360 Rettungskräfte bei Großeinsatz im Kloster Strahlfeld in Roding: Neun Menschen bei Brand verletzt

Einen Großeinsatz von Feuerwehren und weiteren Hilfskräften hat ein Brand im Kloster Strahlfeld in der Nacht zum Sonntag ausgelöst. Auch wenn neun Menschen mit Rauchvergiftungen in Krankenhäuser mussten und ein geschätzter Sachschaden in Höhe von 400 000 Euro entstand, waren sich alle Beteiligten einig: Es hätte weitaus schlimmer kommen könne, wenn die Helfer nicht so schnell und professionell eingegriffen hätten.
„So eine Alarmierungsmeldung haben wir ganz selten“, berichtet Rettungsdienst-Einsatzleiter Tobias Muhr. Die Leitstelle in Regensburg alarmierte um 23.10 Uhr gemäß Alarmstufe B 5 (Brand im Gebäude – Massenanfall von verletzten Personen) ins Kloster Strahlfeld. In kürzester Zeit war der kleine Rodinger Ortsteil von ganz viel Blaulicht erhellt.
Starke Rauchentwicklung
Als die Ortswehr aus Strahlfeld nur wenige Minuten nach der Alarmierung am Ort des Geschehens eintraf, war der Brand in einem der Zimmer gleich zu erkennen. Die Fenster waren bereits stark verraucht. Die Einsatzleitung teilten sich zunächst Sophia Spagl (Feuerwehr Strahlfeld) und der örtliche Kreisbrandmeister Johannes Maier. Schnell wurde durch einen naheliegenden Oberflurhydranten eine erste Wasserleitung aufgebaut, bis nach und nach die weiteren Wehren eintrafen, die größtenteils in einem naheliegenden Bereitstellungsraum Aufstellung nahmen. Direkt zur Einsatzstelle in den Ostflügel des Klosters rückten die Wehren mit Atemschutz vor. Offenes Feuer fanden die Helfer nicht mehr vor, aber eine starke Verrauchung.
Zeitgleich startete die Evakuierung von 66 überwiegend älteren Bewohnern, einige von ihnen bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie wurden in Sicherheit gebracht. Wie Kreisbrandrat Michael Stahl und Kreisbrandinspektor Norbert Mezei informierten, setzte die Feuerwehr dazu insgesamt 20 Atemschutztrupps ein. Anschließend wurden zur Entrauchung sämtliche Fenster geöffnet und Hochdrucklüfter in Stellung gebracht.
Feuerwehr mit 160 Kräften im Einsatz
Die Feuerwehr hatte rund 160 Kräfte im Einsatz. Vor Ort waren die Wehren Strahlfeld, Roding, Cham, Pösing, Hitzelsberg, Mitterdorf, Altenkreith, Regenpeilstein, Neubäu, Dörfling, Wiesing, Furth im Wald, Ebersroith, Kirchenrohrbach, Friedersried, Wetterfeld, Fronau, Ziehring und Katzbach-Loibling unter der Führung von Kreisbrandmeister Hans Hochmuth.
Muhr berichtete von einer Alarmierung, die nicht alltäglich sei, auch nicht für erfahrene Rettungsdienst-Mitarbeiter. Wegen des Schlagworts „Massenanfall von verletzten Personen“ schickte der Disponent unter anderem 13 Rettungswägen, fünf Notärzte, zwei Krankentransportwagen sowie die Hubschrauber Christoph Regensburg und Christoph Nürnberg. Wie Muhr informiert, hatte der Rettungsdienst 100 Einsatzkräfte vor Ort, die aus den Landkreisen Cham, Regensburg, Schwandorf und Amberg kamen.
Der Rettungsdienst brachte acht leicht bis mittelschwer verletzte Bewohner in umliegende Krankenhäuser. Auch ein Feuerwehrmann zog sich eine Rauchvergiftung zu und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Die beiden alarmierten Rettungshubschrauber, die in unmittelbarer Nähe des Klosters gelandet waren, mussten keine Patienten aufnehmen.
