Ein Meilenstein: Pläne für neues Ärztehaus am Gesundheitscampus Roding vorgestellt

„Wir im Landkreis haben die Zeichen der Zeit schon rechtzeitig erkannt“, so Landrat Franz Löffler zur Situation im Gesundheitswesen. Dabei geht es auch um die stufenweise Entwicklung des ehemaligen Rodinger Krankenhauses nach dessen Schließung im März 2022 zu einem Gesundheitscampus auf Grundlage des im Januar 2020 vom Kreistag beschlossenen Vier-Säulen-Modells. Dieses fußt auf fachärztlich-ambulanter Versorgung, lokalen Pflegeangeboten, Bildung in Gesundheitsberufen sowie gesundheitsnahen Dienstleistungen.
Am Samstag hatte der Gesundheitscampus zum Tag der offenen Tür geladen, um zu zeigen, was bereits verwirklicht wurde. Vorher wurden die neuesten Pläne vorgestellt.
Landrat Franz Löffler begrüßte dazu Bürgermeisterin Alexandra Riedl, Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer der Sana Kliniken des Landkreises Cham, und Klaus Fischer, Projektmanager Gesundheitscampus. Zunächst ging der Landkreischef in einem Rückblick auf die im Wandel begriffene Krankenhausstruktur ein, bei der Insolvenzen und Klinikschließungen an der Tagesordnung stünden.
Zukunftsfähige Reform
Man habe nicht die Lauterbachsche Gesundheitsreform abgewartet, bei der ein Viertel der 400 bayerischen Kliniken aus der stationären Versorgung herausgenommen werden soll. „Ich bin heilfroh, dass wir da mehrere Schritte voraus sind“, so Löffler. Bereits 2019/20 habe man mit den Sana Kliniken in den Blick genommen, wie eine zukunftsfähige Krankenhausreform ausschauen müsse, um möglichst auch in der Fläche den Menschen hochwertige Medizin zu garantieren.
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Der in der Mitte des großen Flächenlandkreises befindliche Standort Cham solle sich zum Level-2-Krankenhaus entwickeln, der Standort Bad Kötzting habe mit Rehabilitation und stationärer Pflege eine Nische gefunden und der Standort Roding, auf den von Cham die ambulanten Operationen verlagert werden, werde auf respektablem Weg zu einem Gesundheitscampus aufgebaut.
Bürgermeisterin Riedl erklärte, dass es für die Rodinger nicht einfach gewesen sei, das Krankenhaus zu verlieren. Doch der Prozess der Umstrukturierung laufe mittlerweile positiv. Es sei wichtig, dass die Bürger eine Gesundheitsvorsorge vor Ort hätten. Der Gesundheitscampus könne nur funktionieren, wenn auch das Chamer Krankenhaus sowie Roding und Bad Kötzting funktionieren: „Ich glaube, das haben alle verstanden.“
Für Dr. Koch war die Einstellung der stationären Versorgung in Roding ein mutiger Schritt, der aber genau zur richtigen Zeit gekommen und beispielgebend für die ländliche Region sei. Zusammen mit der Politik und mit Fachleuten bringe man ein innovatives, wegweisendes Versorgungskonzept voran, bei dem auch spezialisierte Ärzte aus Regensburg auspendeln können, um hier zusätzlich an einigen Tagen zu operieren. Der Sana-Konzern stehe zur Versorgungsverantwortung der Bevölkerung im Landkreis: von der Struktur- über die Prozess- bis zur Ergebnisqualität.
Projektmanager Fischer erläuterte ausführlich den Ist-Zustand und die weitere Standortentwicklung des Campus: „Wir trennen einerseits das Ambulante vom Stationären räumlich ab, andererseits verbinden wir es durch sektorenübergreifende Versorgungen.“ Ein größerer Teil der Strukturen sei ganz oder teilweise realisiert, bei anderen seien Interessenten vorhanden, wieder andere lägen ihm am Herzen.
In einer Absichtserklärung haben die Sana Kliniken und die Firma Feldbauer aus Roding das gemeinsame Ziel formuliert, das Gelände des bisherigen Rodinger Krankenhauses auch baulich neu zu gestalten. Für die Stadt oder den Landkreis wäre ein solches Projekt mit Investitionen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich nicht umsetzbar. Dafür braucht es einen vertrauenswürdigen Investor.
Zu bereits bestehenden Einrichtungen auf dem Campus sollen mehr Praxen und Unternehmen im Sinne des Viersäulenmodells angesiedelt werden. Zudem möchte man diesen in ein städtebauliches Gesamtkonzept einbinden, wofür ein Bauleitverfahren notwendig ist. Natürlich besteht weiterhin eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit des Landkreises, das Gelände nur für Gesundheitszwecke zu nutzen. Die Stadt ist sich mit dem Bauplanungsrecht der Verantwortung durchaus bewusst.
Als erster Bauabschnitt ist auf der Fläche des kleinen Parkplatzes ein neues Ärztehaus geplant, mit dessen Bau im März 2025 begonnen werden könnte. In den folgenden Jahren sollen im Abschnitt zwei weitere neue Gebäude als Ersatz für bestehende Einrichtungen, die derzeit noch in den alten Gebäuden untergebracht sind, entstehen.
Auf dem Areal des Großparkplatzes sollen die Pflegebereiche und die Schulen realisiert werden. Bei Bedarf könnten in einem dritten Bauabschnitt nach Entkernung oder Abriss von Gebäuden Möglichkeiten für Betreutes Wohnen in Angriff genommen werden. Vorstellbar ist schließlich auch eine Wohnbebauung auf dem südlichen Grundstücksteil.
Leistungsstarke Allianz
Löffler war der Meinung, dass man einen Meilensteinschritt voranangekommen sei. Zum Erfolg des Vorhabens trügen die leistungsstarke mittelständische Baufirma Feldbauer und die Sana Kliniken als versierte Gesundheitsexperten bei. Die Stadt Roding setze zusammen mit dem Landkreis den Rahmen der baulichen Entwicklung. Wichtig sei auch, die Menschen immer rechtzeitig zu informieren.
Bürgermeisterin Riedl freute sich, dass die Weichen gestellt sind und sprach von einem großen Tag für die Stadt, Dr. Koch von einem verlässlichen Partner, mit dem ein gemeinsames Zielfoto formuliert worden sei. Im nächsten halben Jahr müssten die umfangreichen Details besprochen und vertraglich gesichert werden. Schon heute könne man jedoch transparent die Früchte der bisherigen Aktivitäten am Tag der offenen Tür sehen.
Die Angebote des „Gesundheitscampus zum Anfassen“ wurden ab 10 Uhr ausgiebig genutzt. Die Besucher erwartete ein abwechslungsreiches Programm rund um die Gesundheit: Infostände und Vorträge, Fahrzeugschau, Mitmachaktionen, eine medizinische Ausstellung in den Pflegeschulen, Blicke in den OP-Saal, in die BRK-Pflegestation oder in die neurologische Filialpraxis.
Interessant war die von den Azubis der Berufsfachschule geleitete Puppenambulanz. Weil manchmal auch Püppchen, Teddys oder Kuscheltiere krank werden, konnten die Kinder in der Anamnese die Beschwerden ihrer Lieblinge vorbringen, die in der Diagnostik durch Ultraschall, Röntgen und MRT untersucht wurden.
Dann waren die kleinen Besucher bei der Operation dabei oder halfen selbst mit. Schließlich wurden sie in der Apotheke mit Pflaster und Smarties anstelle von Tabletten versorgt und lernten spielerisch einen Krankenhausaufenthalt kennen.




