Rodung für die Straßensanierung: Viel Holz und ein Umzug für drei Ameisenvölker bei Rötz

Der Winterdienst bezeichnet sie als eine der für ihn vorrangigen Strecken im Gemeindegebiet, der steile und kurvige Anstieg der Straße wurde schon in der Zeit der Pferdefuhrwerke beschrieben, und die Asphaltdecke gleicht an manchen Stellen einem Flickenteppich: Gemeint ist natürlich die Staatsstraße 2150 zwischen Rötz und der Landkreisgrenze.
Dennoch ist die Strecke, die über Neukirchen-Balbini führt, von Rötz aus die präferierte, wenn man zum Beispiel nach Regensburg fahren möchte – und ihre Bedeutung dementsprechend groß. In diesem Frühjahr soll nach langer Planung die Sanierung der Straße in Angriff genommen werden. Auf der 2,3 Kilometer langen Strecke werden, verteilt auf zwei Jahre Bauzeit, rund sechs Millionen Euro verbaut, hatte das Staatliche Bauamt Regensburg informiert.
Für Ausbau frei machen
Momentan laufen die Rodungsarbeiten im Straßenseitenraum, die notwendig sind, um das Baufeld für den ab dem Frühjahr beginnenden Ausbau der Straße frei zu machen. Durchgeführt werden die Rodungsarbeiten vom Maschinenring Ostbayern.
Entlang der Straße türmen sich die gefällten Bäume. Drei Bereiche neben der Strecke fallen durch Einzäunungen mit rot-weißem Absperrband und gelben Schildern auf: Die Ameisenschutzwarte Bayern weist auf drei Nester der unter Naturschutz stehenden Waldameisen hin, dass diese helfen, den Wald gesund zu erhalten und darauf, die Nester nicht zu beschädigen.
Geschützte Waldameisen
Die Ameisenvölker selbst sind momentan nicht zu sehen. Sie haben sich um diese Jahreszeit noch tief in die Erde zurückgezogen in ihr Nest, das manchmal bis zu zwei Meter tief in den Boden reicht. In einer Kältestarre warten sie auf das Frühjahr und kommen erst etwa Mitte März, wenn der Boden aufgetaut ist, an die Oberfläche, weiß Hubert Fleischmann von der Geschäftsstelle Nabburg der Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern.
Ab Mitte März bis Mitte Mai seien auch die Ameisenköniginnen in der Nestkuppel, dann könnten diese relativ verletzungsfrei mit umgesetzt werden, so Fleischmann. Maschinen wie Bagger und dergleichen können für die Umsiedelungen nicht eingesetzt werden. Die Ameisen müssen von Hand in Fässer geschaufelt und an geeignete Plätze in der näheren Umgebung gebracht werden, die mindestens 300 m vom Altstandort entfernt sein müssen – ansonsten besteht die Gefahr, dass die Ameisen an den alten Platz zurückziehen.
Die am Altstandort verbliebenen Ameisen beginnen sofort wieder mit dem Nestbau und müssen in Abständen von fünf bis sieben Tagen nachgeholt werden. Solche Umsiedelungen seinen – im Gegensatz zu sogenannten Notumsiedelungen, die später im Jahr und teilweise unter Zeitdruck stattfinden – in der Regel erfolgreich, weiß Fleischmann.
Die gesamte Aktion ist mit dem Staatlichen Bauamt abgestimmt und führt auch nicht zu Verzögerungen – als Starttermin für die Straßenbauarbeiten ist ohnehin das Frühjahr angesetzt. Das Bauamt gibt an, dass es bis längstens Freitag, 28. Februar zu Verkehrsbehinderungen wegen der Rodungsarbeiten im Straßenseitenraum kommen könne. Wie Baudirektor Berthold Schneider, Leiter Straßenbau im Oktober informiert hatte, ist die Waldfläche, die gerodet wird, 15 000 Quadratmeter groß. Im Gegenzug werde es Ausgleichsmaßnahmen geben.
Die Baumaßnahme selbst wird unter Vollsperrung durchgeführt werden, wobei Besonderheiten zum Wasserschutzgebiet berücksichtigt werden müssen: Es wird eine Folienabdichtung zum Untergrund entstehen, zudem werden Schutzplanken auf beiden Straßenseiten errichtet. Außerdem wird es abgedichtete, befestigte Bankette geben. Das Fahrbahnoberflächenwasser wird laut Staatlichem Bauamt vollständig gefasst und über Rückhaltebecken und Rohrleitungen aus dem Wasserschutzgebiet abgeleitet. Die gesamte Maßnahme wird in zwei Bauabschnitten umgesetzt. Die künftige Fahrbahnbreite wird 6,50 Meter (Fahrstreifenbreite 2,75 Meter, Randstreifen 0,50 Meter) betragen.
Steile Anstiege bereiteten Schwierigkeiten
Name: Der umgangssprachliche Name „Ausgspann“ für die Strecke von Rötz bis zur Landkreisgrenze stammt noch aus der Zeit, in der die Straßen vor allem von Pferdegespannen befahren wurden. „Schwierigkeiten bereiteten die steilen Anstiege“, ist im Rötzer Heimatbuch nachzulesen, auch am „Ausgspann“ südlich von Rötz.
Pferde: Dort habe man zusätzliche Pferde benötigt, die dann auf der Höhe wieder ausgespannt wurden.

