Platz für drei Neue: Neumarkter Stadtrat legt fest, wo künftig noch Windräder möglich sind

Von Petra Schlierf · 10. November 2023 um 19:00

Wo dürfen im Neumarkter Stadtgebiet künftig Windräder gebaut werden? Mit dieser Frage hat sich das Büro TB Markert aus Nürnberg im Auftrag der Stadt befasst. Das Ergebnis: Maximal drei neue Windkraftanlagen könnten überhaupt noch errichtet werden. Zwei davon sind bereits in Planung.

Hintergrund: In den kommenden Jahren müssen alle bayerischen Regionen Flächen für den Ausbau von Windenergie festlegen. Diese werden in sogenannten Regionalplänen festgehalten. Laut dem „Wind-an-Land-Gesetz“ der Bundesregierung müssen bis Ende 2027 1,1 Prozent der gesamten Fläche Bayerns als solche Vorranggebiete ausgewiesen sein, bis Ende 2032 sogar 1,8 Prozent. Alle Kommunen müssen deshalb in ihrem Gebiet geeignete Flächen benennen.

Bebauung, Biotope, Höhenzüge: Viele Flächen fallen weg

Stadtplaner Jeroen Erhardt hatte alle Ausschlusskriterien auf das Neumarkter Stadtgebiet angewendet, um herauszufinden, welche Flächen überhaupt noch für Windkraftanlagen zulässig sind. So müssen sie beispielsweise stets einen Abstand von 800 Metern zu Wohngebieten haben.

Dazu zählt er nicht nur die Stadt selbst, sondern auch Ortsteile wie Fuchsberg, Frickenhofen, Lampertshofen und Labersricht. Für andere Wohngebäude gilt ein Abstand von 500 Metern. Weitere Besonderheiten gelten unter anderem für Flächen mit Biotopen, Ausgleichsflächen, Bodendenkmälern und Höhenrücken mit hoher Fernwirkung wie beispielsweise der Schlossberg.

Als gut geeignet macht der Experte am Ende nur noch 70 Hektar aus (0,9 Prozent des Stadtgebiets), die im äußersten Nordosten bei Lampertshofen liegen.

Bei den eingeschränkt geeigneten Flächen bleiben nur Flächen im Südosten der Gemeinde übrig, darunter das Lengenbachtal. Dieses Gebiet komplett vom Bau weiterer Windräder auszuschließen, fand im Stadtrat keine Mehrheit. Denn im Abstand von rund 800 Metern zum Tal stehen dort bereits Anlagen.

Mit großer Mehrheit stimmte das Plenum dafür, einen Streifen von 400 Metern südlich des Tals als kaum geeignet einzustufen. Der Rest – vor allem Wald – soll als eingeschränkt geeignet gemeldet werden. Die Rotoren wären vom Tal aus deutlich zu sehen, wie eine Visualisierung zeigte.

Insgesamt sind es damit 3,2 Prozent des Stadtgebiets, wo Windräder stehen dürfen. Aber: „Alle Bereiche, die jetzt gemeldet werden, sind schon vorbelastet, weil dort bereits Windkraftanlagen stehen“, erklärte Erhardt. Derzeit stehen neun Windkraftanlagen auf städtischem Grund.

Bleiben zu wenig Flächen übrig?

Dadurch sind viele Flächen bereits besetzt. Neumarkt dürfte also kein neues Eldorado für Windkraft-Investoren werden. Neu dazukommen werden lediglich zwei Anlagen, die die Stadtwerke derzeit am Lengenbachtal planen. Auch deshalb hatte Gertrud Heßlinger (SPD) dafür plädiert, dass im Lengenbachtal gebaut werden kann, denn die Stadtwerke setzten hier echte Nachhaltigkeit vor Ort um. Auch um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern, sollten die Bürger in die Projekte investieren können.

Zudem wäre noch Platz für höchsten ein drittes, neues Windrad auf der Fläche nördlich von Pelchenhofen an der A3. Auch dort gibt es schon mehrere Anlagen.

Günther Stagat (SPD) und Dieter Ries (FLitZ) wollten wissen, wie das Genehmigungsverfahren für ein neues Windrad aussehe. Anlagen, die in einem Vorranggebiet beantragt werden, wären grundsätzlich zu genehmigen, erklärte Erhardt. Der Stadtrat müsse nicht mehr zustimmen.

Ries waren es zu wenig Flächen, die übrig blieben, vor allem zu wenig windträchtige. Dem widersprach Erhardt. Zwar wolle ein Investor immer in die Bereiche mit dem meisten Wind, aber auch die jetzt benannten seien noch gut wirtschaftlich nutzbar.