Startschuss für den Solar-Wind-Hybridpark Deining – Überflüssiger Strom wird zu Wasserstoff

Aus dem Windpark Deining wird ein Kraftwerk für erneuerbare Energien, ergänzt durch Solarzellen und Wasserstoff-Produktion. Jetzt fiel der Startschuss für den Betrieb am Standort bei Mittersthal. Der Hybridpark produziert mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. Der Überschuss wird clever genutzt.
Zur symbolischen Inbetriebnahme waren am Montagnachmittag nicht nur Vertreter des Unternehmens Windpower gekommen, sondern auch Finanzminister Albert Füracker und die Bürgermeister Andreas Steiner (Seubersdorf) und Peter Meier (Deining), in deren Gemeinden sich der Windpark erstreckt.
Umspannwerk Neumarkt ist das Nadelöhr
Photovoltaik-Module mit einer Leistung von 23,5 Megawatt wurden unter den Rotoren der Windräder im Windpark Deining zugebaut, verteilt auf die drei Standorte in Seubersdorf-Batzhausen, Deining-Unterbuchfeld und Deining-Mittersthal. Dadurch wird der Park zum Solar-Wind-Hybridpark und könnte in der Spitze eine Leistung von knapp 42 Megawatt erreichen. Theoretisch, betonte Clemens Reichl, technischer Leiter bei Windpower: „Diese Leistung ist ein möglicher Wert. Tatsächlich erreicht man ihn nur sehr selten, an ganz wenigen Tagen im Jahr, oft nur stundenweise.“ Es sei nämlich wirklich die Ausnahme, dass starker Sonnenschein und starker Wind gleichzeitig auftreten.
Im Stromnetz kommt diese Menge dann aber trotzdem nicht an, denn das Stromnetz ist zu schwach dafür. Die Maximalleistung muss für das Umspannwerk Neumarkt auf höchstens 19 Megawatt gedrosselt werden. „Dieser Punkt limitiert uns. Bayernwerk hat nicht umgebaut. Das Umspannwerk ist seit Jahren, seit Jahrzehnten voll“, bemängelt Clemens Reichl.
Und was tun mit dem überschüssigen grünen Strom? Windpower plant eine Anlage, in der per Elektrolyse-Verfahren Wasserstoff entsteht. Sie soll an der eigenen Leitung zwischen dem Windpark und dem Umspannwerk in Neumarkt entstehen – möglichst an der B299, damit der produzierte Wasserstoff einfach auf den LKW verladen werden kann. „Wir sind gerade auf Grundstückssuche in Neumarkt“, sagte der technische Leiter.
Im geplanten Elektrolyseur soll nicht nur der überschüssige Strom aus den eigenen Anlagen verwertet werden, sondern auch bundesweite Netzüberkapazitäten, die sonst „für fast nichts ins Ausland verschenkt“ werden, so Reichl.
Die Wärme, die bei der Wasserstoff-Produktion entsteht, könnte den Anwohnern über ein Wärmenetz zu Gute kommen und Firmen und Wohnungen in der Umgebung versorgen. Wird mehr Wärme benötigt, kann der überschüssige Strom auch direkt umgewandelt werden – ohne den Umweg über die Elektrolyse.
Durch diese weiteren Nutzungsmöglichkeiten hoffen die Betreiber, so genannte Abregelverluste künftig besser handhaben zu können. Darunter versteht man Phasen, in denen sich so viel Strom im Netz befindet, dass nicht noch mehr eingespeist werden kann, etwa weil der Wind gerade in vielen Gegenden sehr stark weht oder die Sonne viel und lange scheint. Dann müssen beispielsweise Windräder trotz Wind abgestellt werden – und verdienen in dieser Zeit auch kein Geld.
Durch den Ausbau von Windrädern und Solarenergie erwartet die Windpower GmbH, dass solche Abregelverluste in Zukunft immer häufiger auftreten. Um das Drosseln der Leistung möglichst zu vermeiden, setzt man im Solarpark Deining daher auf die alternative Energienutzung in der Wasserstoff-Produktion.
