Betriebe im Kreis Schwandorf äußern ihre Sorgen – Bauernpräsident Felßner fordert „Zeitenwende“

Von Nils Mayer · 3. Februar 2025 um 19:00

Es muss sich schleunigst etwas ändern in der Politik – darüber waren sich gestern alle einig. Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Günther Felßner, den CSU-Chef Markus Söder als Bundeslandwirtschaftsminister sehen will, hatte die Firma Horsch in Schwandorf und die Privatmolkerei Bechtel in Schwarzenfeld besucht. Mit dabei beim Wahlkampftermin: CSU-Kandidatin Martina Englhardt-Kopf.

Los ging es in Sitzenhof. Bei einem Betriebsrundgang kritisierte Philipp Horsch, Geschäftsführer des gleichnamigen Landmaschinenherstellers mit rund 1200 Mitarbeitern am Standort Schwandorf, die Politik der vergangenen Jahre.

„Wir haben in Deutschland eine wahnsinnig gute Ausgangslage, aber seit den letzten Jahren erodiert das Ganze gewaltig“, so Horsch. Sein Unternehmen werde von Vorschriften und Regulierungen gerade zu erschlagen. „Wichtig ist für uns, dass endlich Bürokratie abgebaut wird und die Dinge einfacher werden“, forderte Horsch.

CSU-Kandidatin Englhardt-Kopf fordert besseren Austausch

Englhardt-Kopf stimmte ihm zu: „Der direkte Austausch und die Zusammenarbeit mit der Land- und Agrarwirtschaft muss vor allem auf Bundesebene besser werden.“ Um dem Nachdruck zu verleihen, habe sie vor der Wahl am 23. Februar extra Bauernpräsident Felßner in den Landkreis Schwandorf geholt. Er sei vom Fach und verstehe die Sorgen der Unternehmen.

„Die Landwirtschaft ist die Mutter aller Politiken“, sagte Felßner. „Ohne euch geht nichts in Deutschland.“ Für ihn ist daher der Auftrag an die neue Bundesregierung klar: „Ein Politikwechsel ist nötig, der die Wirtschaft in Deutschland entfesselt und nicht hemmt – eine echte Zeitenwende eben.“

Privatmolkerei Bechtel aus Schwarzenfeld fordert mehr Unterstützung

Philipp Horsch begrüßte die deutlichen Worte des Bauernpräsidenten und mahnte, dass immer mehr Betriebe ins Ausland flüchten könnten. „Es muss sich in Deutschland etwas verändern. Das ist meine Heimat, ich will hier Arbeitsplätze schaffen und nicht im Ausland, nur weil es dort einfachere Bedingungen gibt“, sagte der erfahrene Geschäftsführer. Aus diesem Grund sei der Besuch ein guter erster Schritt und ein wichtiges Zeichen für den Wirtschaftsstandort Bayern.

Mahnende Worte an die Politik gab es auch beim Besuch der Privatmolkerei Bechtel in Schwarzenfeld. Geschäftsführer René Guhl forderte mehr Unterstützung und Verständnis: „Wir wollen einen fairen Wettbewerb, aber nicht verlieren, nur weil wir uns an so viele Auflagen halten müssen.“ Guhl forderte ferner endlich Taten statt „wohlwollende Worten“, denn die habe seine Molkerei bereits genug gehört.

Felßner zeigte Verständnis für die Frustration und sprach sich für weniger Bürokratie und mehr Vertrauen aus: „Es braucht jetzt endlich Lösungen, statt nur leerer Worte.“ Die „Lust am Produzieren“ müsse wieder spürbar werden.

Die Bundestagswahl im Blick

Martina Englhardt-Kopf hob die Bedeutung der Molkerei Bechtel hervor – als wichtigen Arbeitgeber in der Region und als Produzent von Lebensmitteln.

Immer wieder wurde von den Unternehmen die Bedeutung der Bundestagswahl hervorgehoben. Bei dieser und den darauf folgenden Koalitionsverhandlungen wird sich dann auch entscheiden, wer im Landwirtschaftsministerium das Sagen hat und welche Vision dort zur Realität für die Betriebe in ganz Deutschland wird. Vielleicht gibt es dann ja ein Wiedersehen mit Günther Felßner auf der ganz großen Bühne.

Gute Gespräche gab es auch in der Privatmolkerei Bechtel: Berater Hans Hottner (l.), Geschäftsführer René Guhl (2. v. l.) und Erhard Zimmermann als Vertreter der Milcherzeugergemeinschaft (2. v. r.) freuten sich über den Besuch der CSU-Delegation.