Trotz Kritik an Elon Musk: Oberpfälzer Tesla-Kunden bleiben der Marke treu

Von Antonia Zuruev · 2. Mai 2025 um 05:00

Vandalismus, Imagekrise und Rechtfertigungsdruck: Tesla-Besitzer sprechen darüber, wie sie den Wandel der öffentlichen Meinung erleben und warum sie trotz allem an der Marke festhalten.

Ein nervöser Blick über die Schulter. Dann ein prüfender Blick auf das Auto. Keine neuen Kratzer, keine Aufkleber mit politischen Botschaften. Alles gut. Noch. Wer heute in deutschen Großstädten mit einem Tesla parkt, erlebt nicht selten genau diese Mischung aus Vorsicht und Sorge. Denn das elektrische Statussymbol ist durch Skandalchef Elon Musk für viele zum politischen Zündstoff geworden – und inzwischen auch vermehrt zum Ziel von Vandalismus.

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Kaum ein Name polarisiert derzeit so stark wie der von Elon Musk. Seine politischen Auftritte, provokanten Aussagen und jüngsten Skandale haben selbst langjährige Fans irritiert. Ein Video, in dem er während der Vereidigung Donald Trumps im Januar eine Geste zeigt, die als Hitlergruß gedeutet wurde – was er selbst bestreitet –, sorgte weltweit für Schlagzeilen. Viele Tesla-Fahrer geraten dadurch unter Druck, obwohl sie mit Musk oft wenig gemein haben.

Tesla-Fahrer: zwischen Technikliebe und Loyalität

Einmal im Monat treffen sie sich in Regensburg, beim Tesla-Supercharger: E-Auto-Besitzer – viele sind Oberpfälzer, fast alle fahren Tesla. Ann-Kristin Gruber aus Waldmünchen gründete den Stammtisch 2018, nachdem Tesla seine Community-Treffen eingestellt hatte.

Heute sind über 50 Mitglieder in ihrer WhatsApp-Gruppe aktiv, der Austausch reicht von Ladeerfahrungen bis zu Smart-Home-Projekten. „Das war früher ganz normal, dass man sich am Supercharger unterhält“, sagt sie. Früher sei Tesla etwas Besonderes gewesen – heute werde man manchmal mit skeptischen Blicken bedacht. Oder schlimmer.

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Viele Stammtisch-Mitglieder fuhren Tesla lange bevor die Skandale um Elon Musk begannen – damals mangels Alternativen, heute aus technischer Überzeugung. „Damals gab es schlicht keine wirkliche Konkurrenz, wenn man ein E-Auto wollte“, heißt es mehrfach. Auch heute sehen sie wenige echte Herausforderer: „Wenn man sich keinen Tesla wegen Musk kauft, dann darf man erst recht kein chinesisches Auto kaufen“, meint Ulrich Bartelmann aus Lappersdorf.

Vom Luxus zur Zielscheibe

Was mit begeistertem Winken auf der Straße begann, ist bei vielen in Argwohn umgeschlagen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern häufen sich Berichte über beschädigte Teslas, angezündete Supercharger und Schmähaufkleber. „Elon is evil“ – auf Deutsch „Elon ist böse“ oder „Tesla is fascist“ – auf Deutsch „Tesla ist faschistisch“ – das musste auch Fred Schaebsdau aus Mannheim an seinem Auto lesen. „Aber das kriegt man wieder runter“, sagt er.

Früher waren wir ein elitärer Kreis, heute gehören wir zu den Geächteten.

Erhard Nübler, Tesla-Fahrer aus Schwandorf

Auch Ann-Kristin Gruber berichtet: „Wir wollten heuer eigentlich nach Hamburg fahren – haben wir abgesagt. Ich habe keine Lust, dass mein Auto bespuckt oder verkratzt wird“, sagt sie mit Blick auf jüngste Vandalismusvideos, die per Tesla-Wächtermodus aufgenommen wurden. In der Stadt, etwa in Regensburg, mache sie sich durchaus Sorgen – „aber bei uns auf dem Land eigentlich nicht.“ Erhard Nübler fasst den Stimmungsumschwung zusammen: „Früher waren wir ein elitärer Kreis, heute gehören wir zu den Geächteten.“

Die Angst gilt dabei nicht primär dem Auto selbst. Ann-Kristin Gruber sagt: „Wenn jemand mein Auto anzündet und es ist weg, verliere ich das lebenslange Gratisladen an den Superchargern“, das bei älteren Modellen enthalten ist. Der Verlust dieses Vorteils wiegt für viele schwerer als der Sachschaden, für den die Versicherung im schlimmsten Fall aufkommt.

