Neumarkter äußern sich zu Plänen der Stadtwerke für zwei neue Windräder

Von Wolfgang Endlein · 15. März 2024 um 19:00

Neun Windräder drehen sich auf dem Gebiet der Stadt Neumarkt. Nun sollen weitere hinzukommen. Am Donnerstag fand eine Infoveranstaltung in Höhenberg statt. Dabei erklärten die Stadtwerke ihren speziellen Plan mit dem gewonnenen Strom und wie Bürger sich beteiligen können. Anwohner brachten ihre Bedenken vor.

Wie viele neue Windräder wollen die Stadtwerke Neumarkt bauen und wo?

Die Stadtwerke Neumarkt (SWN) haben sich mit dem Unternehmen Max Bögl zusammengetan, um im Bereich südlich des Lengenbachtals zwei Windräder zu errichten. Beide Firmen gründen dafür eine Projektgesellschaft. Wenn beide Windräder stehen, übernehmen die Stadtwerke den Anteil von Bögl und sind dann alleinige Besitzerin. Eines der für den Bau nötigen Grundstücke ist in Privatbesitz, das andere gehört der Kirchenstiftung St.Helena. Die zuständige Kirchenverwaltung hatte zur Infoveranstaltung eingeladen.

Warum kommt das Projekt zweier neuer Windräder genau jetzt?

Bereits 2014 hatten die Stadtwerke vorgehabt, zwei Windräder in der Nähe des Neumarkter Stadtteils Helena zu errichten, wie SWN-Geschäftsführer Dominique Kinzkofer erklärte. Die 10H-Regelung in Bayern stoppte das Vorhaben. Inzwischen hat sich der gesellschaftliche und politische Wind gedreht. „Der Klimawandel ist für uns alle Lebensrealität geworden“, sagte Kinzkofer.

Neben dem Klimawandel drängt aus Sicht Kinzkofers der Ukraine-Krieg als ein Energie-Krieg Deutschland dazu, seine Energiegewinnung umzustellen. „Der Stromverbrauch wird auch in Zukunft steigen“, betonte der SWN-Geschäftsführer zudem. Der Stadtwerke-Chef legte Zahlen vor, denen zufolge Neumarkt aktuell 78 Prozent seines Stromverbrauchs selbst erzeuge.

Wie reagieren die Bürger in Höhenberg, Helena und Lähr?

Rund 80 Bürger waren zu der Veranstaltung im Gasthof Schönblick gekommen. Die Atmosphäre war konstruktiv, es mangelte aber nicht an kritischen Fragen. Etliche meldeten unterschiedliche Bedenken an, ohne sich aber klar gegen die beiden Windräder zu positionieren. Vertreter der Kirchenverwaltung erklärten, dass sie bei allen verständlichen Bedenken von Anwohnern die Vorteile zweier Windräder sähen, die die Stadtwerke besitzen werden und nicht irgendein privater Investor.

Wie hoch werden die neuen Windräder der Stadtwerke Neumarkt?

Laut Stadtwerken liegt die Nabenhöhe bei 175 Meter. Bei den bislang in der Umgebung stehenden Anlagen sind es 141 Meter. Mehrere Bürger regten an, die Höhe auf die der bestehenden zu reduzieren – auch wenn dies zu Lasten der Wirtschaftlichkeit gehe. Kinzkofer lehnte dies aber genau aus diesem Grund ab. Unter anderem seien die Windräder inzwischen teurer als frühere Anlagen, weshalb es eine gewisse Höhe brauche, um mehr Windstrom ernten zu können. Andere Projektierer hätten möglicherweise noch höher gebaut, sagte er. Aber die Stadtwerke wollten es nicht überspannen.

Welchen Abstand haben die Windräder zu den Orten Helena, Lähr und Höhenberg?

Die inzwischen gelockerte 10H-Regelung sieht einen Mindestabstand zu Wohnbauten von 1000 Meter vor. Die beiden geplanten Windräder sind laut SWN und Bögl deutlich weiter von Orten wie Helena oder Lähr entfernt. Weshalb die SWN und Vertreter von Max Bögl nach eigener Aussage keine exakten Abstandsdaten bei der Veranstaltung dabei hatten. Sie versprachen aber auf Drängen von Bürgern, diese nachzuliefern.

Was ist mit den Geräuschen der Windräder?

Der Abstand war für mehrere Bewohner von Helena von großer Bedeutung. Denn ihr großes Thema sind die bei Windrädern entstehenden Geräusche. „Ich kann den Rollladen runterlassen, wenn mir die Optik nicht passt. Aber gegen das Brummgeräusch hilft auch kein Fenster“, schilderte ein Bürger seine Erfahrungen. Er lebe rund 1,5 Kilometer von den bestehenden Windrädern entfernt. Wenn die geplanten Anlagen näher stehen, geht er von einer noch größeren Belastung aus. Mit Blick auf die von den Vertretern von Max Bögl angeführten Grenzwerte, die eingehalten werden, sagte der Anwohner: „Grenzwerte beruhigen mich nicht“.

Kommen noch mehr Windräder in Neumarkt?

„Der Landkreis leistet bereits seinen Beitrag für die Energiewende“, sagte ein Bürger. Er sei nicht per se gegen die beiden Windräder, aber danach müsse es gut sein. Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn entgegnete, dass auf dem Gebiet der Stadt Neumarkt nur noch diese zwei und ein weiteres Windrad bei Pelchenhofen möglich seien. Letzteres werde nicht von den Stadtwerken umgesetzt. Ochsenkühn: „Dann sind wir durch“.

