Schweres Gerät für die Gelbbauchunke: Die Bundeswehr rückt mit Bergepanzer an

Von Stefanie Bauer · 10. Oktober 2023 um 19:00

Der knapp 40 Tonnen schwere Bergepanzer der Bundeswehr machte sich um 6 Uhr früh von Roding aus auf den Weg. Sein Ziel: die vor Jahrzehnten stillgelegte Sandgrube in Rötz, in der er am Dienstagvormittag die Erde platt fährt.

Es ist ein großer Aufwand für ein kleines Tierchen: Der Naturpark Oberer Bayerischer Wald und die Bundeswehr arbeiten zusammen – und zwar für die Gelbbauchunke. Die streng geschützte Art, die auf der Roten Liste steht und damit als gefährdet gilt, fühlt sich nämlich in der ehemaligen Sandgrube sehr wohl. Die Arbeiten am Oberboden werden durchgeführt, damit die Unke dort weiterhin optimale Bedingungen für ihre Fortpflanzung vorfindet.

Fahrspuren sind optimal

Bombina variegata, so der wissenschaftliche Name der mit sechs Zentimetern kleinsten Amphibienart Mitteleuropas, braucht für die Eiablage besonnte, vegetationsarme flache Gewässer. Sie liebt zum Beispiel Pfützen und Fahrspuren – so wie sie durch den Panzer entstehen.

Dass in der Sandgrube in Rötz Gelbbauchunken leben, hat Anette Lafaire, Gebietsbetreuerin im Naturpark Oberer Bayerischer Wald, schon vor einigen Jahren festgestellt. Früher waren die Amphibien generell in den Flussauen zu finden, berichtet sie, dort bildeten sich durch Hochwässer immer wieder offene Gewässer in der Uferregion. Der Bestand der Gelbbauchunke ist durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume gefährdet, besonders das Fehlen geeigneter Laichwässer ist ein Problem. „Heute suchen sich die Unken Ersatzlebensräume.“ Die Amphibien besiedeln Steinbrüche, Kies-, Sand- oder Tongruben sowie Panzerspuren auf Truppenübungsplätzen.

So kam auch der Kontakt zur Bundeswehr zustande: Oberstleutnant Tobias Gößlbauer ist in Roding nicht nur Kommandeur, sondern als Standortältester unter anderem für den dortigen Übungsplatz verantwortlich. Mit der Naturschutzbehörde steht er in engem Kontakt, sei es wegen Amphibien oder beispielsweise auch wegen eines Ameisenhaufens, der umgesiedelt werden muss. Als die Gebietsbetreuerin bei ihm anfragte, ob die Bundeswehr mit schwerem Gerät beim Einsatz für die Gelbbauchunken mit an Bord sei, sagte er zu. Zumal die Aktion durch den Übungscharakter auch gut mit der eigenen Ausbildung kombinierbar sei, so Gößlbauer.

Bei dem Fahrzeug handle es sich nicht um ein Gefechtsfahrzeug, betont er. Der Bergepanzer, der mittels Schwerlasttransport und begleitet von einem Radlader in Rötz eingetroffen ist, kommt üblicherweise zum Einsatz, wenn andere Panzer ausgefallen sind und abgeschleppt werden müssen.

In der ehemaligen Sandgrube schafft er mit seiner Kette nicht nur die Fahrspuren, die die Gelbbauchunke so liebt, sondern verdichtet durch sein Gewicht von 38,8 Tonnen auch die Bodenvegetation und verhindert so das Zuwachsen des Gebietes. Das ist auch der Grund, warum der Panzer hier überhaupt zum Einsatz gekommen ist und nicht beispielsweise eine landwirtschaftliche Maschine.

So wünschenswert es oft ist, dass ein Lebensraum für Tiere „zuwächst“ – in der ehemaligen Sandgrube ist das nicht der Fall. Als „Pionierart“, erklärt Naturparkranger Christian Pregler vor Ort, besiedelt die Gelbbauchunke Stellen wie diese. Allerdings nicht das ganze Jahr über: Natürlich suchen auch die Unken sich gern „Verstecke im Grünen“ in den angrenzenden Waldungen gleich nebenan. Ab April, Mai wandern sie dann aber wieder in die ehemalige Sandgrube, wo sie optimale Bedingungen für die Fortpflanzung finden: Die Fläche ist vegetationsarm und frei von konkurrierenden Arten und Fressfeinden.

Die kleinen Laichgewässer dort – die Pfützen und Fahrspuren, die auch früher schon „zufällig“ entstanden sind, sind eben nicht von Pflanzen bewachsen und dadurch auch nicht von Libellenlarven und Molchen besiedelt – ohne Fressfeinde lebt es sich leichter für die Gelbbauchunke. Außerdem erwärmen die Fahrspuren, in denen das Wasser stehen bleibt, und die Pfützen sich schnell – optimal für die rasche Entwicklung des Laichs und der Larven.

Derzeit keine Unken auf der Fläche

Jetzt sind die Unken jedoch längst in den Wald abgewandert – davon hatte Naturparkranger Philipp Feldmeier sich am Vortag überzeugt, als er die Fläche nochmals akribisch nach den Tieren absuchte. Damit stand dem Einsatz des Bergepanzers nichts mehr im Weg.

Kosten entstanden für die Naturschutzbehörde durch den Einsatz übrigens keine – aber als Dankeschön gab es eine Brotzeit für die Helfer. Neben einigen Zuschauern waren auch der Malteser Hilfsdienst vor Ort und die FFW Rötz, die den Panzer nach der Naturschutz-Aktion wieder „straßenfein“ säuberte.

Oberstleutnant Tobias Gößlbauer und Anette Lafaire, Gebietsbetreuerin im Naturpark Oberer Bayerischer Wald
Zwei Gelbbauchunken unter sich – die Tiere sind gut getarnt und zeigen ihre namensgebenden leuchtend gelben Flecken am Bauch nur, wenn sie sich angegriffen fühlen. Foto: Anette Lafaire
Ein „Bauchfoto“ vom Monitoring Foto: Anette Lafaire
Die FFW Rötz säuberte den Bergepanzer wieder „straßenfein“. Foto: FFW Rötz
Die FFW Rötz säuberte den Bergepanzer wieder „straßenfein“. Foto: FFW Rötz
Auch ein Radlader der Bundeswehr war im Einsatz. Foto: Stefanie Bauer