Doch warum baut das Unternehmen die Kapazität überhaupt so stark aus, wenn sich der zusätzliche Strom im Zweifel gar nicht ins Netz einspeisen lässt, sondern zuerst komplex weiterverarbeitet werden muss? Die Kombination sorgt für eine stabile Energie-Ausbeute über das ganze Jahr. Während Solarzellen vor allem in den sonnenreichen Monaten sehr effektiv arbeiten, wenn die Sonne lange und direkt auf die Panels scheint, liefern sie im Winter weniger Strom. Dafür weht im Herbst und Winter der Wind kräftiger. Da sind Windturbinen im Vorteil. Ähnlich gut ergänzen sich die Technologien über die Tageszeiten hinweg, erklärt Windpower-Geschäftsführer Johannes Ehbauer: Morgens und abends gebe es mehr Wind, mittags ist die Sonne dominant.
100 Bürger finanzieren Neuinvestition in Batzhausen mit
Bei der Inbetriebnahme am Montag betonte Windpower-Geschäftsführer Johannes Ehbauer, wie wichtig ihm die Zusammenarbeit mit den Bürgern sei. Schon beim Windpark hätten sich über 3000 Bürger finanziell engagiert, jetzt seien rund 100 Bürger aus den Gemeinden Deining und Seubersdorf eingeladen worden, den Park mit zu finanzieren.
Sein Dank galt auch den Flächeneigentümern, die zum Teil bei der Eröffnung dabei waren. Zwar bekommen die Eigentümer Geld dafür, dass sie die Flächen zur Verfügung stellen, aber müssen auch die Kritik der Gegner des Projekts aushalten. Unter den Panels sollen übrigens einmal Schafe weiden.
Ein Vorzeigeprojekt nannte Finanzminister Albert Füracker den Solar-Windpark mit Wasserstoff-Elektrolyse, wie es im Landkreis Neumarkt genau richtig angesiedelt sei, wo man in Sachen regenerative Stromgewinnung ohnehin eine Vorreiterrolle habe. Und solche Projekte brauche es auch weiter, um die Energiewende zu schaffen. „Es muss nicht auf jedem Hügel ein Windrad stehen, aber nur zu sagen, dass es nicht schön ist, ist kein Argument. Natürlich verändert jegliche Form der Energieerzeugung die Landschaft. Deswegen ist es gut, wenn die Bürger eingebunden sind.“
Insbesondere sei er begeistert, dass sich Windpower über die Verwertung scheinbar überschüssiger Energie Gedanken macht und auf Wasserstoff-Produktion setzt. Für den Bau von Elektrolyseuren gebe es auch Zuschüsse vom Freistaat, betonte der Finanzminister. Und auf die haben es die Betreiber auch abgesehen.
Deinings Bürgermeister Peter Meier nahm – bei aller Begeisterung über das Projekt – ebenfalls die Kritik einiger Bürger auf. Als Gemeinde habe man sich auf strikte Vorgaben inklusive Flächenbegrenzung geeinigt. „Uns ist wichtig, dass wir Energienutzung bündeln. Ich bin kein Freund davon, über die ganze Gemeinde Freiflächen-PV-Anlagen, Windräder und Biogasanlagen verteilen. Die Vorteile sehen wir hier, wenn eine gemeinsame Leitungsstruktur für den Anschluss genutzt werden kann“, sagte er.
Auf der anderen Seite des Waldes, bei Batzhausen, entstand die größte der drei Solaranlagen als Bürgerbeteiligungsprojekt. Mit 15 Megawatt Leistung kann sie rein rechnerisch mehr Strom produzieren, als die Gemeinde Seubersdorf verbraucht, verglich Bürgermeister Andreas Steiner.
Seine Kritik galt dem schwachen Netz: „Es ist nicht sehr erfreulich, wenn die potenzielle Leistung aufgrund von Netzengpässen nicht komplett genutzt werden kann. Da besteht aus meiner Sicht sehr großer Handlungsdruck.“ Nur wenn der produzierte Strom auch verwertet werden kann, sei der Flächenverbrauch auf Dauer zu rechtfertigen.
