Schwandorferin sitzt am Koalitionstisch in Berlin: Spannende Tage für Martina Englhardt-Kopf

Von Martin Kellermeier · 16. März 2025 um 19:00

Die Schwandorfer CSU-Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf muss gerade mit wenig Schlaf auskommen. Gleichzeitig erlebt sie spannende Tage in Berlin. MEK, wie sie von ihren Parteifreunden auch genannt wird, wirkt seit Freitag am Koalitionsvertrag für eine schwarz-rote Bundesregierung mit. Dabei kann sie sich für eines ihrer Kernthemen einsetzen: die Stärkung des ländlichen Raums.

Beobachter der politischen Szene überrascht es nicht, dass die 43 Jahre alte Schwandorferin an den Verhandlungen teilnimmt. MEK genießt innerhalb der CSU als stellvertretende Bezirksvorsitzende einen ausgezeichneten Ruf, bei der jüngsten Bundestagswahl konnte sie deutlich an Stimmen in ihrem Wahlkreis zulegen (plus sieben Prozent) und auch über die Parteigrenzen hinaus findet sie Anerkennung, wenn man sich beispielsweise an den Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Landkreis zurückerinnert.

Nun darf Martina Englhardt-Kopf bei den Koalitionsverhandlungen mitwirken. Seit Mittwochnacht weiß sie, dass sie dabei ist. Bereits seit Freitag laufen die Gespräche in Berlin. Verhandelt wird im Regierungsviertel im Paul-Löbe-Haus oder im Jakob-Kaiser-Haus. In letzterem hat die Schwandorferin auch ihr Abgeordnetenbüro und kann so von kurzen Wegen profitieren. Viel Zeit zum Durchschnaufen hat MEK gerade ohnehin nicht. „Ein paar Stunden Schlaf müssen reichen“, sagt die MdB am Telefon.

Zur Vorbereitung des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD wurden 16 Arbeitsgruppen gebildet. Die Schwandorfer CSU-Abgeordnete gehört dem Team für ländliche Räume, Land- und Forstwirtschaft, Ernährung und Umwelt an.

Eine Arbeitsgruppe besteht aus 16 Personen

In diese Arbeitsgruppe hat die CSU drei Mitglieder entsandt. Neben MEK sind das MdB Artur Auernhammer aus Mittelfranken und Günther Felßner, der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Letzteren würde CSU-Chef Markus Söder künftig gerne als Bundeslandwirtschaftsminister sehen. Insgesamt gehören der Arbeitsgruppe 16 Personen an. Zu den drei CSU-Vertretern gesellen sich sechs von der CDU und sieben von der SPD.

Martina Englhardt-Kopf rechnet mit spannenden und herausfordernden Verhandlungsrunden. „Die Stärkung des ländlichen Raums mit all seinen Facetten und somit unserer Heimat liegt mir besonders am Herzen“, erklärt die Schwandorferin. Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse müsse dabei bereichsübergreifend im Vordergrund stehen, so die Bundespolitikerin weiter.

Bei den Koalitionsgesprächen dürfte MEK auch von ihrer Herkunft profitieren. Die Schwandorferin stammt aus einem Ackerbaubetrieb im Stadtgebiet und hat diesen von ihren Eltern übernommen. Zusammen mit ihrem Mann Thomas Kopf führt sie den Betrieb im Nebenerwerb weiter.

CSU-Kreischef Flierl sieht Position des Landkreises gestärkt

In der Region kommt die Teilnahme von Martina Englhardt-Kopf an den Verhandlungsrunden gut an. Die Möglichkeit der 43-Jährigen, an der Agenda der kommenden Legislatur mitzuarbeiten, unterstreiche „die fachliche Kompetenz und Versiertheit von Martina Englhardt-Kopf sowie ihr politisches Geschick, vor allem in den für unseren ländlichen Raum entscheidenden Themen“, kommentiert beispielsweise der CSU-Kreischef Alexander Flierl. Die Mitwirkung im Verhandlungsteam der CSU zeige überdies, „dass unser Landkreis politisches Gewicht besitzt und unsere Interessen nicht nur am Rande behandelt werden“.

