Harter Wettbewerb um Standorte: Wann dreht sich das erste neue Windrad im Landkreis Neumarkt?

Der Ausbau der Windkraft soll beschleunigt werden. Die Gemeinden im Landkreis Neumarkt weisen Zonen für Windräder aus. Doch deswegen wachsen die Anlagen nicht aus dem Boden. Wie Firmen aus der Windkraft-Branche die Lage beurteilen und wann erste Baugenehmigungen für Windräder vorliegen.
„N-ergie und SRE Sachs kooperieren bei Windkraft-Projekten“, so lautet die Überschrift einer Pressemitteilung, die der große Energieversorger aus Nürnberg verschickt hat. Gemeinsam mit dem Freystädter Unternehmen SRE Sachs will die N-ergie Windräder in Freystadt, Seubersdorf und Breitenbrunn errichten.
Errichten wollen bedeutet aber nicht, dass sie tatsächlich gebaut werden. Die Lage im Landkreis ist noch undurchsichtig. Die vielen Berichte über Flächen, die die Gemeinden infolge staatlicher Auflagen für Windräder ausgewiesen haben, können leicht einen falschen Eindruck erwecken.
Potenzial für Photovoltaikprojekte ausgeschöpft
Fest steht in den meisten Gemeinden lediglich, auf welche Zonen sich der Bau von Windrädern beschränken soll. Die genauen Standorte stehen jedoch meist ebenso wenig fest wie wer die Windräder tatsächlich bauen wird. Klar ist hingegen: Viele haben Interesse.
Der Wettbewerb ist groß, berichten Beteiligte aus der Windbranche. „Es sind viele Player unterwegs, teils auch die großen und bundesweit agierenden Unternehmen“, sagt Michael Vogel von der Bürgergenossenschaft Jurenergie. ‚
In die Windkraft drängen laut Richard Sachs umso mehr Interessenten als es aktuell schwierig sei, neue Solarpark-Projekte umzusetzen. Das habe damit zu tun, dass deren Rentabilität gelitten habe und die von den Gemeinden gewollten Standorte größtenteils bereits vergeben seien. „Bis es da einen neuen Schub geben wird, wird es dauern“, sagt Sachs, der sich deshalb ebenfalls der Windkraft zugewendet hat. Wieder. 1998 ging das erste Windrad von SRE Sachs in Betrieb. 21 sind es in der Region. Neue sollen nun dazukommen.
Freystädter Firma hat Pläne für 13 Windräder im Landkreis Neumarkt
Für insgesamt 13 Windräder im Landkreis hat die Firma teils in Kooperation Pläne geschmiedet. Drei in Freystadt im Bereich von Kiesenhof an der Gemeindegrenze zu Mühlhausen. Drei in Berngau: Zwei hinter der früheren Deponie und eines im Bereich des Großbergs nördlich von Tyrolsberg. Außerdem sieben in den Zonen, die Breitenbrunn und Seubersdorf an der Gemeindegrenze zueinander nahe Wissing ausgewiesen haben.
SRE Sachs ist mit seinen Plänen nicht allein. „Die Flächen für Standorte sind im Landkreis größtenteils schon verteilt“, sagt Richard Sachs. Mitunter haben sich mehrere konkurrierende Firmen an einem Standort Flächen gesichert. Die Folge ist ein Wettlauf, wer schneller die Genehmigung des Landratsamtes und das Windrad selbst vom Hersteller bekommt. Und da viele gleichzeitig das Gleiche wollen, sind die Kapazitäten bei beispielsweise Gutachtern ausgelastet.
Man müsse das ein oder andere Projekt priorisieren, beschreibt Vogel, wie man im Wettlauf bestehen kann. „Kooperationen sind auch von Vorteil. Dann kommt man sich nicht in die Quere.“
Genauso hält es SRE Sachs. „Wir sind auf N-ergie häufiger als Mitbewerber gestoßen“, berichtet Richard Sachs. Statt sich zu bekriegen, habe man beschlossen, die Stärken zu vereinen. Regionales Wissen bei SRE Sachs, die Wucht der N-ergie etwa beim Thema Netzanschluss. So erhoffen sich die Partner mehr Tempo im Wettlauf mit der Konkurrenz.
Dreht sich vor 2027 das erste neue Windrad im Landkreis Neumarkt?
Ein Sprint ist das nicht. Schon eher ein Ausdauerlauf. Bei den Projekten, die bald beantragt werden sollen, glaubt Sachs, dass möglicherweise in drei Jahren die ersten Anlagen stehen könnten. Auch Michael Vogel sagt für seine Projekte: „Ich glaube nicht, dass sich etwas vor Ende 2027 dreht“.
Das hat mit den diversen Voraussetzungen für eine Genehmigung zu tun. Diese erfolgt gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz, umgangssprachlich auch als Bimsch verkürzt. Es spielen Fragen unter anderem des Luftverkehrs, des Militärs, des Wasserschutzes und des Naturschutzes eine Rolle. Etliche teils aufwendige und damit teure Gutachten beispielsweise zum Artenschutz sind beizubringen. Und dann wäre da noch die Lieferzeit für das Windrad selbst, die Christian Sachs, Sohn von Richard Sachs, auf ein bis eineinhalb Jahre aktuell schätzt.
Möglicherweise geht es für manche Windkraft-Projekte aber auch schneller als 2027. Zumindest erklärt das Landratsamt, dass es für mehr als 30 Standorte Anträge vorliegen habe. Teils geht es dabei um Vorbescheide, für die grundlegende Voraussetzungen (Militär, Denkmalschutz etc.) eines Standorts geprüft werden, bevor der Antragsteller die richtig teuren Elemente des BimschG-Verfahren angeht. Es seien aber auch schon umfassende Anträge darunter, sagt das Landratsamt. Bei diesen geht es davon aus, dass es noch 2024 erste Baugenehmigungen für Standorte geben wird.
Ob alles, was beabsichtigt ist, auch umgesetzt wird? Michael Vogel ist skeptisch. „Die Goldgräberstimmung ist vorbei.“ Inzwischen müsse schärfer kalkuliert werden. Dass mancher Projektant hohe Pachten versprochen habe, mache es zusätzlich spannend.
