Vom Krankenhaus zum Gesundheits-Campus: Versorgung in Roding war und ist im Wandel

Vom Distriktkrankenhaus zum Gesundheitscampus: Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Gesundheitsversorgung in Roding (Landkreis Cham) stets verändert und macht auch jetzt wieder eine Transformation durch – ein Blick in Vergangenheit und Zukunft.
Vor fast 160 Jahren, am 31. Oktober 1865, wurde das damalige Distriktkrankenhaus Roding eröffnet. Am 14. November 1865 wurde es feierlich seiner Bestimmung übergeben. Das Gebäude wurde den Schwestern vom Ordenshause zu Pirmasens (die späteren Mallersdorfer Schwestern) übergeben. Dass Ordensschwestern am Krankenhaus Roding in der Furtherstraße tätig waren, kann aus einem Schreiben des königlichen Bezirksamtes Roding von April 1864 entnommen werden.
Mit 24 Betten gestartet
Die erste Satzung für das Distriktkrankenhaus wurde erst 1913 erlassen. Aus dem Distriktkrankenhaus wurde ein Bezirks- und 1939 ein Kreiskrankenhaus. Es hatte erst 24 Betten, nach einem Ausbau 1934 rund 40. Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurde eine Krankenbaracke mit weiteren 20 Betten dazu gebaut. Durch die Zunahme der Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg (Evakuierte, Heimatvertriebene, Flüchtlinge) erfolgte unter Landrat Dr. Josef Kiener in den Jahren 1947 bis 1949 unter schwierigen Verhältnissen ein Um- und Erweiterungsbau. Bei nur 80 Planbetten waren oft bis zu 125 Patienten untergebracht.
Mit dem Bezug des neuen Krankenhauses im Jahre 1970, dem heutigen „Sana Kliniken Gesundheitscampus“, stand das alte Krankenhaus einige Zeit leer, bis es eine andere Verwendung fand. Es wurde eine Schule zur individuellen Lernförderung eingerichtet. Das THW bekam ebenso Räume wie die Musikschule. Es wurde von der Volkshochschule und von der Ballettschule Molitoriz genutzt.
Schließung im März 2022
Doch der Strukturwandel brachte letztlich, trotz einigen Widerstands in der Bevölkerung, die Schließung des Rodinger Krankenhauses zum 31. März 2022 mit sich. Seitdem läuft die Transformation hin zu einem Gesundheitscampus, der verschiedene medizinische Angebote und Dienstleistungen bündelt. „Für uns war nach der Schließung immens wichtig, dass es nach wie vor ein Ort der Gesundheit bleibt“, betonte Sana-Projektmanager Klaus Fischer mehrfach. In den vergangenen Jahren wurde ein Vier-Säulen-Modell zwischenzeitlich konkretisiert und teilweise auch schon realisiert.
Neuer Bebauungsplan und lokaler Investor
Und es geht weiter: Mit einem Bebauungsplan wurde im Stadtrat der Weg frei gemacht, um auf dem 44.000 Quadratmeter großen Gelände neben dem Gesundheits-Campus auch Wohnungen und Nahversorgung verwirklichen zu können. Mit der Rodinger Baufirma Feldbauer wurde dafür ein lokaler Investor gefunden.
Auf etwa 24.000 Quadratmetern Fläche im Norden und Osten des Areals soll ein Sondergebiet „Gesundheit“ ausgewiesen werden. Dabei wird das Vier-Säulen-Modell (Ambulante ärztliche Versorgung, Pflegeangebote, Schulen im Gesundheits-Sektor sowie gesundheitsnahe Dienstleistungen) der Sana AG und des Landkreises Cham weiter verwirklicht. Ein ambulantes OP-Zentrum, Fachärzte, Sanitätshaus, Physiotherapie, ein Pflegezentrum des BRK und eine kindermedizinische Intensivpflege gibt es bereits im ehemaligen Krankenhaus.
Auf dem Campus soll das Angebot noch deutlich erweitert werden: 20 Facharztstellen und mehr plant Fischer langfristig für Roding, dazu wird unter anderem ein Ärztehaus gebaut. Zwei bis drei Bauabschnitte sind für diesen Bereich vorgesehen.
Auch Wohnen und Einzelhandel
Neben dem Gesundheits-Campus ist auf dem sehr großen Areal aber auch Platz für ein allgemeines Wohngebiet im Süden (der Bedarf an innerstädtischem Wohnraum ist sehr groß) sowie ein Sondergebiet „Einzelhandel“ im Osten an der Falkensteiner Straße. Dort könnte sich ein Lebensmittelmarkt ansiedeln.
Ziel des Investors ist, heuer mit dem Bau zu beginnen. Zunächst werde das Ärztehaus entstehen, dann die Wohnhäuser, gefolgt vom Einzelhandel.
Vier-Säulen-Modell
Vier Ebenen: Die Entwicklung des ehemaligen Rodinger Krankenhauses zu einem Gesundheitscampus fußt auf einem sogenannten Vier-Säulen-Modell.
Ambulante fachärztliche Gesundheitsversorgung: Neben einer Erweiterung der fachärztlich-ambulanten Versorgung durch externe Praxisbetriebe betreiben die Sana-Kliniken des Landkreises Cham ihr eigenes Medizinisches Versorgungszentrum in Roding. Dieses bietet ambulante Leistungen aus dem gesamten orthopädischen und chirurgischen sowie aus dem internistischen Behandlungsspektrum. Darüber hinaus ist die weitgehende Auslagerung des ambulanten Betriebs des Krankenhauses Cham nach Roding erfolgt. Das ambulante OP-Zentrum steht einerseits dem klinikeigenen MVZ zur Verfügung, aber auch externen Partnern.
Pflegeangebote: Das BRK betreibt auf zwei Ebenen des ehemaligen Bettenhauses eine Seniorenpflege. Eine weitere Ebene mit etwa 800 Quadratmetern ist durch die Intensivpflegeeinrichtung für Kinder (Amicus) angemietet.
Bildung: Die bestehende Berufsfachschule für Krankenpflege hat ihren Betrieb erweitert. Ein einjähriger Ausbildungsgang zum Krankenpflegehelfer hat das bestehende Angebot ergänzt. Darüber hinaus wird eine derzeit leerstehende Ebene des ehemaligen Bettentraktes genutzt, um zusätzliche Wohnangebote für die Krankenpflegeschüler parat zu haben.
Gesundheitsnahe Dienstleistungen: Als vierte Säule entstehen gesundheitsnahe Dienstleistungsbetriebe wie Apotheke, Sanitätshaus und Physiotherapie.
