wird, die Ahnung von der Landwirtschaft hat“, sagt Holzapfel. „Ich denke, dass die ganze Oberpfalz stolz darauf sein kann, dass eine von uns dieses Amt übernimmt.“

„Absolut positiv“, so bewertet auch Erhard Zimmermann, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Schwarzenfeld/Waldmünchen, die Berliner Personalie. „Sie kennt die Region, ihre Struktur und die Probleme“, sagt er. Englhardt-Kopf habe schon in der Vergangenheit ein offenes Ohr für die Landwirtschaft gehabt. Von der neuen Spitze des Ministeriums erwartet er, dass sie „nicht mehr so ideologisch führt“ wie bisher, womit er den noch amtierenden Amtsinhaber Cem Özdemir von den Grünen meint.
„Keine Wunderdinge erwarten“
Die Landwirtschaft, so Zimmermanns Hoffnung, bekomme jetzt wieder „den Stellenwert, den sie haben sollte“. Dabei dürfte man von Rainer und Englhardt-Kopf „keine Wunderdinge erwarten“, warnt er. Auf frischen Wind und neue Akzenze dürfe man aber sicher hoffen.
Dass Chams Landrat Franz Löffler („sehr gute Entscheidung“) und CSU-Kreisvorsitzender Dr. Gerhard Hopp („Bestätigung ihrer außerordentlich engagierten Arbeit“) die Berufung von Martina Englhardt-Kopf in die Regierungsmannschaft beklatschen, ist wenig überraschend, ebenso die Reaktion des politischen Gegners. Die Ernennung sei „eine typische Personalentscheidung der CSU, die zwar regionale Interessen berücksichtigt, aber nicht für eine qualitative Verbesserung steht“, schreibt Reinhard Mixl (AfD), der wie Englhardt-Kopf den Wahlkreis Schwandorf, zu dem auch der Landkreis Cham gehört, im Bundestag vertritt. Sie habe bei den Koalitionsverhandlungen für den Fachbereich Landwirtschaft mitgewirkt. „Mehr habe ich von ihr zum Thema Landwirtschaft bislang nicht gehört“, sagt Mixl. „Im Bundestagswahlkampf hatte Frau Englhardt-Kopf einen eher unauffälligen Auftritt, was meine Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Regierungsmitglied entsprechend niedrig ausfallen lässt.“
„Keinerlei spürbare Verbesserungen“
Für den Wahlkreis Schwandorf werde diese Berufung „keinerlei spürbare Verbesserungen bringen – es bleibt bei Symbolpolitik“, sagt Mixl, dessen Partei vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfallgeführt wird. „Echte Veränderungen wird es erst dann geben, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernimmt.“
Tina Winklmann von den Grünen, die ebenfalls für den Wahlkreis im Bundestag sitzt, gratuliert der politischen Konkurrentin. Weil sie derzeit mit der Fraktion auf Klausurtagung sei, können sie sich zur Personalie nicht weiter äußern, heißt es aus ihrem Berliner Büro.
„Gewinn für unsere gesamte Region“
Auch der Landtagsabgeordnete Julian Preidl (Freie Wähler) gratuliert Martina Englhardt-Kopf herzlich zur Ernennung als Parlamentarische Staatssekretärin. Die Berufung sei „eine große Anerkennung für ihre engagierte Arbeit und ein Gewinn für unsere gesamte Region“.