Wird Klärschlamm bald in Schwandorf verbrannt? ZMS favorisiert eigene Anlage

Von Caroline Keller · 18. Juli 2024 um 19:00

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) favorisiert die Errichtung einer Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage in Schwandorf auf dem Gelände der Nabaltec AG. Sie soll eine Alternative zur geplanten Beteiligung an der Anlage in Straubing darstellen. Die Verbandsversammlung beschloss am Donnerstag einstimmig, dass die Verwaltung diese Option verfolgen soll.

Der Schwandorfer Müll-Zweckverband wollte sich maßgeblich an der Klärschlammverbrennungsanlage in Straubing beteiligen, doch nach zwei erfolgreichen Klagen hängt das Millionenprojekt zurzeit in der Luft. Wie berichtet, versucht die Stadt in Niederbayern zwar, die rechtlichen Hindernisse auszuräumen. Derzeit liege beim Verwaltungsgericht Regensburg ein Antrag auf Zulassung der Berufung vor. Das ergänzende Bebauungsplanverfahren will die Kommune nach wie vor im dritten Quartal in 2024 abschließen.

Ob das gelingt, ist nach wie vor offen. Für den ZMS war es daher erforderlich, auch „einen Plan B“ zu verfolgen. Dieses Vorgehen wurde mit der Stadt Straubing abgesprochen, die ZMS-Mitglied ist. Bei der jüngsten Sitzung wurden nun mehrere Alternativen vorgestellt.

Bau einer eigenen Anlage in Schwandorf

Diese Option wird von den Verbandsmitgliedern favorisiert. Wie der Verbandsvorsitzende, Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU, in der Sitzung erläuterte, besteht auf dem Gelände des ZMS kein Platz für die Errichtung einer Monoklärschlammverbrennungsanlage. Jedoch habe die Nachbarfirma, die Nabaltec AG, angeboten, gegenüber der Klärschlammtrocknungsanlage auf der anderen Seite des Bahngleises ein altes Gebäude abzureißen sowie die um das Gebäude herum befindlichen Freiflächen für den Bau einer solchen Anlage zur Verfügung zu stellen.

Der ZMS sieht darin eine große Chance. Der Standort hätte den Vorteil, dass der hochgetrocknete Klärschlamm etwa über ein Förderband über die Gleise transportiert und vor Ort verbrannt werden könnte. Des Weiteren könnte, wie Verbandsdirektor Thomas Knoll bestätigte, die Anlage selbst sehr kompakt gebaut werden, da schon viele der Komponenten für die einzelnen Arbeitsschritte in Schwandorf vorhanden sind.

Angefangen von der Trocknungsanlage bis hin zur Turbine, um Strom und Trocknungsenergie zu erzeugen, müssten diese nicht extra neu gebaut werden, da diese aus dem Müllheizkraftwerk bezogen werden können. Die Verbrennungsanlage könnte mit einem einfachen Abhitzekessel gebaut werden, der Niederdruckdampf um die sechs Bar erzeugt. Der darin produzierte Energieüberschuss könnte dann komplett in das vorhandene Dampfnetz eingespeist werden. Ebeling rechnete den Mitgliedern vor, dass damit 1600 Haushalte zusätzlich mit Fernwärme versorgt werden könnten. Des Weiteren müsste auch kein eigener Leitstand für die Anlage errichtet werden. Die Technik zur Überwachung und Steuerung der Anlage wäre problemlos in das bestehende System der ZMS integrierbar. Zusammengefasst: Dadurch würden sich laut ZMS erhebliche Kosteneinsparungen sowohl bei Investitionen als auch beim Betrieb der Anlage ergeben.

Der Bau einer Monoklärschlammverbrennung scheint im Landkreis auf viel Zuspruch zu treffen. Weitere Kommunen zeigten sich laut ZMS an dem Bau einer solchen Anlage zugewandt. Das liege daran, dass Klärschlamm als Biomasse und als CO2-neutraler Brennstoff gelte. Die Abwärme dabei sei der Erzeugung von Wärme aus erneuerbaren Energien gleichgestellt.

Kooperation mit anderen Anlagen in Deutschland

Auch diese Variante sei prinzipiell denkbar. Eine Anlage liegt in Schweinfurt und somit noch in Bayern. Das Gemeinschaftskraftwerk in Schweinfurt (GKS) plane derzeit ebenfalls eine solche Anlage. Schweinfurt begrüße laut den Sitzungsunterlagen eine Zusammenarbeit mit dem ZMS.

Eine weitere Zusammenarbeit sei mit dem größten thermischen Abfallbehandler Deutschlands, der Firma EEW, möglich , die in den neuen Bundesländern eine Monoklärschlammverbrennungsanlage errichten will. Der Verbandsvorsitzende merkte hierbei an, dass die Gesellschaftsanteile dieser Firma zu hundert Prozent im Eigentum der chinesischen Bejing Enterprises liegt. Der Verband gibt zu Bedenken, sollte es zu Handelsbeschränkungen wegen beispielsweise kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen China und Taiwan kommen, könnten sich daraus möglicherweise Probleme ergeben.

Eine europaweite Ausschreibung ist denkbar

Problematisch sei hier, dass die Ausschreibung der Materialabgabe für einen Zeitraum von zehn Jahren definiert werden müsste. Auch hätte die ZMS dann keine Mitsprache mehr, von wem und wo das Material verarbeitet werde.

Die Entscheidung könnte politisch brisant sein

Mit der Errichtung einer Monoklärschlammverbrennungsanlage vergrößert sich die Verbrennungsmenge in Schwandorf. Eine Erhöhung der Menge im Müllkraftwerk war vor Jahren in einem Bürgerentscheid abgelehnt worden. Auch die Debatte um eine mögliche Klärschlamm-Verbrennung hat im Stadtrat 2018 zu einem Grundsatzbeschluss geführt. Eine Monoklärschlammverbrennung wurde damals abgelehnt.

Bund Naturschutz in Bayern hat Bedenken

Einschätzung: Der Bund sieht die Monoverbrennung als ökologisch und ökonomisch wenig sinnvoll an. Vor allem die Verwertung von Phosphor aus der Asche halte der Bund nach wirtschaftlich und klimaschonenden Aspekten für nicht möglich. Das in Bayern favorisierte Wirbelschichtverfahren sei bisher nicht im großen Maßstab erprobt. Das bedeute für die Anlagenbetreiber zudem auch, dass ein Zusatzbedarf an Ascheablagerungen notwendig sein werde.

Pyrolyseverfahren: Daher schlägt der Bund Alternativen vor. Beim Pyroloseverfahren werden organische Verbindungen bei hohen Temperaturen und weitgehend unter Ausschluss von Sauerstoff gespalten. Es werden höherwertige Produkte wie Brennstoffe oder Chemikalien gewonnen. Die Klärschlammkohle etwa aus der Pyrolyse kann in manchen EU-Ländern als Düngemittel zertifiziert werden und auch in Deutschland vertrieben werden.

Hydrothermale Carbonisierung: Bei diesem verfahren kann Phosphor aus dem Klärschlamm gelöst und als speicherbarer Brennstoff weiterverarbeitet werden.