Umzingeln Windräder bald Neumarkt? Wo überall neue Anlagen geplant sind

Von Wolfgang Endlein · 7. März 2025 um 05:00

Seit Jahren wird im Landkreis Neumarkt der Ausbau der Windkraft geplant. Lange Zeit blieb der Bau neuer Windräder aber abstrakt, doch nun genehmigt das Landratsamt sukzessive den Bau neuer Anlagen. In Neumarkt ist Kritik an Berngau, Postbauer-Heng und Berg zu hören. Welche Aussicht auf Erfolg hat das?

Rund 40 Anträge zu Windrädern liegen dem Landratsamt vor. Nicht aus jedem Antrag wird ein Windrad. Ein Großteil sei Vorbescheidsanträge, die noch nicht zum Bau berechtigten, sagt das Amt. Dass in den von fast allen Gemeinden ausgewiesenen Konzentrationszonen neue Anlagen kommen werden, ist aber klar.

Genehmigt sind laut Landratsamt bislang ein Windrad in Lauterhofen und eines auf dem Winnberg (Sengenthal). Konkrete Genehmigungsanträge liegen derzeit für ein Windrad in Dippersricht und zwei Anlagen bei Gebertshofen (beides Lauterhofen) vor. Das gilt auch für die vier in der Gemeinde Berngau geplanten Windräder.

Max Bögl baut bei den vier geplanten Windrädern in Berngau mit

Hinter dem Projekt steht die Max Bögl SRE GmbH, die das Sengenthaler Bauunternehmen gemeinsam mit dem Freystädter Unternehmer Christian Sachs gegründet hat. Letzterer ist sehr zuversichtlich, dass die Windräder genehmigt werden.

Das gefällt manchem Bürger ebenso wenig wie Naturschützern und der Stadt Neumarkt. Letztere fürchtet eine „belastende Umzingelungswirkung“. In Postbauer-Heng sind drei Windräder geplant und auch Berg hat eine Konzentrationszone auf dem an Neumarkt grenzenden Höhenzug.

„Viele wissen gar nichts davon“, sagt ein Mann aus Rittershof über das Windrad auf dem Großberg, der sich auf Berngauer Seite über dem Stadtteil Neumarkts erhebt. Ab 2026 oder 2027 könnte es sich 1,2 Kilometer von Rittershof entfernt drehen.

Er sei nicht per se gegen Windräder, sagt der Rittershofer. Ihn stört an der Anlage auf dem Großberg, dass dafür seiner Meinung nach viel Wald gerodet wird. Auch die drei südlich von Woffenbach geplanten Windräder lägen im Wald.

Wie viel Wald für ein Windrad weichen muss

Wie viel Wald weichen müsste, das darf das Landratsamt nach eigener Angabe nicht sagen und verweist auf den Projekträger. Dieser will sich vorerst nicht dazu äußern. Laut Sachs soll bei Woffenbach eine Ausgleichsfläche entstehen.

Daten der auf Betreiben des Bundes gegründeten Fachagentur Wind und Solar zeigen, dass ein Windrad durchschnittlich 0,85 Hektar freier Fläche im Wald braucht. 0,46 Hektar sind für die Betriebsdauer frei zu halten, der Rest nur während der Bauarbeiten.

„Wenn das Windrad kommt, wird den Menschen Erholungsraum genommen“, sagt der Rittershofer. Die Stadt Neumarkt argumentiert mit den prämierten Wanderwegen. Die vier in Berngau geplanten Windräder seien zudem in einem Landschaftsschutzgebiet und so positioniert, dass die visuelle Belastung hauptsächlich bei Neumarkt liege.

Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund Naturschutz teilen die Kritik. Der LBV lehnt Windräder auf den Zeugenbergen wegen deren landschaftlicher Bedeutung ab. Zudem griffen die Anlagen in den Lebensraum seltener Tiere ein. Der LBV mahnt eingehendere fachliche Untersuchungen an.

Gemeinden im Landkreis Neumarkt haben fast alle Konzentrationszonen für Windräder ausgewiesen

Windräder dürften nur dort gebaut werden, wo beste Windverhältnisse auf keine Einwände bei Landschafts- und Naturschutz träfen, fordert der LBV. Im Landkreis sind das für ihn lediglich die Jurahochflächen. Gemeinden wie Berngau und andere im Jura-Vorland müssten frei bleiben. Windräder in allen Gemeinden zu errichten, sei nicht sinnvoll. Auch Neumarkt argumentiert so.

Die Stadt hat aber wie fast alle anderen Gemeinden im Landkreis Konzentrationszonen festgelegt. Auch Berngau blieb nichts anderes übrig, wie Bürgermeister Thomas Meier sagt. Der Bund hat die Länder verpflichtet, bis 2032 1,8 Prozent ihrer Fläche für Windräder bereit zu stellen,. Gleichzeitig wurden die Auflagen für den Bau, beispielsweise in Landschaftsschutzgebieten, gelockert. Bayern hat die Organisation dieser Aufgabe an die Regionalen Planungsverbände weitergegeben, in denen die Kommunen organisiert sind.

Dabei gab es für die Gemeinden besonderen Druck. Gelingt es dem Planungsverband nicht, das Flächenziel zu erreichen, könnten die Gemeinden ab Ende 2027 nicht mehr steuern, wo Windräder genehmigt werden. Durch Konzentrationszonen haben sie das verhindert.

Wie steht es um Akzeptanz für Windräder bei den Neumarktern?

Um geeignete Flächen zu finden, legten Planer Ausschlusskriterien über das Gemeindegebiet. Sie müssen genügend Wind bieten, aber den Schutz von Mensch, Natur und Landschaft berücksichtigen. „Es gibt immer Betroffenheiten“, sagt Meier über die Schwere dieser Aufgabe. Einwände gegen die Planung wägte die Gemeinde im öffentlichen Verfahren ab. Übrig blieben zwei Zonen.

Bei allem rechtlichen Druck betont der Rathauschef, dass es Berngau auch darum gehe, seinen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Er spüre die Akzeptanz bei vielen Bürgern.

Wie es um diese im Landkreis wirklich steht, werden die nächsten Monate zeigen, wenn neue Windräder genehmigt werden. Protest hat aber kaum Aussicht auf Erfolg. Die grundsätzlichen Entscheidungen sind schon seit Längerem getroffen.

Auch bei den Windrädern in Berngau dürfte es kaum Hinderungsgründe geben. Bei einem davon wartet die Stadt Neumarkt aber noch mit einem Kniff auf: Dessen Rotor würde sich durch Neumarkter Gebiet bewegen. Da die Windkraft aber auch in der Stadt auf deren andernorts gelegene Konzentrationszonen beschränkt sei, wäre das nicht erlaubt, argumentiert Neumarkt.

Südlich von Woffenbach sollen auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Berngau drei neue Windräder im Wald entstehen. Foto: Endlein
Auf dem Großberg (im Hintergrund) über dem Neumarkter Stadtteil Rittershof plant ein regionales Unternehmen ein neues Windrad. Foto: Endlein
Viele neue Windräder rund um Neumarkt werden im Wald gebaut werden. Foto: Endlein