Zaun soll in Burglengenfeld vor Wolf-Attacken schützen

Von Thomas Rieke · 30. Mai 2023 um 05:00

Burglengenfeld/Hohenfels. Seit zwölf Jahren schon bietet Birgit Schreiner in ihrem Paradies am Reichertsberg Pferden, Schafen und Ziegen ein Refugium. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins „M.u.Ti.G“ hat nun mit der Errichtung eines Wolfschutzzauns ein besonderes Projekt in Angriff genommen.

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Die 48-jährige Tierfreundin, Ernährungsberaterin und Meditationslehrerin reagiert damit auf eine Gefahr, die immer konkretere Formen anzunehmen scheint: die mögliche Begegnung mit dem großen Beutegreifer. Dessen Rückkehr in verschiedene Regionen des Freistaats polarisiert. Naturschützer sprechen von einem Riesenerfolg, Landwirte und Schäfer von einer Bedrohung, die vielerorts schon zu grausamen Verlusten geführt habe.

Vorausschauendes Handeln der Tierschützerin

Birgit Schreiner, Gattin des BWG-Stadtrats Albin Schreiner, hat auf ihrer idyllisch gelegenen Anlage noch keine konkreten Spuren entdeckt, die auf die Existenz eines Wolfs hingewiesen hätten. Aber der Truppenübungsplatz Hohenfels, auf dem das Landesamt für Umwelt (LfU) bis Ende 2020 mindestens einen standorttreuen Wolf verzeichnet hatte, ist nur 18 Kilometer von Burglengenfeld entfernt. Außerdem kennt Schreiner persönlich einige Tierhalter, die bereits Opfer zu beklagen hatten. Sie will sich daher rechtzeitig wappnen.

Schon im vergangenen Jahr hat die Inhaberin des Lebenshofs (früher Gnadenhof) deshalb die Weichen für einen Schutzzaun gestellt, der in der Region Vorbildcharakter haben dürfte. Schreiner hatte erfahren, dass solche Vorhaben vom Freistaat unter bestimmten Voraussetzungen kräftig unterstützt werden. Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Nabburg besichtigten ihr Areal, und letztlich wurden für 1200 Meter 13000 Euro an Fördermitteln bewilligt.

Heute gäbe es schon kein Geld mehr dafür

Schreiner hatte damit unheimliches Glück. Recherchen der MZ haben nämlich ergeben, dass die Voraussetzungen für eine Förderung heute schon nicht mehr erfüllt wären. Wie das LfU bestätigte, hat sich der Wolf von Hohenfels offenbar verzogen, die „Förderkulisse Zaun“ wäre damit entfallen.

Wie auch immer: Am 15. Mai rückte am Reichertsberg eine Fachfirma an, um die ersten massiven Holzpfosten in die Erde zu setzen. Wegen des steinigen Untergrunds gestaltete sich das laut Schreiner gar nicht so einfach. Zwischen den Pfosten werden Drähte so dicht gespannt, dass sie ein Wolf, der das Hindernis überwinden möchte, berühren müsste. Ihm dürfte das nicht gefallen, denn die Drähte werden mit Abschluss der Arbeiten, voraussichtlich im Herbst, unter Strom stehen.

„Ich will meinen Tieren ein artgerechtes Leben im Freien ermöglichen, und dies möglichst sicher“, erklärt Birgit Schreiner ihre Motivation. Ob ein Zaun allein ausreiche, um Wolf-Attacken zu verhindern, werde sich zeigen. Ein Herdenschutzhund sei aktuell noch kein Thema für sie.

MdL Gotthardt spricht von Mammutaufgabe

Wie der Zufall so spielt: Kürzlich hatte Schreiner in der Jahresversammlung ihres Vereins mit Tobias Gotthardt einen prominenten Politiker zu Gast. Als der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler von dem Zaunbau am Lebenshof erfuhr, wollte er die Baustelle umgehend besichtigen.

Für den Abgeordneten, der selbst aus Burglengenfeld stammt, ist so ein Projekt nichts Neues. Er selbst ist Spezialist auf diesem Gebiet und überzeugt, dass die Präventionsmaßnahmen Sinn machen.

Schon 2018 gab es im Raum Burglengenfeld erste ernst zu nehmende Hinweise auf einen Wolf. Lesen Sie dazu den Artikel Jäger: Wolf auf Kamera „erkennbar“

Gotthardt spricht von einem Mammutprojekt, das es landesweit zu schultern gelte. Immerhin existierten im Freistaat 360000 Hektar Weideflächen mit einem Umfang von über 120000 Kilometern. Wolle man alle Herden vor dem Wolf schützen, seien 60000 Kilometer Elektrozaun erforderlich. „Kostenpunkt: rund 450 Millionen Euro.“

„Wo möglich“, so der Abgeordnete weiter, greife man zu Präventionsmaßnahmen wie dem Bau von Zäunen. „Realistischerweise“ müsse man aber auch über den Abschuss des Wolfes zumindest reden dürfen. Insbesondere dann, wenn Tiere getötet worden seien. Der Schutz einer Herde habe für ihn Vorrang, betont der Landespolitiker.

Bayerische Verordnung steht in der Kritik

„Ein Riss reicht“, so lautet laut Gotthardt das Prinzip der Staatsregierung. Dem entsprechend lässt es die bayerische Wolfsverordnung seit 1. Mai zu, einen Wolf zu schießen, sobald er ein Weidetier getötet hat. Dabei handle es sich um ein vereinfachtes Verfahren mit ausgebildeten Jägern. Die Verordnung geht aber noch einen Schritt weiter. Ein Abschuss soll bereits möglich sein, wenn sich ein Wolf über mehrere Tage weniger als 200 Meter entfernt von geschlossenen Ortschaften, oder Gebäuden und Stallungen aufhält.

Vor allem deshalb ist das Konzept in die Kritik geraten. Der Bund Naturschutz hat am 24. Mai beim bayerischen Verwaltungsgerichtshof Klage eingereicht. Gotthardt scheint das wenig zu beeindrucken: „Wir werden die Verordnung, so wie beschlossen, umsetzen.“ Er sei überzeugt, dass sie europäisches Recht erfülle. Als Mitglied des Europaausschusses war Gotthardt am 24. Mai nach Brüssel gereist, um mit österreichischen, spanischen und polnischen Kollegen „Möglichkeiten einer Abstufung des Wolfes“ zu erreichen. Künftig sollte er nur noch als „schützenswerte Art" gelten. Auch im Europaparlament zeichne sich dafür neue Bereitschaft ab, berichtete der Politiker.

Angst vor einer Debatte, die nur schwer zu steuern wäre

Unterdessen bestätigen Jäger aus der Region hinter vorgehaltener Hand immer unverblümter, dass sie regelmäßig auf Wolfsspuren stoßen. Insbesondere im Februar und März seien diese festzustellen. An die große Glocke wollen sie dies jedoch nicht hängen – vor allem aus Sorge, es könnte eine hysterische, kaum zu steuernde Debatte entflammen, so ein Waidmann gegenüber der MZ.

Gotthardt verteidigt die Haltung der Jäger. Diese sei „richtig und völlig vernünftig“. Er habe aber nicht das Gefühl, dass man sich deshalb vor einer Diskussion drücke, im Gegenteil. „Wir setzen dort an, wo vom Beutetier die größte Gefahr ausgeht – und das ist bei der Weidetierhaltung“, betont der Abgeordneten. Diesen Weg wolle er „im Schulterschluss mit Jägern, Förstern, Landwirten, Tierhaltern und Experten weiter gehen“.