Der Grund dafür sind die Vorrangflächen, die die Stadt im Zuge des Wind-an-Land-Gesetzes ausweisen muss. Das Gesetz erlegt allen Bundesländern auf, in zwei Schritten bis Ende 2032 1,8 Prozent der Landesfläche für Windkraft zur Verfügung zu stellen. In der Folge bestimmen die Kommunen aktuell, welche FlächenQ dafür in Frage kommen. Dabei spielen Ausschlusskriterien wie Abstände zur Wohnbebauung, Naturschutz etc. eine Rolle. Die Flächen müssen aber auch wirtschaftlich für den Betrieb eines Windrades geeignet sein.

Neumarkt hat seine Flächen, in denen die bestehenden neun Windräder eingerechnet sind, bereits bestimmt. Innerhalb dieser Zonen passen aber nicht mehr als jene drei Windräder. Denn, um genügend Wind ernten zu können, brauchen Windräder genügend Abstand zueinander.

Mit 3,2 Prozent der Stadtfläche läge Neumarkt weit über den gesetzlich geforderten 1,1 Prozent bis 2027 bzw. 1,8 Prozent bis 2032. Allerdings ist die Planung eine Mischkalkulation auf Ebene der regionalen Planungsverbände, zu denen mehrere Landkreise gehören. In jenem der Region Regensburg gibt es auch Gegenden, die nicht genügend Flächen ausweisen können. Beispielsweise, weil nicht genügend Wind weht. Auch auf ganz Bayern betrachtet gibt es dieses Problem. Die gemeinsame Flächenvorgabe zu erreichen, ist demnach eine Aufgabe, die die windreichen Gegenden besonders fordert.

Sollte das vom Bund geforderte Flächenziel nicht erreicht werden, droht gerade in windreichen Gegenden ein wilder Ausbau. Der Gesetzgeber hat angedroht, dass dann gesetzliche Schranken fallen und Windräder an Stellen gebaut werden können, wo sie aktuell nicht stehen dürfen. Die Kommunen hätten keine Handhabe mehr.

Dass es auf ewig nur drei neue Windräder sein werden, glaubten manche Bürger indes nicht. Die Gesetzgebung könne sich auch wieder ändern. Auf Bundes- und Landesgesetze habe er als OB keinen Einfluss, sagte Ochsenkühn.

Was haben die Stadtwerke Neumarkt mit dem Strom vor?

Aus wirtschaftlichen Interesse haben die Stadtwerke bereits in diverse Windräder investiert – allerdings bislang nie in Neumarkt. Wie Kinzkofer erklärte, sei man bei den beiden Windrädern konkret am Strom interessiert. Die Idee: Der Strom könnte in Neumarkt unter anderem für die Wärmeversorgung genutzt werden. Es wäre ein Baustein für die anstehende kommunale Wärmeplanung. Bedingung dafür ist aber, dass der Strom über das Umspannwerk in Neumarkt eingespeist wird. Das sei aber noch nicht gesichert, sagte Kinzkofer. Alternativ könnte der Strom auch über Sengenthal ins Netz gelangen. Für die Wärmeplanung in Neumarkt wäre er damit aber verloren.

Wie können Anwohner von den Windrädern profitieren?

Die SWN wollen eine Bürgerbeteiligung anbieten. Die qualifizierten Nachrangdarlehen soll es in unterschiedlichen Höhen und Dauer geben, damit sich möglichst viele Menschen beteiligen können. Es werde einen festen Zinssatz geben. Über dessen Höhe könne er noch keine verlässliche Aussagen treffen, sagte Kinzkofer.

Ein Höhenberger wünschte sich, dass die betroffenen Anwohnern entschädigt werden in Form eines vergünstigten Stromtarifs. Das lehnte Kinzkofer ab. Stattdessen sollen die Nachrangdarlehen zunächst den Anwohnern angeboten werden.

Ist die Entscheidung für die beiden Windräder schon fix?

Noch hat die Kirchenverwaltung nicht entschieden, ob sie das Grundstück verpachtet. Wie Pfarrer Norbert Winner und andere Mitglieder erklärten, ist es aber wahrscheinlich, dass das Gremium demnächst zustimmt. Das zweite Windrad wird auf einem Privatgrundstück errichtet. Das soll bereits sicher sein.

Wann könnten die neuen Windräder in Neumarkt stehen?

2026 sollen sich die beiden Windräder drehen – wenn alles wie geplant läuft. Die beiden Anlagen könnten dann im Idealfall jährlich je 17 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. Damit könnten 15400 Neumarkter Haushalte ihren durchschnittlichen Jahresverbrauch decken.

Die Montage zeigt, wie sich die beiden geplanten Windräder (l.) vom Ortsausgang Helena aus gesehen, in das Landschaftsbild einfügen könnten. Am rechten Bildrand sieht man die beiden bestehenden Windräder. Foto: Stadtwerke Neumarkt
Die roten Linien in der Montage der Stadtwerke Neumarkt zeigen, wie die beiden geplanten Windräder von der Stadtwerke-Zentrale in Neumarkt zu sehen wären. Foto: Stadtwerke Neumarkt