Nester der Roten Waldameise werden wegen Straßensanierung bei Rötz umgesiedelt – nur per Hand

Von Stefanie Bauer · 8. April 2025 um 11:00

Die Königin ist in der Kuppel, somit kann es losgehen: Unzählbar viele Ameisen wuseln im Nest und bald auch auf Handschuhen, Hemd und Warnweste von Hubert Fleischmann von der Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern. Er lässt sich davon aber keineswegs aus der Ruhe bringen. „Was aussieht wie Reiskörner sind Puppen, die Eier sind so klein wie Salzkörner“, erklärt er, während er Teile des Nests mit den Ameisen und ihrem Nachwuchs mit den Händen in eines der blauen Fässer schaufelt.

Vermutlich habe die Königin vor ungefähr drei Wochen mit dem Legen angefangen. „Jetzt ist die beste Zeit zum Umsiedeln“, sagt Fleischmann. Aber warum nun dieser Umzug mit der gesamten „Kinderstube“?

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Die lang ersehnte Sanierung der Staatsstraße 2150 zwischen Rötz und der Landkreisgrenze steht demnächst an, die Rodungsarbeiten für die Maßnahme sind bereits abgeschlossen.

Schon zu diesem Zeitpunkt waren die Ameisennester entlang der Straße mit rot-weißem Absperrband eingezäunt und mit gelben Schildern versehen, die darauf aufmerksam machen, dass die unter Naturschutz stehenden Waldameisen helfen, den Wald gesund zu erhalten und dass man die Nester keinesfalls beschädigen darf. Bleiben können sie wegen der Straßenbauarbeiten allerdings nicht.

Von März bis April ist die beste Zeit zum Umsiedeln

Im Winter ist das Ameisenvolk bis zu zwei Meter tief im Boden, weiß Fleischmann. Mitte März bis Mitte/Ende April, wenn das Volk und auch die Königin in der Nestkuppel sind, „ist die beste Zeit zum Umsiedeln.“ Damit das so verletzungsfrei wie möglich geschieht, dürfen dafür keine Maschinen wie Bagger und dergleichen eingesetzt werden.

Nachdem die Ameisen von Hand in die Fässer geschaufelt worden sind, werden sie sicher verwahrt an einen geeigneten Platz in der näheren Umgebung gebracht, der mindestens 300 Meter vom Altstandort entfernt sein muss – ansonsten besteht die Gefahr, dass sie an den alten Platz zurückziehen. „Die Ameisen, die jetzt noch im Boden drin sind, locken wir raus, und wenn wir nach ungefähr fünf Tagen wieder kommen, ist der Rest da“, ist Fleischmann sich sicher. Denn die am Altstandort verbliebenen Ameisen beginnen sofort wieder mit dem Nestbau und werden dann nachgeholt. Und: „Wenn man zwei Mal herfahren kann, ist es für die Ameisen nicht so stressig.“

Der neue Standort wurde in Absprache mit den Bayerischen Staatsforsten – für die Ameisenfreunde „seit Jahrzehnten bayernweit der beste Partner“, betont Fleischmann –, festgelegt: Es geht in den beiden Fässern zu schönen Fleckchen auf dem Schwarzwihrberg.

Dort ist bereits vorher der Platz für die vielen Krabbler ausgewählt worden. Für den Aufbau der neuen Nestkuppel dürften die Ameisen bei guter Witterung rund drei Wochen brauchen, dann sollte der Umzug abgeschlossen sein, so die Erfahrung der Mitglieder der Ameisenschutzwarte.

Zahlen zum Ameisenbestand

Die Rote Waldameise ist eine geschützte Art. Allgemein sollte man auf diese Insekten ein Augenmerk haben, denn die Zahlen, die dem Verein vorliegen, sind alarmierend: Bei der Erhebung des Ameisenbestandes vor rund 120 Jahren gab es in Deutschland weit über 100 Arten, bei der letzten Erhebung 2003 wurden in Bayern noch etwa 80 Arten der Krabbler festgestellt.

Entlang der Staatsstraße sind es insgesamt drei Ameisenvölker, mit deren Umsiedelung am Freitag begonnen wurde. Fleischmann ist zufrieden: „Wir haben schon einen relativ großen Teil erwischt“ – der jetzt auf dem Schwarzwihrberg krabbelt.

Maschinen können für die Umsiedelung nicht eingesetzt werden.
Absperrbänder und Schilder weisen auf die Nester hin.
Die rote Waldameise ist geschützt.