Im Kreis Schwandorf gab es 2024 zwei Nachweise von Wölfen – aber auch Verdachtsfälle

Von Hubert Heinzl · 6. Januar 2025 um 19:00

Seit Anfang des vergangenen Jahres in kurzem Abstand zwei Wölfe auf der A93 totgefahren wurden, sind offizielle Nachweise im Landkreis Schwandorf ausgeblieben. Doch es gab gleich mehrere Verdachtsfälle. Wird die Region zum Wolfsrevier?

Den Eindruck konnte man gewinnen, als im zeitigen Frühjahr 2024 gleich zwei der Wildtiere dem Straßenverkehr zum Opfer fielen. In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar lief auf der A93 zwischen den Anschlussstellen Schwandorf-Süd und Schwandorf-Mitte einer Frau ein Tier vors Auto. Am darauffolgenden Morgen entdeckten Mitarbeiter der Autobahnmeisterei im Mittelstreifen den Kadaver. Untersuchungen des LfU bestätigten, dass es sich um einen Wolf gehandelt hatte – offenbar einen Rüden auf der Suche nach einem eigenen Revier.

Fall Nummer zwei ereignete sich nur wenig später. Am 1. März 2024 wurde auf der A93 ein Wolf gleich von mehreren Autos überfahren, diesmal zwischen den Anschlussstellen Schwarzenfeld und Nabburg. Beim Eintreffen der Polizei lag das Wildtier am Standstreifen, und wieder handelte es sich um einen jungen Rüden.

LfU listet Nachweise auf

Beide Fälle sind im sogenannten Wolfs-Monitoring des LfU dokumentiert, das seit dem Jahr 2006 alle verbürgten Sichtungen auflistet. Im Landkreis Schwandorf gibt es immer wieder solche Nachweise. Schon für den Mai 2016 ist hier ein Totfund nach einem Verkehrsunfall verzeichnet, im Juni 2018 und dann wieder im Mai 2020 gab es eindeutige Fotos. Zumindest ein Durchzugsgebiet für das Wildtier scheint die Region zu sein. Und das ist eigentlich auch kein Wunder: Wölfe sind sehr mobil und können am Tag Strecken bis zu 80 Kilometern zurücklegen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie losziehen, um ein eigenes Rudel zu begründen.

Die Aufstellung des Landesamts für Umwelt über den Wolf ist auch in anderer Hinsicht aufschlussreich. Denn sie verzeichnet auch all die Vorkommnisse, bei denen Weide- oder Wildhalter verendete oder gerissene Tiere mit einem möglichen Wolfsangriff in Verbindung bringen. Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis Schwandorf immerhin fünf solcher Verdachtsfälle.

Ende Januar wurde nach der Aufstellung des LfU ein toter Damspießer aus dem Landkreis Schwandorf gemeldet, Anfang Februar entdeckte ein Halter gleich fünf Damhirsch-Kadaver in seinem Gehege. Im Oktober sorgten drei tote Kälber für Aufsehen – laut Medienberichten eines in der Nähe von Pfreimd und zwei weitere im Raum Burglengenfeld. Im November wurde schließlich ein weiterer toter Damhirsch gemeldet.

In allen diesen Fällen gab es bei der amtlichen Untersuchung allerdings „keine Hinweise auf Beteiligung Großer Beutegreifer“, wie das LfU vermeldet. Große Beutegreifer – das sind im Amtsdeutsch Raubtiere wie Wolf und Luchs, die für Risse an Nutztieren in Frage kommen. Mitunter lässt sich der Nachweis aber auch führen. So geschehen zum Beispiel bei einem Vorkommnis in Auerbach im äußersten Norden des Nachbarlandkreises Amberg-Sulzbach: Hier wurden laut LfU Mitte Juli des vergangenen Jahres 17 Schafe getötet und 14 weitere verletzt – eindeutig von einem Wolf, wie Untersuchungen belegten. Anders als etwa im Nachbarlandkreis Neustadt/Waldnaab gibt es im Landkreis Schwandorf keine standort-treuen Wolfsbestände. Noch. Aber nach Einschätzung von Landtagsabgeordnetem Alexander Flierl (CSU) ist es nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist, dass sich ein Wolf oder sogar ein Paar oder Rudel auch hier ansiedeln werden. „Man kann davon ausgehen, dass sich die Population alle drei Jahre verdoppelt“, sagt der passionierte Jäger und Bezirksvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands.

Das Wildtier ist flexibel

Wo das geschehen könnte, darüber will Flierl nicht spekulieren. Im Landkreis Neustadt/Waldnaab wurden laut LfU der Manteler Forst und seit dem Jahr 2023 auch der Pressather Wald besiedelt, wohl über den benachbarten Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Im Landkreis Schwandorf gibt es ausgedehnte Waldgebiete unter anderem im Nordosten und rund um Bruck, Bodenwöhr und Neukirchen-Balbini.

Der Landtagsabgeordnete weist allerdings darauf hin, dass das Wildtier „nicht auf einen bestimmten Landschaftstyp angewiesen“ sei. Flierl: „Der Wolf kommt sehr gut mit der Kulturlandschaft zurecht. Er braucht eben nur genügend Beutetiere.“

Auf dem Weg zu einem „aktiven Bestandsmanagement“ des Wildtiers sieht der Bezirksvorsitzende inzwischen übrigens Fortschritte. Erst im Dezember hat der Europarat den Schutzstatus des Wolfs herabgestuft. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber wir sind noch nicht am Ziel“, so der Landtagsabgeordnete. Nun müsse nicht nur die europäische FFH-Richtlinie angepasst, sondern auch das Bundesnaturschutzgesetz entsprechend geändert werden.

Am Ende könne ein „pragmatischer und vernünftiger Umgang“ mit dem Wildtier bis hin zu festgelegten Abschussquoten „so wie in Schweden oder Frankreich“ stehen, sagt Flierl. Und weiß, dass es die Naturschutzverbände naturgemäß anders sehen.