Naturidylle ade: Bäume am Klausensee bei Schwandorf verschwinden

Die Zeit von unberührter Natur am Klausensee ist vorerst vorbei. Zwischen der ehemaligen B15 und dem nordwestlichen Seeufer finden seit Donnerstag vergangener Woche großflächig Baumarbeiten statt. Doch mit dem erst kürzlich genehmigten Hotelprojekt hat das nichts zu tun. Nur der Investor ist derselbe.
Eine ortsansässige Firma ist derzeit damit beschäftigt, auf der Fläche rechts und links der Zufahrt „Klause“ Gehölz zu beseitigen. Auf den ersten Blick schaut es wie ein Kahlschlag aus. Es seien aber nur Baumpflegearbeiten, betont Projektleiter Rupert Atzberger von der AIM-Gruppe aus Passau.
Es gebe viele morsche Bäume auf dem Areal, das die AIM-Gruppe gekauft hatte. Da gleichzeitig zahlreiche Spaziergänger den Weg am Klausensee entlang nutzen würden, müsse der Eigentümer seiner Sicherungspflicht nachkommen und kranke Bäume entfernen. Die großen, gesunden Bäume würden stehen bleiben, versichert Atzberger. Da Baumarbeiten in dem Umfang nur bis Ende Februar erlaubt sind, musste jetzt schnell gehandelt werden, so der Projektleiter.
Zufahrt soll möglich sein
Die sogenannten Baumpflegearbeiten haben auch Anlieger wie Thomas Kraml und Franz Hopf aufgeschreckt. Sie machen sich Sorgen, ob sie künftig noch ihre Grundstücke am Klausensee erreichen können.
Hopf wohnt seit mehr als 40Jahren nur ein paar Meter vom Seeufer entfernt. Kraml besitzt seinerseits eine Fläche direkt am See. Eine eigene Zufahrt gibt es für sein Grundstück nicht. Kraml ist auf die Zufahrt „Klause“ angewiesen, um seine Waldfläche zu erreichen. Bisher sei das kein Problem gewesen.
Ob er auch in Zukunft noch problemlos zu seinem Grundstück kommt, fragt er sich seit einigen Tagen. Bei einem Gespräch im Rathaus habe man ihn beruhigt, berichtet er. Im Grundbuch sei ein Geh- und Fahrtrecht eingetragen, hieß es in einer Antwort des Amtes für Planen und Bauen. Somit sei der weitere Zugang gesichert, erfuhr Kraml. Ähnliche Informationen hat auch Franz Hopf erhalten, der ebenfalls über die Zufahrt „Klause“ zu seinem Wohnhaus kommt.
Projektleiter Atzberger bestätigt gegenüber der MZ, dass die Anlieger auch in Zukunft ihre Grundstücke erreichen würden. Bei einem Teil der Zufahrt handele es sich sowieso um eine städtische Fläche, so Atzberger.
Auch wenn Franz Hopf in Sachen Zufahrt nun beruhigter ist, hat er noch eine Menge Fragen an den Investor. Wie erfolgt beispielsweise die Zufahrt zum Feriendorf, das genau gegenüber seinem Wohnhaus geplant ist? Wie werden die neuen Ferienhäuser mit Strom versorgt? Und wie wird das Abwasser entsorgt?
Antworten auf seine und andere Fragen soll es bei einer öffentlichen Infoveranstaltung geben. Zuerst will der Investor aber die Mitglieder des Schwandorfer Bauausschusses über das Klausensee-Projekt informieren. Das Gremium trifft sich das nächste Mal am 20. März. Danach werde auch die Öffentlichkeit aufgeklärt, kündigt Atzberger an. Einen genauen Termin kann der Projektleiter derzeit noch nicht benennen. Einige Fragen kann Rupert Atzberger schon jetzt beantworten. So sollen die Nutzer der Ferienhäuser ihre Fahrzeuge auf dem großen Parkplatz am Hotel abstellen. Im Feriendorf sollen keine eigenen Stellflächen entstehen, sagt Atzberger. „Es soll keine Lärmbelästigung geben“, versichert der Projektleiter. Zum Aus- und Einladen soll die Zufahrt zu den Ferienhäusern allerdings ermöglicht werden.
Der Stadt liege aktuell noch keine Bauanfrage zu den Ferienhäusern vor. Atzberger klärt auf: Der Bauantrag soll demnächst eingereicht werden. Man werde sich bei deren Errichtung an den Bebauungsplan aus dem Jahr 1988 halten. „Wir wollen nicht abweichen“, macht er deutlich. Dadurch handele es sich laut Atzberger um ein „einfaches Verfahren“. Für die Erteilung der Baugenehmigung gebe es deshalb keine Hinderungsgründe, ist sich der Projektleiter sicher.
Schon Ende der 80er Jahre war ein Feriendorf am nordwestlichen Ufer des Klausensees geplant. Hinter den damaligen Vorhaben habe der ehemalige Eigentümer des Grundstücks, auf dem aktuell die Baumpflegearbeiten stattfinden, gestanden, weiß Anwohner Hopf.
Blockhütten abgerissen
Außer zwei Muster-Blockhütten sei aus dem Feriendorf aber nichts geworden. Auch die zwei Blockhütten dienten nicht unbedingt zur Unterbringung von Urlaubern. Nachdem sie später abgebrannt seien, wurden sie vor mehr als zehn Jahren abgerissen, erinnert sich Thomas Kraml. Das Areal zwischen der B15 und dem Seeufer sei in den frühen 80er Jahren eine Ackerfläche gewesen, blickt Hopf zurück. Über die Jahrzehnte sei hier ein naturbelassenes Wäldchen gewachsen.
Dass auf dem Gelände irgendwann etwas entstehen werde, habe er immer im Hinterkopf gehabt, sagt Hopf. Dass es aber ein solches Ausmaß annehme, sei ihm so nicht bewusst gewesen, fügt der Anwohner hinzu. Er habe nichts gegen die Ferienhäuser, hätte sich aber bessere Informationen gewünscht, meint er kritisch. Dem kann sich Thomas Kraml nur anschließen.
Mit der geplanten Infoveranstaltung will der Investor der Kritik der Anlieger entgegenkommen.

