Winterzauber in Schwandorf: Kunststoffbahn steht schon wieder vor dem Aus

Von Philipp Breu · 14. Januar 2025 um 19:00

Es scheint ein nur kurzes Gastspiel gewesen zu sein: Die neue Eislaufbahn aus Kunststoff, die heuer bei den Besuchern des Winterzaubers auf Kritik stieß, soll bei der Neuauflage im nächsten Winter wohl nicht mehr im Stadtpark stehen.

Zu diesem Ergebnis kamen die Fraktionsspitzen im Stadtrat, Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) sowie Vertreter des Stadtmarketingvereins und der Wirtschaftsförderung. Sie haben sich am Montag zu einer Besprechung getroffen, um über die Zukunft der Eislaufbahn zu diskutieren. Das Ergebnis: Die Rückkehr zum richtigen Eis scheint nur noch Formsache zu sein.

Das ist insofern überraschend, weil sowohl die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Schwandorfer Weihnachtsmarkt als auch der OB sowie City-Managerin Sonja Zindel bis zuletzt eine positive Bilanz gezogen haben und dabei die neue Eislaufbahn verteidigten. Erst vor wenigen Tagen hatte beispielsweise Gerhard Engel von der ARGE betont, dass sich die Neuerungen – dazu zählte auch die Kunststoffbahn – nicht negativ auf die Zugkraft des Winterzaubers ausgewirkt hätten. Engel wörtlich: „Ich habe natürlich keinen Einblick in die genauen Besucherzahlen bei der Eislaufbahn. Aber die Betreiber haben mir auf Nachfrage versichert, dass das Geschäft gut lief.“

Nutzungszahlen sind bei der neuen Eislaufbahn gesunken

Auch OB Feller zeigte sich wenige Tage nach der Eröffnung des Winterzaubers 2024/25 mit der neuen Eislaufbahn zufrieden: „Ich finde den Versuch gut. Und ich denke auch, dass wir diese Bahn in Zukunft haben sollten. Das ist eine vernünftige Geschichte“, sagte er Anfang Dezember der Mittelbayerischen.

Die Nachricht, dass die Eislaufbahn beim nächsten Winterzauber wohl wieder aus richtigem Eis bestehen wird, ist für Schlittschuhfahrer ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. So kommentiert es der stellvertretende Redaktionsleiter Philipp Breu

Nun aber die Kehrtwende: Wie SPD-Stadträtin Karin Frankerl auf Nachfrage schildert, wurde die Eislaufbahn aus Kunststoff bei der jüngsten Besprechung eher schlecht bewertet. Frankerl kann aus erster Hand berichten, denn sie war selbst mit dabei. Die Wirtschaftsförderung habe demnach die positiven und negativen Aspekte aufgezeigt. Dabei sei deutlich geworden, dass die Besucherzahlen bei der Eislaufbahn doch geringer waren als in den Vorjahren.

Das bestätigt auch CSU-Fraktionschef und 2. Bürgermeister Andreas Wopperer: Die Nutzerzahlen seien seinen Angaben zufolge „tendenziell merklich schlechter“ gewesen. Daher kam die Wirtschaftsförderung zu dem Fazit, „dass man die Kunststoffbahn canceln soll“, so Wopperer.

Fast alle Besprechungsteilnehmer waren der gleichen Meinung

Für Frankerl ist dies keine Überraschung. Sie hatte bereits bei der Bekanntgabe der neuen Eislaufbahn Zweifel verlauten lassen, ob der veränderte Untergrund wirklich ideal sei. Sie verwies hier auf die Erfahrung ihrer Tochter, die in Regensburg bereits auf einer Kunststoffbahn mit Schlittschuhen gefahren war. „Das Fahrgefühl soll ein ganz anderes sein und nicht so viel Spaß machen“, berichtete Frankerl damals. Das habe sich nun bewahrheitet – zumindest wenn man nach den vielen negativen Kommentaren der Besucher des Schwandorfer Winterzaubers geht. Ein Großteil war von der Veranstaltung an sich begeistert. Die Kunststoffbahn bezeichneten jedoch viele als einziges Manko.

„Die SPD ist der Meinung, dass bei der nächsten Auflage wieder eine richtige Eislaufbahn her sollte“, sagte Frankerl. Mit dieser Meinung ist die Partei offenbar nicht alleine. „Der Tenor fast aller Besprechungsteilnehmer war, dass man auf jeden Fall wieder eine Eislaufbahn möchte. Diese soll aber wieder aus echtem Eis sein“, berichtete auch Wopperer.

Echtes Eis kostet mehr

Lediglich AfD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Mixl brachte einen weiteren Vorschlag ins Spiel. Er verwies auf eine Lösung, die die Stadt Parsberg schon seit der Coronazeit anbiete. „Auch in Parsberg gibt es eine Eislaufbahn aus Plastik, aber von einem anderen Anbieter“, sagt Mixl. Diese käme völlig ohne Personal aus. Jeder bringe seine Schlittschuhe selbst mit. Er sei mit seiner Familie und Bekannten immer wieder dort gewesen . „Ich hatte nicht den Eindruck, dass jemand mit der Bahn unzufrieden war“, so der AfD-Mann.

Er habe deshalb in der Besprechung den Vorschlag gebracht, die Bahn des Parsberger Anbieters für Schwandorf zu prüfen und diese losgelöst vom Winterzauber im Stadtpark aufzustellen. „Die Temperaturen spielen bei so einer Bahn ja keine Rolle“, erklärt Mixl. Somit könnte man die Fläche beispielsweise bereits Anfang November zur Verfügung stellen und erst Ende Februar wieder abbauen. „Das wäre jedenfalls um die Hälfte günstiger als echtes Eis“, so Mixl.

Denn fest steht, dass durch eine echte Eislaufbahn Mehrkosten für die Stadt entstehen. Nach MZ-Informationen vom Oktober 2024 ist der Kostenunterschied zwischen den beiden Bahntypen erheblich. Während man für die Kunststoffbahn mit etwa 45 000 Euro kalkuliert, würde die Bahn mit richtigem Eis etwa 90 000 Euro kosten. Frankerl dazu: „Man muss die Eislaufbahn ja nicht über die ganze Dauer des Winterzauber stehen lassen. Auch so kann man Kosten sparen.“

Entscheidung fällt im Schwandorfer Hauptausschuss

Eine finale Entscheidung über die Zukunft der Kunststoffbahn ist aber noch nicht gefallen. Wie CSU-Fraktionschef Wopperer schildert, steht das Thema auf der Tagesordnung der nächsten Hauptausschusssitzung am 29. Januar. Eine klare Prognose wagt der 2. Bürgermeister aber jetzt schon: „Nach der Besprechung ist sicher, dass es keine Plastikbahn mehr geben wird.“

Die Stadt selbst wollte sich auf Anfrage vorerst nicht näher zu dem Thema äußern. Pressesprecher Andreas Hofmeister verwies in seiner Antwort darauf, dass eine Bilanz zur Schlittschuhbahn auf dem vergangenen Winterzauber wohl erst Ende Januar gezogen wird. „Kommen Sie doch Anfang Februar gerne nochmals auf uns zu“, schrieb Hofmeister.