Wegen Bahn-Streik landeten deutlich weniger Abfälle im Müllkraftwerk Schwandorf

Der Bahnstreik der vergangenen Tage hat Thomas Engl jede Menge Arbeit beschert. Als Stoffstrommanager ist er dafür zuständig, dass dem Müllkraftwerk Schwandorf nicht die Abfälle ausgehen. In dieser Woche war bei der Anlieferung ein Höchstmaß an Flexibilität gefragt.
Dass das Transportproblem nicht ganz trivial ist, verdeutlicht ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll mit Zahlen. Das Verbandsgebiet ist nach seinen Worten fast so groß wie Schleswig-Holstein. Und die Abfälle, die letztlich in Schwandorf verbrannt werden, müssen aus bis zu 160 Kilometer Entfernung angefahren werden. Das geschieht im Normalfall mit der Bahn – schon allein aus ökologischen Gründen und um die An- und Abfahrt Hunderter Laster am Standort Schwandorf zu vermeiden. Rund 80Prozent der Abfälle, sagt Knoll, werden auf der Schiene nach Schwandorf transportiert. Etwa 300 der bekannten grünen Container stehen dafür zur Verfügung, dazu 82 spezielle Waggons, auf denen jeweils zwei Container Platz finden.
1000 Tonnen Abfälle weniger
Zuletzt war der Weg über die Schiene jedoch teils beeinträchtigt, teils ganz verbaut. Thomas Engl schätzt, dass wegen des Streikgeschehens in dieser Woche etwa 1000Tonnen Abfälle weniger als üblich im Müllbunker landeten. Doch mit einem Fassungsvermögen von bis zu 8000Tonnen dient dieser zugleich als Puffer. Am Donnerstag war der Bunker laut Engl mit 3800 Tonnen befüllt. Beim aktuellen Betrieb der drei kleinen Ofenlinien reiche ein solcher Vorrat für etwa vier Tage.
Wo möglich und sinnvoll, wurde in den vergangenen Tagen der Antransport von der Schiene auf die Straße verlagert. So lieferten Regensburger Entsorger nach einer Aufstellung Engls schon ab Mittwoch zum Teil direkt in Schwandorf an. Auch von Amberg, Neumarkt oder Landshut erfolgte der Transport der Abfälle tageweise über die Straße.
Speditionen mussten aushelfen
Nach den Worten Knolls ist der Müll-Zweckverband wegen gewachsener Geschäftsbeziehungen in der komfortablen Lage, über einen Pool von Speditionen zu verfügen, die bei Bedarf einspringen können. Der Verbandsdirektor: „Wir arbeiten mit Familienunternehmen zusammen, die extrem leistungsstark und flexibel sind. Da setzt sich zur Not der Chef selber ans Steuer. Das ist ein Riesenvorteil.“
Und noch eine Tatsache sorgt dafür, dass im Müllkraftwerk die Öfen so schnell nicht ausgehen werden: Aus dem Landkreis Schwandorf werden nach den Worten Knolls pro Tag zwischen 200 und 300 Tonnen Abfall direkt angeliefert – vor allem von den Kommunen, die in Schwandorf ihren Hausmüll entsorgen, aber auch von Kleinanlieferern und Gewerbebetrieben. „Selbst wenn wochenlang gestreikt würde, wäre eine Minimalauslastung des Müllkraftwerks gesichert“, sagt Knoll. Und damit nicht nur der Betrieb der Verbrennungsanlage selbst, sondern auch die Versorgung der Schwandorfer mit Fernwärme.
Entlastung durch Triphoenix-Projekt
Wären alle vier Ofenlinien in Betrieb, wäre eine solche Auslastung allerdings deutlich schwieriger, räumt der Verbandsdirektor ein. Während der Streiktage kam es dem Müll-Zweckverband durchaus entgegen, dass die größte und leistungsstärkste Ofenlinie 4 für das „Triphönix“-Projekt des ZMS zurzeit abgeschaltet ist. Im Rahmen des Vorhabens sollen langfristig die Ofenlinien 1 bis 3 samt der Rauchgasreinigung durch zwei leistungsstärkere Kessellinien ersetzt werden. Und Ofenlinie 4 soll eine neue Rauchgasreinigung erhalten. Der Müll-Zweckverband will rund 200 Millionen Euro in das Projekt investieren. Eine der Folgen für den aktuellen Betrieb: Von den im Verbandsgebiet anfallenden Abfällen werden aktuell rund 400Tonnen pro Tag in andere Verbrennungsanlagen umgeleitet. Und deren Transport erfolgt ausschließlich auf der Straße.
Verbandsdirektor Knoll sieht den ZMS somit auch für längere Bahnstreiks oder andere Unwägbarkeiten gerüstet. Das gilt auch für Verbandsvorsitzenden Thomas Ebeling (CSU). Der Schwandorfer Landrat lobt ausdrücklich die ZMS-Mitarbeiter, die für einen kontinuierlichen Materialfluss ins Müllkraftwerk sorgen, um Betrieb und Entsorgung sicherzustellen. „Das ist eine großartige Leistung, wenn man die Komplexität des Systems bedenkt. Ich möchte mich bei allen bedanken, die dabei mitwirken“, sagt er auf Anfrage.
