Fernwärme bleibt in Schwandorf trotz Umbau des Müllkraftwerks gesichert

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) steht vor einigen Herausforderungen. Die kniffligste Aufgabe ist wohl der Umbau des Müllkraftwerks im laufenden Betrieb – Stichwort „Triphönix“. Das Projekt hat auch Auswirkungen auf die Fernwärmeversorgung.
Seit Mitte des vergangenen Jahres läuft das „Triphönix“-Projekt am Schwandorfer Müllkraftwerk, das für (mindestens) 200 Millionen Euro ertüchtigt werden soll. Im Endausbau wird es nur noch drei Ofenlinien geben, aber eine höhere Kapazität und bessere Rauchgasreinigung. Nach den Worten von Technischem Leiter Konrad Rieger liegt das Projekt im Zeitplan. „Wir sind guter Dinge, alles läuft termingerecht“, sagte er im Gespräch mit der MZ. Mitte des Jahres soll nach seinen Worten die momentan stillgelegte Ofenlinie 4 wieder in Betrieb gehen. Dann schließt sich Phase zwei des Umbaus an, in der ab 2026 zwei kleinere Kessel abgerissen und durch eine neue, größere Linie ersetzt werden sollen.
2023 mussten Tausende Tonnen Müll umgeleitet werden
Mit der Stilllegung von Ofenlinie4 im vergangenen Jahr sind laut ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll rund 40 Prozent der Verbrennungskapazitäten im Müllkraftwerk vorübergehend weggefallen. Das hat sich nach seinen Worten deutlich auf die Verbrennungsmengen im vergangenen Jahr ausgewirkt. Noch 2022 lief das Schwandorfer Müllkraftwerk das ganze Jahr über auf Volllast, und mit fast 467000 Tonnen wurde der bisher höchste Durchsatz erreicht. Doch 2023 verlief aus den genannten Gründen „gravierend anders“, wie es Knoll formulierte. Mit einer Verbrennung von gut 354800 Jahrestonnen lag man nach seinen Angaben in etwa im Plan. „Knapp unter 100000 Tonnen“ hätten jedoch in andere Müllverbrennungsanlagen umgeleitet werden müssen.
Die Fernwärme erfreut sich in der Großen Kreisstadt großer Beliebtheit. Verbandsdirektor Knoll sprach von einem regelrechten Run auf diese Form der Energieversorgung, die nach seinen Worten auch die Vorgaben durch das neue Gebäudeenergiegesetz erfüllt. Grundsätzlich reicht laut Knoll auch während der Abschaltung der Ofenlinien im Rahmen von „Triphönix“die Verbrennungskapazität im Müllkraftwerk, um die Versorgung der Großen Kreisstadt mit Fernwärme sicherzustellen. Die mehr als 1000 Abnehmer in Schwandorf müssen also während der Heizperiode nicht im kalten Zimmer oder Büro sitzen.
Stadt Schwandorf sorgt für „Redundanz“
Bei unerwarteten Störfällen in den verbliebenen Ofenlinien könnte es trotz Hilfskessel am Müllkraftwerk allerdings eng werden, weshalb sich die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung um Ausweichkapazitäten bemüht. Wie Werkleiter Walter Zurek auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, soll im Gewerbegebiet Gleisdreieck eine sogenannte Heizersatzanlage aufgestellt werden, die vorübergehend die Versorgung sicherstellen kann. „Es geht um Redundanz, also um plötzlich auftretende Schadensfälle“, so Zurek wörtlich.
Nach Angaben des Werkleiters ist konkret geplant, zwei mobile Gaskessel mit Brenner vorübergehend anzumieten. Die beiden Anlagen sollen über eine Leistung von vier und 2,5Megawatt verfügen und nach Möglichkeit mit Biogas betrieben werden. „Ende 2025 sollte die Heizersatzanlage zur Verfügung stehen. Eine Nutzung ist ab 2026 vorgesehen“, so Zurek. Die Vorbereitungen seien bereits abgeschlossen.
Bahn-Streiks eine logistische Herausforderung
Etwa 80 Prozent der Müllanlieferungen nach Schwandorf erfolgen mit der Bahn, und das stellt die Logistiker im Müllkraftwerk bei Bahnstreiks jedes Mal vor enorme Herausforderungen. Bisher wurden sie laut Verbandsdirektor Knoll immer gemeistert – unter anderem dank der Tatsache, dass die neuen Müllumladestationen auch mit Lkw bedient werden können. Langfristig werde man sich „auf solche Situationen einstellen müssen“, sagte Knoll. Dazu gibt es offenbar auch Überlegungen, auf private Bahngesellschaften zurückzugreifen. Die Müllumleitungen zu anderen Verbrennungsanlagen erfolgen nach den Worten Knolls ausschließlich auf der Straße.
Klärschlamm-Verbrennung: Baut ZMS eigene Anlage?
Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg ist der geplante Bau einer sogenannten Monoverbrennungsanlage für getrockneten Klärschlamm in Straubing erst einmal auf Eis gelegt. Der ZMS wollte sich mit mehr als 60 Millionen Euro an dem Projekt beteiligen. Wie der Verbandsvorsitzende, Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU), beim Hintergrundgespräch berichtete, will die Stadt Straubing das Verfahren aber weiter betreiben. Nach Gesprächen in Straubing Ende Februar müsse der ZMS nun „bewerten, ob ein Einstieg Sinn macht und wirtschaftlich ist“, so Ebeling. Der Verbandsvorsitzende deutete Überlegungen des Schwandorfer Zweckverbands für einen Plan B an. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich bei der Bewertung derartiger Verbrennungsanlagen „die Grundannahmen geändert“ hätten. „Früher hat man gesagt, sie dienten der Beseitigung von etwas. Doch inzwischen werden sie eigentlich als Energiequelle gesehen“, sagte Ebeling.
Für den ZMS stellt sich nach seinen Worten die Frage, ob man nicht eine eigene Anlage errichten solle: „Wir werden ergebnisoffen prüfen, ob wir diesen Weg gehen werden.“ Ein möglicher Standort, so der Landrat auf Nachfrage, mache „im Umkreis von Schwandorf am meisten Sinn“, da ja hier der Klärschlamm bereits getrocknet werde. Aber bei der Suche nach einer denkbaren Alternative seien „noch viele Gespräche zu führen“, so der Verbandschef.
