Finanzpanne im Schwandorfer Rathaus aufgedeckt: „Karriere Kick“ wurde zum Draufzahlgeschäft

Von Hubert Heinzl · 4. April 2025 um 19:00

Nach dem Ausbleiben von Fördergeldern bei der Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED wurde jetzt die nächste unschöne Finanznachricht für die Stadt bekannt. Bei einer geplanten Veranstaltung der Wirtschaftsförderung vor zwei Jahren blieben mehr als 100.000 Euro auf der Strecke – ohne Nutzen für die Stadt.

Den Vorgang rollte SPD-Stadtrat Manfred Schüller kürzlich im Stadtrat auf – in seiner Funktion als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses. Das Gremium hatte sich in seiner Sitzung am 24. Februar dieses Jahres mit einer geplanten Veranstaltung befasst, die am 16. September 2023 in der Schwandorfer Oberpfalzhalle stattfinden sollte – dem „Karriere Kick“.

Das Event wurde als Paket bei einem kommerziellen Anbieter gebucht, für die Refinanzierung sollten regionale Unternehmen gewonnen werden. Das Konzept: In lockerer Atmosphäre, beim Kickern an insgesamt 25 Spieltischen, sollten Arbeitgeber und interessierte Jugendliche ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und sich am Ende vielleicht über eine Ausbildung verständigen. In Großstädten soll das Job-Speed-Dating der besonderen Art gut angenommen worden sein. Doch in Schwandorf erwies sich das Format als Flop.

Kaum Interesse bei Schwandorfer Schülern am „Karriere Kick“

Wie Manfred Schüller nun im Stadtrat berichtete, hatten sich für die an einem Samstag terminierte Veranstaltung zwar 38 interessierte Unternehmen gemeldet, die insgesamt rund 50 000 Euro beisteuern wollten. Doch die Nachfrage bei den wichtigsten Akteuren blieb mehr als verhalten: „Nur drei Schüler und ein Lehrer haben sich angemeldet“, informierte der SPD-Stadtrat.

Der „Karriere Kick“ wurde folglich abgesagt – laut Schüller am 4. September 2023 und damit knapp zwei Wochen vor dem angesetzten Termin. Trotzdem seien noch Kosten von knapp 105 000 Euro fällig geworden, so der SPD-Mann.

Nach seinen Worten waren laut den Geschäftsbedingungen des beauftragten Anbieters die Stornokosten je nach Zeitpunkt der Absage zeitlich gestaffelt. Bei einer früheren Stornierung hätte sich der Verlust in Grenzen gehalten. Doch so habe die Stadt 100 Prozent der Aufwendungen zahlen müssen – und das ohne Gegenleistung.

Geht Schwandorfs Stadtverwaltung leichtfertig mit Steuergeldern um?

Schüllers Fazit: „Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass die Verwaltung etwas leichtfertig mit Steuergeldern umgeht.“ Er regte im Namen des Rechnungsprüfungsausschusses an, vergleichbare Vereinbarungen oder Abschlüsse künftig vorab vom Rechtsamt prüfen zu lassen.

Auch mit den Kosten für den Schwandorfer Winterzauber hatte sich der Rechnungsprüfungsausschuss befasst. Diese sind durchaus beträchtlich: Für die Premiere zum Jahreswechsel 2022/23 wurden laut Schüller 172 000 Euro fällig, einschließlich Eislaufbahn.

Bei der zweiten Auflage sei der Aufwand auf 363 000 Euro angestiegen, was der SPD-Stadtrat vor allem auf deutlich gestiegene Transport- und Anlieferkosten wegen des Neubaus der Naabbrücken zurückführte. Enthalten sind nach seinen Angaben in den Beträgen immer auch Bauhofleistungen, die in der Kalkulation zwar auftauchen, die Stadt aber nicht zusätzlich finanziell belasten. Im Winter 2023/24 summierten sie sich auf rund 88 000 Euro.

Das soll der Schwandorfer Winterzauber in der Saison 2025/26 kosten

Auch für den Winterzauber 2025/26 gibt es bereits eine Kostenschätzung, die vor rund zwei Wochen vorgelegt wurde. Wie Schüller in Absprache mit Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) bei der Stadtratssitzung informierte, hat sich der Hauptausschuss am 19. März in nichtöffentlicher Sitzung damit befasst.

Vorgelegt und mehrheitlich beschlossen wurde laut Schüller eine Kalkulation, die auf 218 000 Euro angesetzt ist – plus den Kosten für die nun wieder aus Natureis bestehende Eislaufbahn. Diese wurden zuletzt auf einen Betrag von rund 90 000 Euro geschätzt. Schüller plädierte dafür, dass die Kostenkalkulation für den Winterzauber auch künftig durch einen Stadtratsbeschluss abgesegnet werden solle – so wie das beim Bürgerfest schon lange der Fall sei.