Auto-Aufkleber als Schutzschild

Viele Tesla-Fahrer bemühen sich, zwischen Produkt und Person zu unterscheiden. „Das sind zwei Paar Schuhe“, sagt Fred Schaebsdau. Ulrich Bartelmann hat sogar einen Aufkleber an seinem Model S angebracht: „I bought the car, not the CEO“ – auf Deutsch „Ich habe das Auto gekauft, nicht den Firmenchef“. Auch Michael Hoffmann hält nichts davon, Kaufentscheidungen an der Führungsspitze eines Unternehmens festzumachen. Würde man das bei allen Autobauern so handhaben, sagt er, dürfte man kaum noch ein Fahrzeug kaufen – die Fokussierung auf Elon Musk sei völlig überzogen. Andere wie Daniel Szoska aus Friedenfels wollen sich nicht öffentlich positionieren. „Ich sehe mich dann genötigt, mich von irgendwas zu distanzieren. Ich hab mit dem Mann nichts zu tun“, sagt er. Auch Monika Nübler betont: „Dieses Auto heißt ja nicht Musk, sondern Tesla.“

Ulrich Bartelmann aus Lappersdorf setzt ein deutliches Zeichen gegen Tesla-Chef Elon Musk – mit einem Sticker auf seinem Model S. - Foto: Antonia Zuruev

Tesla im Abwärtstrend

Dass sich das Imageproblem auch wirtschaftlich auswirkt, zeigen die aktuellen Zahlen. Wie die dpa unter Berufung auf den europäischen Herstellerverband ACEA berichtet, sind die Tesla-Zulassungen in der EU im ersten Quartal 2025 um satte 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Bereits zu Jahresbeginn hatte es einen Rückgang von 49 Prozent gegeben. Während der Gesamtmarkt für Elektroautos in der EU um 23,9 Prozent zulegte – und nun einen Marktanteil von 15,2 Prozent erreicht hat – befindet sich Tesla im freien Fall. Ein niederschmetterndes Signal für das Vertrauen in die Marke.

VW hat beim Dieselskandal betrogen – aber so behandelt wie Musk wurde niemand.

Hans-Jürgen Gruber, Tesla-Fahrer aus Waldmünchen

Die Stammtisch-Mitglieder kritisieren eine Doppelmoral in der öffentlichen Wahrnehmung. Brände bei E-Autos würden medial oft überdramatisiert, vor allem wenn ein Tesla betroffen sei. Auch Skandale würden bei anderen Herstellern milder bewertet. Hans-Jürgen Gruber meint: „VW hat beim Dieselskandal betrogen – aber so behandelt wie Musk wurde niemand.“

Ein fahrendes Statement

Kaum jemand am Stammtisch denkt ernsthaft über einen Wechsel nach. Der Grund? Die Technik. Die Reichweite. Die Ladeinfrastruktur. Die Software. Und vor allem: das Fahrgefühl. Für viele ist das Model S mehr als nur ein Fahrzeug – er ist ein Stück Lebensqualität, ein fahrendes Statement.

Die große Mehrheit der Tesla-Fahrer, mit denen die Mediengruppe Bayern gesprochen hat, steht loyal zum Produkt – nicht zur Person Elon Musk. Viele hoffen, dass sich die Lage beruhigt, zumal Musk inzwischen selbst angekündigt hat, sich wieder stärker auf Tesla konzentrieren zu wollen. „Es wird eine Zeit nach Trumps zweiter Amtszeit geben“, sagt Fred Schaebsdau. Bis dahin bleibt der Tesla für viele mehr als nur ein Fahrzeug – er ist ein fahrendes Statement. Ein Stück persönlicher Fortschritt, Technikfaszination und Unabhängigkeit auf vier Rädern. Nur eben nicht immer das Statement, das andere darin sehen wollen.

Tesla unter Druck

• Vandalismus: In mehreren deutschen Städten kam es zuletzt zu politisch motivierten Angriffen auf Tesla-Fahrzeuge und -Filialen. Laut Spiegel-Umfrage meldeten Landeskriminalämter Brandstiftungen, zerkratzte Fahrzeuge und Schmierereien – etwa in Dresden, Hamburg und Rostock.

• Hintergrund: Ziel ist oft nicht die Marke, sondern Chef Elon Musk, der mit rechten Positionen und politischen Provokationen zunehmend polarisiert. In den USA hat das FBI eine eigene Taskforce zum Schutz von Tesla gegründet.