Aufdecken, wo die Stolperfallen sind: Matthias Riederer bittet Rötzer um Unterstützung

Menschen mit Einschränkungen eine Stimme geben, das möchte Matthias Riederer in seiner Funktion als Behindertenbeauftragter der Stadt Rötz. Dafür geht er vor allem mit offenen Augen durch die Stadt. Er möchte große Themen anpacken und kleine Hürden abbauen.
Durch eine spastische Lähmung beider Beine erfährt er am eigenen Leib, was Menschen ohne Beeinträchtigung nicht auffällt: wo Stufen überwunden werden müssen, Autos den Gehweg versperren, Stolperfallen die Fortbewegung erschweren und geeignete Behindertenparkplätze fehlen.
Der Ansprechpartner
Im Juli dieses Jahres wurde der 35-Jährige, der selbst eine Gehbehinderung hat, als 20. Behindertenbeauftragter im Landkreis Cham berufen. Beim Thema Barrierefreiheit ist er Ansprechpartner für Behinderte, aber auch Senioren. Zu seinen Aufgaben gehört es, bei öffentlichen Bauvorhaben eine Stellungnahme abzugeben und überhaupt die Stellen, die für Menschen mit körperlichen Einschränkungen schwer zugänglich sind, aufzudecken.
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Friedhof, Kirche, Rathaus, Fürstenkasten, Sporthalle, Hallenbad – die Liste der öffentlichen Gebäude, bei denen es mit der Barrierefreiheit hakt oder eigens reservierte Parkplätze fehlen, sei lang, erklärt Riederer. Sein Engagement für das Thema begann bereits im Jahr 2016, als die Ortsdurchfahrt Rötz erneuert wurde und dadurch auch Parkplätze wegfielen. Sein Ziel, dafür einen festen Behindertenparkplatz einzuplanen, erreichte er nicht. Der Kompromiss, die „Notfallparkplätze“, stellen ihn nicht unbedingt zufrieden. Positiv sei aber, dass bei der Erneuerung der Ortsdurchfahrt hohe Bordsteinkanten weggefallen seien.
Brennpunkt Rathaus
An vielen Stellen sei der Denkmalschutz ein Hindernis beim barrierefreien Umbau. Das Stadtbild müsse erhalten bleiben, so das Argument, erklärt Riederer. Brennpunkt Nummer eins ist für den Behindertenbeauftragten das Rötzer Rathaus. Bereits der Weg bis zum Gebäude ist aufgrund des unebenen Kopfsteinpflasters nur schwer zu bewältigen. Der vorhandene Behindertenparkplatz liegt nicht direkt am Eingang, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Und hat man es bis zum Gebäude geschafft, ist für die meisten Gehbehinderten endgültig Schluss. Sechs Stufen gilt es bis zur Eingangstür zu überwinden – für einen Rollstuhlfahrer beispielsweise unmöglich. Doch auch für Senioren, die auf Gehhilfen wie Rollatoren angewiesen sind, kaum zu bewältigen. Hier sieht Riederer dringenden Handlungsbedarf.
Aktuell ruft Matthias Riederer seine Mitbürger auf, mitzuhelfen, weitere Barrieren zu erkennen. Im Retza Café hat er für die nächsten Wochen eine Art Kummerkasten aufgestellt. Und im Café selbst ist eine Barriere bereits in Angriff genommen worden. Die Stolperstelle hier ist der Türrahmen im Durchgang zur Terrasse. Eine Rampe dafür sei bereits in Arbeit.


