Viele Baustellen beim Zweckverband und Müllkraftwerk in Schwandorf

Beim Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) gibt es zur Zeit einige Baustellen. Die größte, nicht nur wegen des Investitionsvolumens, bleibt der Umbau des Müllkraftwerks im Rahmen des Projekts Triphönix. Bei einem Hintergrundgespräch gaben die Verantwortlichen nun einen Überblick.
Projekt Triphönix soll 430Millionen Euro kosten
Mit seinem Mega-Projekt Triphönix liegt der Zweckverband laut ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll exakt im Zeitplan. Nach dem Einbau der neuen Rauchgasreinigung ging Ofenlinie 4 im Juli 2024 wieder planmäßig in Betrieb. Anfang 2026 soll die nächste entscheidende Phase beginnen – der Rückbau der drei kleineren Ofenlinien, die durch zwei neue Verbrennungsöfen ersetzt werden sollen.
Die Schwandorfer dürfen sich erneut auf einen spektakulären Baustellenbetrieb einstellen. Dafür sorgen schon allein die beiden Mega-Kräne, die der ZMS zum Stückpreis von 3,5 Millionen Euro gekauft hat. Die zwei Giganten der Wotan-Baureihe von BBL können selbst bei maximaler Auslage von 55 Metern noch Massen von knapp zwei Tonnen bewegen, schwärmt Konrad Rieger, der Technische Leiter des ZMS. Wenn die Kräne nicht mehr gebraucht werden, sollen sie wieder verkauft werden – wohl irgendwann nach Abschluss des Gesamtprojekts, das für das Jahr 2032 vorgesehen ist.
Massive Kostensteigerung im Anlagenbau
Dass das Investitionsvolumen von ursprünglich geschätzten 200 Millionen auf – Stand heute – 430 Millionen Euro geklettert ist, liegt laut Verbandsdirektor Knoll an der massiven Kostensteigerung im Anlagenbau. Die Zahl der in Frage kommenden Unternehmen ist nach seinen Worten überschaubar, die Firmen seien „gut ausgelastet“. Das spiegle sich auch in den ebenfalls überschaubaren Angeboten wider. Die Auswirkungen auf die Müllgebühren sollen sich angesichts des Abschreibungszeitraums von 30 Jahren aber in Grenzen halten, sagte der Verbandsdirektor auf Nachfrage: „Die Investition wird sich weniger dramatisch auswirken als die CO2-Bepreisung.“
Logistik wird immer mehr zur Herausforderung
Wegen des Triphönix-Projekts können nicht alle Abfälle aus dem Verbandsgebiet auch in Schwandorf verfeuert werden. Weil Ofenlinie 4 und damit rund 40 Prozent der Verbrennungskapazität erst wieder im Sommer 2024 zur Verfügung standen, mussten laut ZMS im vergangenen Jahr gut 77.000 Tonnen Abfälle zu anderen Anlagen umgeleitet werden. An dieser Praxis wird sich auch so schnell nichts ändern. Nach den Worten Knolls hat sich der Zweckverband während der Bauphase auf Umleitungen von bis zu 100.000 Jahrestonnen eingestellt.
Auch in anderer Hinsicht wird die Logistik zur Herausforderung. „Die Bahn macht immer mehr Probleme. Da ist der Wurm drin“, beklagte Knoll und erinnerte an den Streik Anfang 2024. Aber auch die „Umbauprojekte an verschiedenen Strecken“ erschwerten den Mülltransport. Ein Ausweichen auf die Straße kommt für den ZMS allerdings nicht in Frage. Knoll: „Das ganze System ist auf die Bahn aufgebaut.“
ZMS hat nun als Energieerzeuger viele Möglichkeiten
Als Energieerzeuger ist der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf praktisch schon immer aufgetreten – durch die Lieferung von Prozessdampf an die Nabaltec, die Stromerzeugung und in den vergangenen Jahren zunehmend auch durch die Versorgung von Haushalten, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen mit Fernwärme. Doch nun wurde dies auch in der ZMS-Satzung festgeschrieben, wie der Verbandsvorsitzende, Landrat Thomas Ebeling, informierte. Zu den Aufgaben des Müll-Zweckverbands gehört es nun auch offiziell, „erneuerbare Energien (Strom und Wärme) im Rahmen der Leistungsfähigkeit des Zweckverbandes zu erzeugen, zu speichern und zu vermarkten“. Der Passus ist nur kurz, doch er könnte weit reichende Folgen haben.
Denn bisher war es laut Verbandsdirektor Knoll dem ZMS nicht möglich, sich an solchen Projekten zu beteiligen. Mit der Satzungsergänzung, die laut Landrat Ebeling sogar die Bayerische Staatskanzlei beschäftigte und Mitte Februar in Kraft trat, wurde nun die rechtliche Basis geschaffen. Vorstellbar ist vieles. „Es gibt viele interessante Technologien – von der Flusswärmepumpe im Gewässer bis zum Wärmespeicher“, informierte Knoll. Er denkt dabei auch an eine übergreifende Zusammenarbeit mit kommunalen Energieerzeugern, die ja seit einiger Zeit an ihren Wärmeplanungen arbeiten.
Klärschlamm-Zweckverband: Anwärter stehen Schlange
40 Mitglieder hat der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS), der auf dem Gelände des Müllkraftwerks eine Trocknungsanlage betreibt. Doch die Bewerber stehen nach wie vor Schlange für eine Mitgliedschaft. „Etwa zwei Dutzend Anträge liegen vor, sogar einer aus Oberbayern“, sagte Knoll, der auch als ZTKS-Geschäftsleiter fungiert.
Zwar ist die Trocknungsanlage auf dem Gelände des Müllkraftwerks inzwischen ausgelastet, doch mit dem Beschluss, eine Anlage zur Klärschlammverbrennung in Schwandorf zu errichten, ist wieder Bewegung in das Thema gekommen. Denn in der Monoverbrennungsanlage soll das Material aus der Trocknung mit zusätzlichem externen Klärschlamm mit einem höheren Wasseranteil gemischt werden. Für die Verbrennung steht ein Grundstück auf dem benachbarten Nabaltec-Areal bereit. Doch noch sind laut Knoll einige Fragen offen. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Phosphatrückgewinnung hat für die Verantwortlichen Priorität. „Die Schlackeaufbereitung bestimmt die Verbrennungstechnologie, die Technologie den Platzbedarf“, erläutert der Verbandsdirektor die Reihenfolge.
Auch für die insolvente Fluorchemie Stulln gibt es neue Überlegungen
Gedankenspiele gibt es beim ZMS auch für eine wenigstens teilweise Nachfolgenutzung auf dem Gelände der insolventen Fluorchemie in Stulln. Aus der im Müllkraftwerk entstehenden Schlacke ließen sich noch weitere Wertstoffe rückgewinnen, vor allem Kupfer. Die Firma ESy-Labs mit Sitz in Regensburg, an der der ZMS mit einem geringen Anteil beteiligt ist, hat dafür ein neues chemisches Verfahren entwickelt, ebenso zum Recycling von Produktionsrückständen. Beides, so die Überlegung, könnte auf dem Betriebsgelände in Stulln in größerem Maßstab passieren.
