„Allergiker leiden früher und stärker“: Regensburger HNO-Arzt erklärt, was gegen Pollen hilft

Von Marion Neumann · 25. März 2025 um 12:00

Eine verstopfte Nase, Schnupfen und gerötete Augen: Wer unter einer Pollenallergie leidet, kann häufig schon die ersten Frühlingstage nicht ohne diese Beschwerden genießen. Woran es liegt, dass die Zahl der Allergiker zunimmt und wann eine Hyposensibilisierung sinnvoll ist, erklärt Michael Schneider, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in der HNO Praxis im Regensburger DEZ.

Herr Schneider, welche Pollen fliegen bereits?

Michael Schneider: Einige Bäume haben schon vor ein paar Wochen angefangen zu blühen – darunter Erle und Hasel. Das geht relativ schnell, sobald es ein paar Tage warm ist. Besonders rasch verteilen sich Pollen, wenn es nach den warmen Tagen einen Wetterumschwung gibt und es windig wird.

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Gefühlt beginnt die Pollensaison von Jahr zu Jahr früher. Ist das tatsächlich so?

Schneider: Dadurch, dass die Winter immer milder werden, werden die Vegetationsperioden länger. Die Pollensaison beginnt also meist früher und dauert länger an. Allergiker leiden früher und zum Teil auch stärker unter den Beschwerden.

Liegt das am Klimawandel?

Schneider: Der Klimawandel ist einer der Gründe dafür. Zusätzlich dazu, dass es immer wärmer wird, nimmt die Pollenkonzentration zu. Die sogenannten Mastjahre, in denen Bäume besonders viele Samen und Pollen produzieren, treten häufiger auf. Es ist aber auch so, dass sich unsere Vegetation zunehmend verändert und neue, hochallergene Pflanzen dazu kommen. Die Ambrosia etwa macht zunehmend Probleme. Sie kommt ursprünglich aus den USA und verdrängt heimische Pflanzen wie den Beifuß. Laut Studien aus Österreich geht man davon aus, dass mittlerweile 33 Millionen Patienten in Europa eine Sensibilisierung gegen Ambrosia haben.

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Nimmt mit diesen Entwicklungen auch die Zahl der Menschen zu, die unter Allergien leiden?

Schneider: Die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu entwickeln, steigt – auch aufgrund genetischer Faktoren. Wenn ein Elternteil Allergiker ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine Allergie entwickelt, bei 33 Prozent. Sind beide Elternteile betroffen, sind es bereits 70 Prozent. Dass Kinder häufiger betroffen sind, liegt also nicht daran, dass wir heute in den meisten Fällen nicht mehr auf dem Bauernhof aufwachsen. Man kommt mit dieser Prädisposition auf die Welt – und sobald man sich mit dem Allergen auseinandersetzt, ist die Wahrscheinlichkeit eben hoch, dass man eine Allergie entwickelt.

Bleibt es beim Großteil der Patienten bei Symptomen wie einer verstopften Nase und tränenden Augen – oder treten auch Beschwerden wie allergisches Asthma häufiger auf?

Schneider: Allergisches Asthma ist eine Spätfolge oder auch die Maximalfolge einer Allergie. Es handelt sich dann bereits um ein Lungenproblem und meist um eine chronische Erkrankung. Wahrscheinlich wird auch diese Zahl der Patienten weiter zunehmen. Die einzige nachweislich wirksame Methode, um allergischem Asthma vorzubeugen, ist eine frühzeitige Behandlung in Form einer Hyposensibilisierung.

Ist eine Hyposensibilisierung denn prinzipiell für alle Allergiker sinnvoll?

Schneider: Es kommt auf den Leidensdruck an. Wenn jemand zwei Wochen im Jahr ein wenig Schnupfen hat und das mit Nasenspray behoben werden kann, macht es weniger Sinn. Aber wenn Patienten etwa auf Pollen und Gräser allergisch sind und die Beschwerden schon im Januar anfangen, ist es zielführend. Beachten muss man nur, dass man mit der Therapie nicht während der laufenden Pollensaison beginnen kann. Die Symptome müssen dann zunächst konservativ behandelt werden.

Wie gut helfen Medikamente bei einer Pollenallergie?

Schneider: Es gibt mittlerweile diverse sehr gute antiallergische Präparate auf dem Markt, die bei Symptomen wie Niesreiz, einer laufenden Nase oder tränenden Augen Linderung verschaffen. Der Großteil ist freiverkäuflich in der Apotheke erhältlich. Kommen Patienten zu uns in die Praxis, klären wir auch über andere Maßnahmen auf. Bei einer Pollenallergie sollte man zum Beispiel während der Saison jeden Abend duschen und Haare waschen. Die Kleidung, die man draußen getragen hat, sollte man nicht im Schlafzimmer ausziehen. Hilfreich sind für diese Zeit auch Fliegengitter, die man an die Fenster klebt. Die häusliche Umgebung sollte möglichst pollenfrei sein.

Michael Schneider ist Facharzt für HNO-Heilkunde. Foto: Schneider