Flierl, der als Landtagsabgeordneter dem Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz vorsteht, fordert, dass die Landwirtschafts- und Umweltpolitik dringend entideologisiert werden müsse. „Gerade Klima- und Naturschutz kann nur gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern gelingen“, erklärt der erfahrene Landtagsabgeordnete. Es brauche einen „verständigen Umgang“ mit Konflikttierarten wie Wolf oder Fischotter. „Bei diesem Punkt entscheidet sich, ob die Teichwirtschaft im Landkreis Schwandorf eine Zukunft hat“, so Flierl.

Bei der Firma Horsch ärgert man sich über „Regulierungswut“

Auch beim namhaften Schwandorfer Landmaschinenhersteller Horsch mit seinen weltweit 2700 Mitarbeitern vertraut man auf Englhardt-Kopf. „Sie arbeitet pragmatisch und mit Scharfsinn, was unbedingt wieder nach Berlin zurückkehren muss“, findet Cornelia Horsch. Bevölkerung und Unternehmen würden immer mehr unter Öko-Richtlinien und Regulierungen leiden, „die von Minderheiten verlangt werden“. „Wichtig ist ein offener Austausch der verschiedenen Gruppen, die aufeinander hören sollten, anstatt sich nur anzufeinden und zu beschuldigen“, so die Schwandorfer Unternehmerin.

Eine „unendliche, unverständliche Regulierungswut“ würde auch die Firma Horsch „mehr und mehr lähmen“. Man sei gezwungen, sich mit Prozessen zu beschäftigen, „die uns von dem eigentlichen Geschäft abhalten und im internationalen Konkurrenzkampf benachteiligen“. Man stehe weiter zum Standort Deutschland. Dennoch sollten Deregulierungen in der Landwirtschaft, aber auch für Industrieunternehmen „sicherlich zu den wichtigsten aktuellen Punkten“ gehören, um die sich die Politik nun kümmern sollte.

Das fordern die Landwirte im Landkreis Schwandorf

Für den BBV im Landkreis Schwandorf hat sich auf Anfrage der MZ Kreisobmann Josef Irlbacher geäußert. Er sieht die Region mit immer mehr Infrastrukturmaßnahmen wie dem Bau von Stromtrassen und Gasleitungen oder der Elektrifizierung der Bahnstrecken konfrontiert. „Hier müssen die Interessen der Landwirte berücksichtigt werden. Flächenverbrauch und Eingriffe in die Eigentumsrechte sind hier Schlagworte“, sagt der Landwirt aus Grubhof bei Nabburg.

Mit Blick auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung müsse die Wertschöpfung in der Land- und Forstwirtschaft gesichert und weiterentwickelt werden. „Eine stabile Viehhaltung und Milchwirtschaft sind für unsere Landwirtschaft im Landkreis mit den natürlichen und strukturellen Nachteilen von existenzieller Bedeutung“, konstatiert Irlbacher.

Kulturen wie Kartoffelanbau, Gemüsebau, Erdbeeren und andere Sonderkulturen sollten erhalten werden. „Eine sichere und nachhaltige Ernährung unserer Bevölkerung ist nur dadurch möglich“, so der BBV-Kreisobmann.

Milcherzeuger hoffen nicht nur auf Bürokratieabbau

Auch bei der Milcherzeugergemeinschaft Schwarzenfeld-Waldmünchen freut man sich über die Sonderaufgabe für die Schwandorfer CSU-Abgeordnete in Berlin. „Sie kennt die Strukturen der Landwirtschaft in der Region und ist sowohl bei den Landwirten als auch beim verarbeitendem Gewerbe gut vernetzt“, stellt Vorsitzender Erhard Zimmermann aus Maxhütte-Haidhof fest.

Seine Erzeugergemeinschaft zählt aktuell 325 Mitglieder. Diese bündeln jährlich etwa 140 Millionen Kilogramm gentechnikfreie Milch und vermarkten diese an die Privatmolkerei Bechtel. Zimmermann fordert, dass die künftige Bundesregierung den Bürokratieabbau angeht. Ferner hofft er auf den Wegfall „sinnloser Dokumentationspflichten“, Vereinfachungen bei Baumaßnahmen und Planungssicherheit.