Wolf bei Schwandorf von Auto getötet – Jäger schließt Ansiedlung eines Rudels künftig nicht aus

Der Unfall ereignete sich schon vor einer knappen Woche, nun herrscht Gewissheit: In der Nähe des Schwandorfer Stadtteils Klardorf wurde ein Wolf getötet. Für den Landtagsabgeordneten Alexander Flierl (CSU) steht nicht nur durch den jetzigen Fall fest: In der Region ist mit einer Wolfspräsenz zu rechnen.
Eine junge Frau aus dem Landkreis Schwandorf wird die Nacht vom 24. auf den 25.Februar wohl ihr Leben lang nicht vergessen. Gegen 0.20 Uhr war sie mit ihrem Kia auf der A93 in Fahrtrichtung Hof zwischen den Anschlussstellen Schwandorf-Süd und Schwandorf-Mitte unterwegs, als ihr plötzlich ein Tier vor das Auto lief.
Hund oder Wolf? Der Fall war zunächst ein Rätsel
„Die Dame konnte das Tier nicht genau erkennen. Sie sprach von einem Hund oder Wolf“, berichtete Christian Scharl, Leiter der Autobahnpolizeistation Schwandorf, auf Anfrage der MZ. Weil das Tier jedoch flüchtete und nicht mehr auffindbar war, blieb der Wildunfall zunächst ein Rätsel. Erst als aufmerksame Mitarbeiter der Schwandorfer Autobahnmeisterei am vergangenen Montagmorgen einen Fund machten, kam Licht ins Dunkel. Im Mittelstreifen der Autobahn hatten sie einen Wolf entdeckt und umgehend die Behörden informiert. Das Tier war wohl an den Folgen des Unfalls verendet.
Den Totfund führt inzwischen das zuständige Landesamt für Umwelt (LfU) auf seiner Internetseite im Wolfs-Monitoring auf. Auch das Landratsamt Schwandorf bestätigte den Fall.
Flierl geht bei totem Wolf von einem Jungtier aus
Landtagsabgeordneter Alexander Flierl, der sich auch als Bezirksvorsitzender beim Bayerischen Jagdverband engagiert, konnte weitere Details in Erfahrung bringen. Es handle sich dabei um einen Rüden. Auch habe bereits eine Erstdokumentation durch ein Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer stattgefunden. „Proben für eine genetische Untersuchung wurden genommen, und der weitere Transport des Kadavers an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ist in Vorbereitung“, informierte Flierl.
Nach einer ersten Einschätzung könnte es sich um ein Jungtier aus 2023 handeln, so der Landtagsabgeordnete. Eine genauere Alterseinschätzung sei jedoch erst „nach Sichtung der ausführlichen Fotodokumentation“ möglich.
Nicht erst durch das jetzige Auffinden eines toten Wolfes zeigt sich für Flierl, dass mit einer Wolfspräsenz auch im Landkreis Schwandorf zu rechnen ist. Für den leidenschaftlichen Jäger aus Oberviechtach sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch in der Region „ein standorttreuer Wolf“ oder sogar ein Paar oder Rudel ansiedeln. „Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man zu Grunde legt, dass sich die Population alle drei Jahre verdoppelt“, erklärte Flierl.
Der Totfund bei Klardorf ist nicht die erste Wolfssichtung im Landkreis Schwandorf. Bereits im Jahr 2016 starb bei Schwarzenfeld ein Wolf bei einem Verkehrsunfall. In den Jahren 2018, 2020 und 2023 hat es jeweils einen Fotonachweis gegeben, der stets an das LfU zur Dokumentation gemeldet wurde.
Jäger rät bei Wolfsbegegnung: Hunde sofort an die Leine!
Begegnungen zwischen Spaziergängern und Wölfen seien auch im Landkreis möglich, so Flierl. „Hunde sollten umgehend an die Leine genommen werden, und die Passanten sollten Distanz halten und auf sich aufmerksam machen. Anschließend sollte man sich langsam zurückziehen und nicht laufen“, empfahl Flierl.
Welche Folgen hat der Totfund bei Klardorf nun für die Region? Laut Flierl werden „bei einer ständigen Wolfsanwesenheit in einem Gebiet“ notwendige Schutzmaßnahmen für Weidetierhalter bis zu 100Prozent vom Freistaat Bayern getragen. „Gleichfalls haben wir in Bayern die notwendigen Schritte für Entnahmen bei Schäden in der Tierhaltung und/oder Gefährdung von Menschen in unserer Zuständigkeit mit dem Aktionsplan Wolf und der Wolfsverordnung ergriffen“, erklärte der CSU-Abgeordnete.

