Zwei Sanitäter verletzt: Brutaler Angriff in Regenstauf schockt Retter – Sinkt die Hemmschwelle?

Von Jonas Raab · 26. Februar 2025 um 14:00

Es war eine Närrin unter 40.000: Beim Ostbayerischen Faschingszug hat eine Betrunkene zwei Sanitäter angegriffen und verletzt. Eine Frau ist noch immer krankgeschrieben. Bei den Rettern sorgt der Vorfall von Regenstauf für getrübte Faschingsstimmung.

Für die Johanniter war am Sonntag Großkampftag. Mit sechs Ortsverbänden, zusätzlichen Kräften aus München, 17 Fahrzeugen, einer Motorrad- und Drohnenstaffel und 39 Ehrenamtlern stellte die Hilfsorganisation die medizinische Versorgung bei Ostbayerns größter Faschingsveranstaltung sicher. Die Bilanz: 23 Menschen mussten behandelt, drei ins Krankenhaus gebracht – und eine Frau angezeigt werden. Wie berichtet, hatte sie zwei Einsatzkräfte angegriffen. Die Polizei hat laut ihrem Pressebericht vom Sonntag Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen.

„Die betroffenen Helfenden wurden verletzt und mussten zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden“, teilten nun die Johanniter mit. Laut Pressesprecher Matthias Walk waren die beiden – eine ehrenamtliche Helferin und ein Rettungssanitäter im Hauptamt – am Dienstag nach wie vor krankgeschrieben; die Frau bleibt bis mindestens Donnerstag arbeitsunfähig. Welche Verletzungen ihnen die Betrunkene zugefügt hat, wollte Walk mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte nicht sagen.

Betrunkene greift Sanitäter bei Faschingszug an – Unterschiedliche Schilderungen des Vorfalls

Laut Albert Brück, dem stellvertretenden Dienststellenleiter der Regenstaufer Polizei, habe die Tatverdächtige, eine 28-Jährige aus dem Kreis Kelheim, wohl mit Schlägen auf die Sanitäter eingewirkt. Der genaue Hergang müsse jedoch noch ermittelt werden, da es anfangs unterschiedliche Schilderungen gegeben habe. Die beiden Verletzten konnten Brück zufolge das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung wieder verlassen.

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„Angriffe auf Einsatzkräfte sind absolut inakzeptabel“, betont Johanniter-Einsatzleiter Korbinian Oswald in einer Mitteilung. „Wir alle setzen uns ein, um anderen zu helfen. Wer diejenigen attackiert, die für Sicherheit sorgen, gefährdet nicht nur die Helfenden selbst, sondern auch alle anderen, die auf ihre Unterstützung angewiesen sind.“

Wie oft es zu Übergriffen auf Einsatzkräfte der Johanniter kommt, kann Pressesprecher Walk aus dem Stegreif nicht genau sagen. „Wir führen keine Statistik. Wenn wir jede Beleidigung dokumentieren, werden wir nicht mehr fertig“, sagt er. Lediglich Vorfälle, die in Anzeigen münden, würden statistisch erfasst. Das passiere zum Glück aber nicht sehr häufig.

Angriff auf Rettungskräfte: Meist Alkohol oder Drogen im Spiel

Kommt es zu Übergriffen, spielen Walk zufolge meist Alkohol oder Drogen eine Rolle. „Bestes Beispiel: Silvester.“ Das sei jedoch kein neues Phänomen. „Das hat es vor zehn Jahren gegeben, vor fünf – und das gibt es heute“, sagt Walk. Er schiebt hinterher: „Natürlich verurteilen wir solche Angriffe aufs Schärfste, gerade, wenn es Freiwillige trifft. Die Gesellschaft sollte sich überlegen, ob man so noch Leute für das Ehrenamt gewinnt.“

„Das gab es leider schon immer“, pflichtet RKT-Chef Gökhan Altincik bei. Auch er nennt als Hauptgrund für Übergriffe Alkohol – und berichtet von brenzligen Situationen beim Rohrer Faschingszug. Zu Schaden gekommen sei niemand.

Angriff auf Sanitäter beim Ostbayerischen Faschingszug ein „absolutes No-Go“

Im Gegensatz zu Walk und Altincik nimmt Sarah Nerb, Sprecherin beim Malteser Hilfsdienst, eine negative Entwicklung wahr. „Bei Großveranstaltungen während der Faschingstage erleben wir leider immer wieder, dass exzessiver Alkoholkonsum vielen Menschen nicht guttut.“ Zwar seien schwere Übergriffe glücklicherweise die Ausnahme, „doch die Hemmschwelle für Respektlosigkeit sinkt“. Dass die Einsatzkräfte zunehmend Anfeindungen oder sogar Gewalt ausgesetzt seien, bezeichnet Nerb als „besorgniserregend“.

Melanie Kopp spricht für den BRK Kreisverband Regensburg. Vorfälle wie in Regenstauf seien ein „absolutes No-Go“, stimmten nachdenklich und seien inakzeptabel. Rund 40.000 Alarmierungen verzeichnet das Regensburger BRK im Jahr; die meisten Einsätze verlaufen Kopp zufolge ohne Zwischenfälle. Dennoch: Die Eskalationsschwelle sei niedriger geworden, gerade bei Veranstaltungen, auf denen Alkohol im Spiel ist. Angriffe auf Einsatzkräfte – auch Beleidigungen – bringe das BRK ohne Nachsicht zur Anzeige. „In einem gesellschaftlich bisweilen rauen oder angespannten Klima sind Rettungskräfte die falsche – wenn nicht die falscheste – Adresse für Frustrationsabbau oder Imponiergehabe.“

Der Ostbayerische Faschingszug: Abgesehen von Attacke ein friedliches Fest

Jubiläum: Der Ostbayerische Faschingszug gilt als die größte Faschingsveranstaltung in Ostbayern. Im Landkreis Regensburg fand er bisher drei Mal statt, jeweils anlässlich eines Lari-Fari-Jubiläums. Heuer stellte der Umzug den Höhepunkt des Feier-Wochenendes anlässlich des 33-jährigen Bestehens der Faschingsgesellschaft dar.

Umzug: Rund 3500 Zugteilnehmer und fast 40.000 Zuschauer verwandelten den Markt Regenstauf am Sonntag in eine Faschingshochburg. Nach dem Umzug fand eine Party in der Jahnhalle statt. Die Polizei zog eine positive Bilanz. Neben besagter Attacke registrierten die Beamten nur „wenige Streitigkeiten“ und zwei Unfälle.