Muss Drogendealer aus Beratzhausen über 16 Jahre Haft absitzen?

Von André Baumgarten · 25. Februar 2025 um 17:08

Das Regensburger Landgericht spricht einen 53-Jährigen schuldig. Der Mann ließ sich Heroin von einem Augsburger Drogenpaten nach Beratzhausen liefern – und flog auf, weil ihn der Kurier bei der Polizei verpfiff.

Per Kurier hat sich ein 53-Jähriger Rauschgift nach Beratzhausen liefern lassen. Absender war ein Drogenpate aus dem Raum Augsburg, von dem Spuren direkt in den Landkreis Regensburg führten. Weil der Kurier nach seiner Verurteilung mit der Kripo kooperierte, kam der Abnehmer aus Beratzhausen in U-Haft – und dürfte da so schnell nicht wieder herauskommen. Das Landgericht hat ihn nun verurteilt. Ihm drohen wegen einer offenen Reststrafe sehr viele Jahre Gefängnis.

Ein GPS-Sender im Auto des Kuriers, der für den Paten mit Beziehungen zur Russen-Mafia auslieferte, führte die Augsburger Ermittler direkt in die Oberpfalz. Im August, Oktober und Dezember 2023 fuhr der Mann laut der Anklage nach Beratzhausen und übergab da jeweils Päckchen voller Drogen. Bezahlt haben soll der Angeklagte in den zwei letzten Fällen 12.500 Euro in bar. Die 922,5 Gramm Heroin soll der Dealer dann zu unbekannten Preisen weiterverkauft haben. Zu diesen Vorwürfen selbst schwieg der 53-Jährige.

Kurierfahrer packte bei der Polizei aus

Dasselbe tat im Prozess dann mehr oder weniger auch der Kronzeuge der Anklage. Der Kurier hatte nach seiner eigenen Verurteilung nämlich bei den Ermittlern ausgepackt, wie ein Kripobeamter dem Landgericht bestätigte. Davon, dass der Drogenkurier den nun in Regensburg Angeklagten auf Wahllichtbildern identifiziert hatte und von ihm bezahlt wurde, wollte er mit Verweisen auf eine MS-Diagnose und täglich schlimmer werdender Gedächtnisprobleme nichts mehr wissen. Offenbar wurde und wird er unter Druck gesetzt, wie ein Ermittler andeutete – in Verfahren wie diesem, „mit eindeutig russischen OK-Bezügen“ (also zur Organisierten Kriminalität), ist es bekanntlich selten eine gute Idee, mit der Polizei zu kooperieren.

Weil aber auch der Augsburger Pate, dessen mit ihm verurteilte Frau und seine rechte Hand in Regensburg nicht aussagen wollten, holte sich die siebte Strafkammer am Landgericht eine Richterkollegin als Zeugin. Diese hatte besagten Kurier einst verurteilt und bei ihr hatte sich der Mann nämlich noch bestens an seine Drogenfahrten nach Beratzhausen erinnern können. Den Namen des Käufers aus dem Landkreis Regensburg aber habe er nicht nennen können oder wollen. Und auch zwei konkrete Beträge, die der Kronzeuge von diesem erhielt, habe er da noch bestätigt.

Verteidigung will in Revision gegen Urteil

Kritik hatten die Strafverteidiger Michael Haizmann und David Hölldobler an Übersetzungen von Chats und Abhörprotokollen im hiesigen Fall. Das Landgericht wischte diese aber mit Verweis auf die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen und Handyüberwachungen beiseite. Einzig die laut Anklage erste Lieferung, bei der auch gar Geld übergeben worden sein soll, wurde nicht verurteilt. Am Ende lautete der Schuldspruch für zwei Fälle des Handeltreibens mit Drogen in nicht geringer Menge auf acht Jahre Haft. Statt um knapp einem Kilo ging es am Ende um 525 Gramm.

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Gegen das Urteil kündigten Haizmann und Hölldobler Revision an. Nicht zuletzt, weil dem 53-Jährigen zusammen mit einer offenen Reststrafe mehr als 16 Jahre im Gefängnis bevorstehen würden.