Steinbruch bei Lauterhofen: Trollius will unabhängig vom Strommarkt werden

Von Eva Gaupp · 8. Mai 2024 um 05:00

An einer Krise wachsen. Das ist das Motto von Hermann Trollius. Eigentlich veredelt sein Schotterwerk mit dem Steinbruch in Lauterhofen Kalk und Dolomit. Doch jetzt wird er auch Energieproduzent. Sein Solarpark geht in den nächsten Wochen in Betrieb. Die Planungen für eine Windkraftanlage laufen.

Die mehr als 22000 Solarmodule glänzen in der Sonne. Sie erstrecken sich über eine Fläche von acht Hektar entlang der B299 direkt gegenüber des Steinbruchs. Rund sieben Millionen Euro hat der Unternehmer dafür investiert. Zuerst nicht ganz freiwillig. Denn als sein Stromvertrag mit einem Energiekonzern mitten in der Energiekrise auslief, musste er sich auf dem Spotmarkt Energie kaufen.

80 Cent und mehr pro Kilowattstunde fielen zwischenzeitlich an, erinnert sich Trollius mit Schrecken. „Das Stromdesaster hat mir erst richtig die Augen geöffnet, um die Weichen zu stellen.“ Unabhängig vom Strommarkt zu werden, lautet seitdem das Ziel – und zwar mit erneuerbarer Energie.

Es gelang ihm, eine Fläche von zehn Hektar in unmittelbarer Nachbarschaft zu akquirieren. Leitungen führen den Sonnenstrom direkt in seinen Betrieb auf der Straßenseite gegenüber. Drei Trafostationen hat Trollius dafür gebaut, außerdem ist eine Ringleitung entstanden, die gleichzeitig die Versorgungssicherheit erhöht. Etwa die Hälfte des Stroms wird direkt im Unternehmen genutzt, der Rest ins öffentliche Netz eingespeist.

Windrad soll Trollius in der Nacht Strom liefern

Die Solarmodule der 12,1 Megawatt starken Anlage weisen eine Ost-West-Ausrichtung auf. Damit verteile sich die Energieproduktion besser über den Tag hinweg. Um auch nachts ausreichend Strom zur Verfügung zu haben, plant Trollius in rund zwei Kilometern Entfernung ein Windrad mit einer Nabenhöhe von 175 Metern. Der Marktgemeinderat hatte bereits im März seine Zustimmung erteilt, jetzt liegt das Vorhaben beim Landratsamt zur Genehmigung.

„Eigentlich ist unsere Hauptaufgabe, Kalk und Dolomit zu veredeln“, sagt Hermann Trollius. In den vergangenen Monaten jedoch hätten er, sein Sohn Philipp und sein kaufmännischer Leiter Christopher Knauer extrem viel Zeit mit Genehmigungsverfahren und dem Energieumbau seines Unternehmens verbracht. Die erste Anlage sei jetzt zwar am Netz, doch es gebe viele weitere Herausforderungen zu lösen: Das fängt bei der Frage nach einem Stromspeicher an und hört mit dem Problem, wie man die rund 80 Meter langen Rotorblätter auf einer kurvigen Straße zum Standort transportiert nicht auf.

Inzwischen orientiert sich die Produktion auf dem Firmengelände – soweit es die Kundenaufträge zulassen – weitgehend an den Stromkosten. Mit dem Sonnenstrom sollen energieintensive Prozesse vor allem tagsüber stattfinden, sagt der Lauterhofener Unternehmer.

All dieser Bemühungen zum Trotz: „Für unser Energiemanagement spielt das keine Rolle“, sagt Christopher Knauer mit Blick auf die wichtige Zertifizierung nach der ISO Norm 50001. „Relevant ist nur, was wir eingespart haben“, sagt der kaufmännische Leiter.

Als Familienbetrieb hätten sie schon bei der Anschaffung der Anlagen auf eine hohe Energieeffizienz geachtet, erklärt Trollius. Dazu komme die Optimierung der Prozesse in den vergangenen Jahren. „Wir sind jetzt an einem Punkt, da haben wir nicht mehr viele Stellschrauben“, sagt Knauer.

Lauterhofener Unternehmen noch nicht klimaneutral

Und auch um klimaneutral zu werden, reichen die Bemühungen des Lauterhofener Unternehmens noch lange nicht aus: Denn um den gesamten Energiebedarf von 84 Millionen Kilowattstunden im Jahr zu decken, braucht es derzeit noch fossile Brennstoffe.

„Trotzdem ist das der richtige Weg“, sagt Hermann Trollius. „Jammern bringt nichts“, fügt sein Sohn Philipp an, der die jahrelangen Genehmigungsprozesse zudem etwas gelassener sieht. „Wenn wir eine neue Sandtrocknungsanlage oder einen neuen Ofen brauchen, dauert das auch drei, vier Jahre.“

Der Solarpark erstreckt sich über acht Hektar. Foto: Eva Gaupp