Umbau im Müllkraftwerk Schwandorf läuft auf Hochtouren – Firma für zweite Phase gefunden

Der Umbau des Müllkraftwerks in Schwandorf geht voran und liegt im Zeitplan. Im Zuge des Triphönix-Projekts sollen die Rauchgasreinigung an Ofenlinie 4 ersetzt und die drei alten Ofenlinien 1 bis 3 durch zwei leistungsstärkere neue ausgetauscht werden. Nun ist die Ofenlinie 4 nach über 13Monaten wieder einsatzbereit.
Die Verantwortlichen des Müllkraftwerks haben sich, wie sie am Donnerstag beim Pressegespräch erzählten, gefreut „wie die kleinen Kinder“ als zum ersten Mal nach über einem Jahr Stillstand Anfang Juli wieder Müll in der Ofenlinie 4 verbrannt wurde. Verbandsdirektor Thomas Knoll nannte es einen Meilenstein im Triphönix-Projekt.
Durch die Wiederaufnahme der Ofenlinie habe sich die Entsorgungssituation wieder entspannt. Denn wie Landrat Thomas Ebeling (CSU), der zeitgleich Verbandsvorsitzender des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) ist, berichtete, war die Situation wegen des Hochwassers in Bayern Anfang Juni angespannt. Zwar seien die entstandenen Müllmengen mit unter 100Tonnen im Bereich des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf überschaubar gewesen, dennoch habe sich die fehlende Ofenlinie bemerkbar gemacht. Nun könne wieder Haus-, Sperr- und Gewerbemüll uneingeschränkt angenommen werden.
Aus drei mach zwei
Nun gilt es die nächste Phase des Umbaus zu bewerkstelligen. Die drei Ofenlinien 1 bis 3 sollen durch zwei – die Ofenlinie 10 und die Ofenlinie 20 – ersetzt werden. Knoll grenzte dazu den zeitlichen Ablauf ein. Der Plan sehe vor, dass mit dem Abriss der Linien im Januar 2026 begonnen werden soll. Die Ofenlinie 20 gehe als erste Linie 2028 in den Probebetrieb, die Linie 10 folge drei Jahre später. 2032 soll das Projekt komplett abgeschlossen sein.
Wie der Verbandsdirektor mitteilte, sei es keine einfache Aufgabe, die Linien bei Volllastbetrieb umzubauen. Vier Firmen hätten sich bei der Angebotsfindung zurückgezogen, da ihnen die Risiken während des Umbaus zu hoch gewesen seien. Jedoch hat sich nach wochenlangen Verhandlungen nun eine Firma gefunden, die den Umbau vornimmt. Das Unternehmen Hitachi Zosen Inova Steinmüller GmbH aus Gummersbach hat den Auftrag erteilt bekommen.
„Ein langer Name mit einem japanischen Mutterkonzern“, musste Knoll ein wenig schmunzeln. Ganz unbekannt ist die Firma in Schwandorf nicht, gehört der Anbieter für Biogasanlagen Schmack auch zum japanischen Anlagenbauer. Das Auftragsvolumen für den Umbau beträgt insgesamt 350MillionenEuro und stellt damit laut Knoll gleichzeitig die größte Vergabesumme in der Geschichte des ZMS dar.
Aus drei mach zwei: Die bisher bestehenden Ofenlinien werden durch zwei neue, größere Anlagen ersetzt. Konrad Rieger, technischer Leiter, erklärte warum. „Es liegt vor allem am mangelnden Platz, warum die 40 Jahre alten Kessel nicht mehr einfach saniert werden konnten“, berichtete er. Die Anforderungen wie Fluchtwege, aber auch die Emissionswerte spielen dabei eine Rolle. Der ZMS geht davon aus, dass mit den neuen Anlagen die Emissionen je verbrannter Tonne Abfall abnehmen werden. „Dabei werden wir weiter unter den geforderten Werten liegen und sind somit zukunftsfähig“, so Rieger. Die beauftragte Firma werde sich um die Verfahrenstechnik kümmern. Heißt: Feuerung, Kessel, Kesselhaus und Rauchgasreinigung fallen in ihre Zuständigkeit. Rieger fügte hinzu, dass die Müllverbrennung auch neue Kamine und auch Technik, wie Kabel, brauchen werde.
Kredite nach Bedarf
Die Gesamtinvestitionen für die beiden neuen Ofenlinien beträgt 275 Millionen Euro brutto über die Jahre verteilt. Preissteigerungen im Anlagenbau seien in den kommenden Jahren unmöglich vorhersagbar, weshalb man sich mit der ausführenden Firma über eine Preisgleitklausel verständigt habe. Die Gesamtinvestitionen werden aber trotzdem 2032 höher liegen, als angenommen. Kämmerer Markus Decker berichtete, dass Kredite dafür stückweise nach Bedarf aufgenommen werden.
Des Weiteren stellen die Verantwortlichen wohl auch Überlegungen an, einen eigenen Baukran für den Umbau zu kaufen und diesen nach Fertigstellung wieder zu verkaufen. Mieten käme laut Verbandsdirektor Thomas Knoll „fasst auf das Gleiche hinaus“.
Hitachi Zosen Inova Steinmüller GmbH
Firmensitz: Gummersbach, Nordrhein-Westfalen
Verkauf: Der Anlagenbauer Steinmüller Babcock Environment GmbH wurde Ende Januar 2022 von Nippon Steel an Hitachi Zosen Inova (HZI) verkauft. HZI ist ein japanischer Anlagenbauer, dessen europäische Tochter in der Schweiz ansässig ist.
Bekannt bei dem ZMS: Die Firma Steinmüller war 1982 bereits für die Errichtung der Ofenlinien 1 bis 3 zuständig.
Auftragsvolumen: Das Gesamt-Auftragsvolumen für das Projekt, das neben der beauftragten Verfahrenstechnik unter anderem auch noch vorangehende Umbaumaßnahmen, den Abbruch, die Bau- und Gründungsarbeiten sowie eine Kaminerneuerung umfasst, beträgt nach aktuellen Stand laut ZMS 350 Millionen Euro.
