Verkehrsexperten: Das Auto muss in Regensburg Platz abgeben

Von Marion Koller · 27. April 2025 um 19:00

Die Stadt erstickt zu den Stoßzeiten im Verkehr. 97.000 Pendler rollen an Wochentagen zum Arbeiten nach Regensburg, viele mit dem Auto. Der innerstädtische Binnenverkehr kommt hinzu. So kann es in Regensburg nicht weitergehen, sagen Fachleute und viele Bürger. Radler, Bus und Park&Ride brauchen mehr Raum.

Das Mobilitätskonzept für den Großraum Regensburg schlägt Maßnahmen und Strategien vor. Seit 2021 haben Verkehrsexperten sowie Verantwortliche aus Stadt und Land daran gearbeitet. Bürger wirkten mit.

Die Verkehrsfachleute von der PTV Transport Consult in Karlsruhe mussten freilich einen Spagat schaffen, denn eine Verkehrswende ist dringend notwendig, doch große Straßenprojekte sind gesetzt: der Ausbau der Nordgaustraße und der Bau der Sallerner Regenbrücke, der noch mehr Verkehr in die Stadt ziehen wird. Die Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels muss sein. Damit steht der Rahmen fest. Auch die Tram kommt bekanntlich nicht und der Busverkehr stößt an Grenzen.

Mit E-Bike den Stau umfahren

Doch innerhalb dieses Rahmens sollen auch zahlreiche umweltfreundliche Maßnahmen realisiert werden: Expressbuslinien, Busnetzverdichtung, Radschnellwege, rasche Umsetzung des Radverkehrskonzepts, Ausbau von Park&Ride am Stadtrand und Umverteilung von Straßenraum zugunsten von Bus und Rad sind Beispiele. Im Ausblick des Mobilitätskonzepts heißt es: Wegen der zunehmenden Herausforderungen durch Bevölkerungswachstum und steigendes Verkehrsaufkommen „ist ein Weiter so nicht tragbar“. Am morgigen Dienstag wird der Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen das Mobilitätskonzept für den Großraum diskutieren.

Klaus Wörle: „Da wären Stadt und Landkreis gefordert, alle Hebel in Bewegung zu setzen.“

Dr. Klaus Wörle, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Kreisverband Regensburg, arbeitet seit Jahren in der regionalen Verkehrspolitik mit. Drei Maßnahmen würde er priorisieren: Erstens die Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Norden, zumindest bis Schwandorf. Diese beschleunigt die Bahn und macht sie leistungsfähiger, weil in kürzeren Zugabständen gefahren werden kann. „Da wären Stadt und Landkreis gefordert, alle Hebel in Bewegung zu setzen“, fordert Wörle. Bis zur Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels solle die Elektrifizierung umgesetzt werden, damit mehr Pendler aus dem Norden auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) umsteigen können. „Sonst werden viele im Stau stehen.“ Zweitens plädiert Wörle für einen Radschnellweg am westlichen Regenufer vom Auerbräu in Steinweg nach Regenstauf und Diesenbach. „Damit Pendler mit dem E-Bike schnell und kreuzungsfrei von Regenstauf aus das Zentrum von Regensburg erreichen.“

Optimierung der Buslinien sei ein dritter nötiger Schritt

Der bestehende Radweg könne leicht auf drei Meter verbreitert werden. Eine weitere Möglichkeit sei ein Radschnellweg nach Neutraubling. „Vor dem Tunnelausbau muss man für möglichst viele Pendler ein möglichst gutes Angebot hinkriegen.“ Wörle will nicht die Verkehrsträger gegeneinander ausspielen. Ein Teil der Pendler müsse sicherlich weiterhin ins Auto steigen. Ein dritter nötiger Schritt sei die Optimierung der Buslinien.

„Nächste Forderung kommt“

Die Maßnahmen des Mobilitätskonzepts füllen 95 Seiten. Manuel Lorenz, der verkehrspolitische Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, sagt, wichtig sei die richtige Priorisierung. Aus IHK-Sicht sollen die Baumaßnahmen rund um die Sallerner Regenbrücke, der mehrgleisige Ausbau der Schiene nach Obertraubling und der Aufbau einer Regio-S-Bahn mit 30-Minuten-Takt ins Umland zügig umgesetzt werden.

Die Stadt Regensburg realisiert heute bereits laufend Maßnahmen im Sinne des Mobilitätskonzepts, auch um die Umweltziele des Regensburg-Plans 2040 zu erreichen. Als Beispiele nennt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra den Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Angebotsverbesserungen im Busnetz, den Ausbau des Carsharings und die Planungen zur Verkehrsberuhigung der Altstadt.

Klaus Wörle stellt eine gewisse Halbherzigkeit der Studienautoren und der Kommune fest. Scharf kritisiert er den Ausbau der Nordgaustraße und den Bau der Sallerner Regenbrücke. „Die fallen uns in der Stadt auf die Füße.“ Es werde noch mehr Verkehr über Nibelungenbrücke, Weißenburgstraße und Landshuter Straße fließen. „Dann kommt sicherlich die Forderung, die Kreuzung beim Donau-Einkaufszentrum auszubauen.“

Bessere Busfahrpläne und fast 900 Ladepunkte

Stadtwerk.Mobilität: 2024 Erweiterung des Nachtbus-Angebots N1 bis N7 – donnerstags bis 1.30 Uhr; Harting angeschlossen. Linie 6 – in den Sommerferien tagsüber 15-Minuten-Takt. Linie 5 – Fahrplan Hauptbahnhof bis Jahnstadion wird sonntags und abends ausgeweitet, genauso bei Linie 8 der Fahrplan Hauptbahnhof bis Klenzestraße. Linie 9 wird bis Harting verlängert. 2025 Anbindung Parkplatz Unterer Wöhrd an die Altstadt. Ab Juli durchgängiger Taktverkehr Linie 18 Kunstpark und Anbindung Sportpark Ost. Die Flotte umfasst immer mehr E-Busse. E-Carsharing: Insgesamt stehen 27 Fahrzeuge an 19 Standorten zur Verfügung.

Rewag: Diese betreibt in der Stadt 425 öffentliche Ladepunkte. Auch 450 nichtöffentliche gibt es. Im Umland sind es 275 öffentliche und fünf nichtöffentliche. In der Stadt sind heuer weitere 105 öffentliche Ladepunkte geplant.

Klaus Wörle vom ADFC sagt, vor dem Tunnelausbau müsse man für Pendler ein gutes Rad-, Bahn- und Busangebot hinkriegen. Foto: ADFC
Manuel Lorenz von der Industrie- und Handelskammer pocht auf die richtige Priorisierung der Maßnahmen. Foto: IHK