Fernwärme in Schwandorf: Preisgestaltung soll auf den Prüfstand kommen

Von Hubert Heinzl · 1. April 2025 um 19:00

Die Erhöhung der Fernwärmepreise zum 1. April hat nun auch den Schwandorfer Stadtrat auf den Plan gerufen. Nach einer kritischen Debatte in der Öffentlichkeit will die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung das Preissystem überprüfen. Ein Ergebnis soll bis zur Sommerpause vorliegen.

Wie berichtet, hatte die SWFS die Fernwärmepreise für die rund 1150 Kunden in Schwandorf zum 1. April um rund 27 Prozent erhöht. Der Arbeitspreis liegt seither für Kleinabnehmer, also im wesentlichen Privathaushalte, bei 9,6 Cent pro Kilowattstunde. Im Monat, hat die SWFS errechnet, führt das im Schnitt zu 45 Euro höheren Energiekosten.

Wärmepreisindex als Grundlage

Bei der Preisgestaltung orientiert sich die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung seit einem Ausschussbeschluss im Jahr 2007 am sogenannten Wärmpreiseindex, den das Statistische Bundesamt jedes Jahr neu ermittelt. Steigen allgemein die Energiekosten, steigt auch der genannte Index. Sinken sie, folgt auch der Index diesem Trend – und im Gefolge ebenso die Fernwärmepreise.

Für öffentlich geäußerten Unmut sorgte allerdings nicht nur die Preiserhöhung zum 1. April, sondern auch die Tatsache, dass die SWFS für das vergangene Jahr mit einem aktuellen Gewinn von rund 800.000 Euro rechnet. Selbst das böse Wort der „Abzocke“ machte daraufhin die Runde.

Inzwischen hat die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung reagiert und auf der eigenen Homepage zusätzliche Informationen über die Fernwärmepreise eingestellt. Diese seien „im bundesweiten Vergleich nach wie vor günstig – gerade im Hinblick auf zusätzliche Kosten bei anderen Energieträgern“, heißt es beispielsweise in einer Kundeninformation. Gewinne, wird zudem betont, würden „ausschließlich in die Instandhaltung und Entwicklung der Städtischen Fernwärmeversorgung“ fließen.

In der Stadtratssitzung am Montag legte Werkleiter Stefan Trettenbach noch ergänzende Informationen nach. Unter dem Punkt „Mitteilungen der Verwaltung“ war das Thema ganz am Schluss der öffentlichen Sitzung noch auf die Tagesordnung gerückt. Der Werkleiter wies unter anderem darauf hin, dass die Fernwärme in Schwandorf im bundesweiten Vergleich mit am günstigsten für die Abnehmer sei, wie aus dem Portal www.waermepreis.info hervorgehe. Beschwerden bei der SWFS habe es nur vereinzelt gegeben, die Nachfrage sei ungebrochen. „Es sind auch keine Anträge auf Anschluss an die Fernwärme zurückgenommen worden“, so Trettenbach wörtlich.

Gewinne werden in die Fernwärme investiert

Den Vorwurf einer intransparenten Preisgestaltung wies der Werkleiter zurück. Den für 2024 erwarteten Gewinn von rund 800.000 Euro führte Trettenbach vor allem auf die gestiegenen Umsätze durch die etwa 100 neuen Hausanschlüsse zurück. In den Vorjahren lagen die Erlöse laut Trettenbach regelmäßig zwischen 400.000 und 500.000 Euro. Das erwirtschaftete Plus werde „zu 100 Prozent der Fernwärmeversorgung in Schwandorf zugeführt“, betonte er.

Die Stadträte sahen trotzdem noch Klärungsbedarf. SPD-Fraktionssprecher Franz Schindler äußerte Verständnis für den Unmut bei den Kunden: „45 Euro, das ist schon viel.“ Die Preisanpassung solle zurückgenommen werden, wenn dies vertraglich möglich und „wirtschaftlich darstellbar“ sei, forderte er. Zu klären sei die Frage, ob die SWFS an den Wärmepreisindex gebunden sei oder einen Spielraum bei der Preisgestaltung besitze. Am weiteren Ausbau der Fernwärme führt laut Schindler aber kein Weg vorbei; er sei „ein wichtiger Baustein für die Wärmeversorgung der Stadt“. Um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhalten, sei es wichtig, Transparenz herzustellen.

CSU: Auch andere Preismodelle denkbar

CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer stimmte seinem Vorredner zu. Er wolle die Erhöhung „nicht kleinreden“, sagte er. Doch auch wenn sich der Preisabstand zu fossilen Energieträgern verringert habe, sei die Fernwärme „nach wie vor günstig“. Bei der Preisgestaltung brachte Wopperer auch andere Modelle ins Spiel wie das der sogenannten Globalberechnung, die bei Wasser und Abwasser angewandt wird. Dabei fließen, vereinfacht gesagt, neben dem Verbrauch auch die Investitionen in die Gebührenkalkulation mit ein.

Wopperer zeigte sich optimistisch, „dass am Ende für die Betroffenen ein gerechtes und akzeptables Ergebnis stehen wird“. Parteikollege Robert Koller wies darauf hin, dass die Fernwärme aktuell der „Preissteigerungswelle bei Öl und Gas“ hinterherhinke. „Nächstes Jahr wird das zurückgehen“, so seine Prognose.

Trotzdem soll die Preisgestaltung bei der Fernwärme noch einmal auf den Prüfstand kommen. Dabei wird es laut OB Andreas Feller (CSU) auch um die Frage gehen, ob es sich bei den jüngsten Gewinnen für die SWFS „um Einmaleffekte handelt oder nicht“.