Beteiligung der Bürger an neuen Windrädern in Postbauer-Heng stößt auf großes Interesse

Die Marktgemeinde Postbauer-Heng will ihre Bürger an den drei geplanten Windkraftanlagen südlich der B8 am Grünberg beteiligen. Wie diese Beteiligung konkret aussieht und über den derzeitigen Planungsstand konnten sich Bürger am Mittwoch im Deutschordensschloss informieren. Und das Interesse war sehr groß.
Die Gemeinde hat eine Konzentrationszone für Windkraft ausgewiesen und die Bürgergenossenschaft Jurenergie in Kooperation mit der N-ergie aus Nürnberg mit der Planung und dem Betrieb der drei Windkraftanlagen beauftragt. Alle drei sollen jeweils eine Gesamthöhe von 260 bis 270 Metern haben.
Die Projektmanagerin der Jurenergie, Agnes Gruber, nannte als frühesten möglichen Baubeginn das Jahr 2026 – realistisch sei aber eher 2027. Geschäftsführer Michael Vogel nannte die Einzelheiten zur finanziellen Beteiligungsmöglichkeit der Bürger: Zehn Prozent der geschätzten gesamten Investitionssumme – sie wird wohl zwischen 24 und 30 Millionen Euro liegen – werden laut Vogel durch eine Bürgerbeteiligung finanziert. Damit werden die Bürger Miteigentümer der Windräder.
Der Windpark werde in einer GmbH & Co. KG betrieben. Gesellschafter werden die Jur-energie, die N-ergie Regenerativ GmbH sowie Standort- und Grundstückseigentümer. Die Marktgemeinde Postbauer-Heng erhalte eine Beteiligungsoption von bis zu zehn Prozent. Bürger werden über Genossenschaftskapital Mehrheitsgesellschafter. Sie können Anteile ab 500 Euro als Untergrenze zeichnen. Die Obergrenze betrage 500 000 Euro. Laut Vogel sollen Bürger der betroffenen Standortgemeinden vorrangig berechtigt sein, sich zu beteiligen.
Jurenergie in Neumarkt beteiligt Bürger an Projekten
Wer sich finanziell engagieren will, werde damit automatisch auch an den anderen Projekten der Jurenergie beteiligt – also auch an PV-Anlagen und laut Vogel demnächst ebenfalls an Speicheranlagen. In den vergangenen fünf Jahren habe die Genossenschaft hierfür Dividenden zwischen drei (2019) und sechs Prozent (2022) ausgeschüttet. Derzeit nehme die Jurenergie allerdings keine neuen Mitglieder auf. „Uns fehlten bisher die Projekte. Das soll sich nun mit den drei Windrädern ändern.“
Bevor die zahlreichen Bürger zu Wort kamen, erläuterte Bürgermeister Horst Kratzer, warum die Marktgemeinde die drei Windräder zur Produktion regenerativer Energie brauche. Denn die Regierung habe das Ziel vorgegeben, den Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdoppeln. Dafür sollen bis 2032 zwei Prozent der Fläche Deutschlands für Windenergie bereitgestellt werden.
Vogel und Gruber sowie Dominic Pfeufer von der N-ergie beantworteten zahlreiche Fragen, zum Beispiel nach der Lebensdauer eines Windrades. Sie betrage etwa 30 Jahre, die Kosten des eventuellen Rückbaus seien bereits einkalkuliert.
Erst mal drei Windräder in Postbauer-Heng geplant
Auf eine notwendige Waldrodung angesprochen, sagte Pfeufer, dass nach der Rodung ein Waldumbau mit angepassten Baumarten erfolge. Sie begründeten auch, warum Windräder hin und wieder stillstehen, zum Beispiel dann, wenn Fledermäuse fliegen.
Auf die Frage nach einem eventuellen vierten Windrad sagte Pfeufer, dass dieses zwar möglich sei, sie als Betreiber aber daran interessiert seien, drei stabile und turbulenzfreie Anlagen zu errichten. Positiv beurteilte Vogel die Expertise im genehmigenden Landratsamt. Hier sei bereits viel Erfahrung vorhanden. Mit den ersten Erträgen sei daher im Jahr 2027 zu rechnen.