Angst vor Gewalt und weniger Personal: Ab 22 Uhr muss man bei der Notaufnahme klingeln

Von Christoph Klöckner · 10. März 2025 um 15:00

Wer nachts ein Problem mit seiner Gesundheit hat und nicht gleich den Notarzt oder Rettungsdienst rufen will, der geht in Cham zur Notaufnahme. Seit 1. Januar ist der Zugang nach 22 Uhr jedoch nicht mehr offen. Sana erklärt auf Anfrage, warum das so ist.

Es sei die Sicherheit der Mitarbeiter, die hier die entscheidende Rolle spiele, so die Auskunft von Pressesprecherin Constanze Kumpf.

Personelle Änderung

Hintergrund ist der Stellungnahme nach eine personelle Änderung bei der Patientenaufnahme – die ist nachts nicht mehr so lange besetzt wie in den Vorjahren. „Seit Anfang des Jahres wurden aufgrund von Sicherheitsgründen die nächtlichen Präsenzzeiten an der Zentralen Patientenaufnahme (ZNA) geändert“, so Kumpf.

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Das bedeute, dass Patienten ab 22 Uhr die Notaufnahme ausschließlich über die vorherige Glocke betreten können. „Der gesamte Prozess wurde akribisch vorbereitet und umgesetzt, um eine durchgehende Aufnahme- und Versorgungsbereitschaft aller Patienten zu jeder Zeit zu gewährleisten“, erläutert sie, dass trotz verschlossener Türe keine Wartezeiten davor entstehen.

Sowohl die medizinische Notfallversorgung in der Nacht als auch der Zugang für Patienten sei weiterhin gesichert. Zudem ändere diese Umsetzung nichts an den medizinischen Versorgungsangeboten.

Die medizinische Versorgung eintreffender Patienten werde auch zukünftig über die diensthabenden medizinischen und pflegerischen Mitarbeiter der Fachabteilung für Innere Medizin/Intensivmedizin erfolgen: „Wir halten derzeit allein für die Notaufnahme drei medizinische Fachkräfte sowie ausreichend Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen vor.“

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Mit einer gewissen Sorge sähen die Sana Kliniken auch die Tendenz von Gewaltübergriffen in Notaufnahmen, weshalb in Problemkliniken durchaus bereits Sicherheitspersonal vorgehalten wird. Auch das ist demnach ein Grund, die Türe nachts verschlossen zu halten. „Derzeit kommen wir jedoch mit einer Beschränkung des Zugangs zur Klinik durch Läuten gut zurecht“, antwortet die Kliniksprecherin.

Und das funktioniere, so Kumpf: „Insgesamt sind wir der Überzeugung, dass die Umstellung bisher erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen ist.“

Erste Anlaufstelle

Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des Sana Klinikums Cham ist zur Versorgung aller Notfallpatienten 24 Stunden, 365 Tage im Jahr für sie die erste Anlaufstelle. Laut Sana werden hier über 20 000 Patienten jährlich behandelt. Im Februar 2022 ist die neue Notaufnahme an der Chamer Sana Klinik in Betrieb genommen worden. Sie ist räumlich gesehen viermal so groß wie die alte Notaufnahme und hat rund 30 Millionen Euro gekostet.

Sie hat auch zehn Betten zur dauerhaften Überwachung von Patienten dazu bekommen. Im Zwei-Schicht-Betrieb sollte hier mit künftig mehr Personal gearbeitet werden. Neue Ärzte und Pfleger sollten dazukommen. Einer davon kam am 1. Januar 2024 – da erhielt die Notaufnahme einen neuen Chefarzt – Dr. Christoph Sellier folgte Dr. Thomas Etti als Chefarzt.

Geburtenzahlen stabil

Stabil: „Die Zahlen sind bei uns im Vergleich zum Vorjahr unverändert, bundesweit sinken sogar die Geburtenzahlen weiter“, so die Sana-Sprecherin auf Nachfrage, wie sich die Geburtenzahlen 2024 entwickelt hätten. Im Jahr 2024 verzeichneten die Sana Kliniken 684 Geburten in Cham. Im Landkreis Cham kamen 2024 insgesamt nur 998 Kinder zur Welt. Man stelle keinerlei Abwanderung in andere Einrichtungen fest, so Sana: „Im Gegenteil: Wir erhalten sehr positives Feedback von den jungen Eltern.“

Relevant: „Übrigens kommen zwei von drei Kindern aus dem Landkreis bei uns zur Welt, das ist ein erfreulich hoher Wert.“ Als relevant werde eine Geburtshilfe anerkannt, wenn mindestens 50 Prozent der Kinder eines Landkreises auch dort auf die Welt kommen. Im Landkreis ist das demnach der Fall. „Wir sind bestrebt, die bestmögliche Versorgung für unsere Patienten sicherzustellen.“ 2023 zählte Sana 675 Geburten, im Landkreis waren es 1036 Kinder, 2021 waren es 1181 Kinder, 2022 1139 Neugeborene.

Der Landkreis Cham unterschritt nach Jahren erstmals wieder die 1000er Grenze bei den Geburten.