Neben den Menschen, die ins Krankenhaus gebracht wurden, hatte der Rettungsdienst 57 weitere Bewohner zu versorgen, die nach ambulanter Behandlung in anderen Räumlichkeiten des Klosters in ihre Zimmer zurückkehren konnten oder anderweitig untergebracht wurden.
Pflegebetrieb läuft weiter
„Die Schwestern sind mittlerweile wieder alle in ihren Zimmern und der Pflegebetrieb läuft weiter“, teilt Ludwig Spagl, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Finanzen des Klosters, auf Nachfrage mit. Die acht Schwestern mit Rauchvergiftungen, die in den Krankenhäusern Cham, Wörth an der Donau und Amberg behandelt wurden, kämen ebenfalls sukzessive wieder nach Hause. Es könne gut sein, dass der Brandschutz in dem Gebäude nach dem Vorfall neu bewertet werden müsse, so Spagl.
Wie Rettungsdienst-Einsatzleiter Muhr sagte, war er trotz des sehr großen Einsatzgeschehens mit den Abläufen sehr zufrieden. Alle Beteiligten betonten, dass es noch weitaus schlimmer hätte enden können. Vor Ort war auch Bürgermeisterin Alexandra Riedl, die allen Einsatzkräften für das professionelle und schnelle Eingreifen dankte.
Wie die Rodinger Polizei vor Ort informierte, gehe man nach ersten Ermittlungen davon aus, dass eine brennende Kerze im Zimmer einer Bewohnerin den Brand verursacht hat.
400000 Euro Schaden
Der Schaden wurde auf 400 000 Euro geschätzt, sehr viel sei durch den Rauch in Mitleidenschaft gezogen worden. Die weiteren Ermittlungen wurden von Brandfahndern der Kriminalpolizei Regensburg übernommen.
Das Kloster Strahlfeld
Lage: Das Kloster St. Dominikus in Strahlfeld ist ein Kloster der Missionsdominikanerinnen vom hl. Herzen Jesu in Strahlfeld, einem Stadtteil Rodings.
Geschichte: Das Schloss Strahlfeld wurde im 17. Jahrhundert für die Herren von Strahlfeld errichtet. Der Bau wurde nach 1703 verändert und erweitert. Nach einem Brand erfolgte nach 1804 der teilweise Wiederaufbau.
Wiederaufbau: Ignatia Hasslinger und Alacoque Moosmann erwarben später das verfallene Schloss, um junge Mädchen für den Missionseinsatz in Afrika als Ordensfrauen vorzubereiten. Am 29. Mai 1917 zogen sie mit noch drei Kandidatinnen in das alte Schlossgut ein. Mit großen Einsatz bauten sie die Ruine wieder auf.
Missionarinnen nach Afrika gesandt: 1924 konnten die ersten Missionarinnen von Strahlfeld in die damalige britische Kolonie Rhodesien, das heutige Simbabwe, gesandt werden. 1971 wurde die 493. und letzte junge Schwester in die Mission gesandt.
Haushaltsschule: 1923 wurde für Mädchen eine Haushaltungsschule eröffnet, die – ausgenommen im Zweiten Weltkrieg – bis 1993 bestand.
Gegenwart: Heute ist das Kloster vor allem ein Wohnheim für betagte und pflegebedürftige Schwestern, für Urlaubermissionarinnen und für viele, die nach langjährigem Dienst in Afrika oder in einer der kleineren Niederlassungen in Deutschland dort ihren Lebensabend verbringen. Landwirtschaft und Schulbetrieb wurden schon seit mehreren Jahren eingestellt.
Seminare und Kurse: Bekannt ist das Kloster heute für sein umfangreiches Kursangebot. Drei Häuser bilden zusammen das „Haus der Begegnung”. Die unterschiedlichen Seminar-, Gruppen- und Freizeiträume bieten Möglichkeiten der Begegnung, des Gesprächs, der Erholung sowie der Fort- und Weiterbildung in Fachtagungen, Seminaren sowie Kursen.





