SPD wird nur drittstärkste Partei, und die AfD-Hochburgen bauen ihre blaue Präsenz aus

Der Landkreis Cham hat am Sonntag sein blaues Wunder erlebt. Dass die AfD zulegen würde, war bereits zuvor erwartet worden. Dass sie aber in zwölf Gemeinden im Landkreis die 30er Hürde packen würde, kommt dann doch für viele überraschend. In vier Gemeinden knackt die Alternative für Deutschland sogar die traditionell schwarze Wand.
In Rimbach, Arrach, Neukirchen b. Hl. Blut und Hohenwarth liegt die Mixl-Partei jeweils vor der CSU von Direktkandidatin Martina Englhardt-Kopf – ein Ergebnis, dass die Wahlen vor vier Jahren bestätigt, bei denen der Altlandkreis Kötzting und der Hohenbogenwinkel schon durch deutlich blaue Einfärbung in die Schlagzeilen geraten war. Mit einem Anteil von 39,4 pro hundert Stimmen kratzt die AfD in Hohenwarth sogar an der 40-Prozent-Marke. Über 35 Prozent Stimmenanteile hat die AfD am Ende außer im Altlandkreis Kötzting auch in der Gemeinde Weiding (35,9 Prozent bei den Zweitstimmen). In 13 Gemeinden kommt die Partei über 30 Prozent. Insgesamt legt die AfD im Vergleich zur Wahl 2021 im Landkreis um satte 15,3 Prozentpunkte zu.
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(Fast) wie in früheren Zeiten: CSU bei fast 50 Prozent
Immerhin 5,4 Prozentpunkte mehr als noch 2021 hat auch die CSU diesmal am Ende der Wahlnacht auf ihrer Rechnung – und trotzdem kann sie damit noch immer nicht den 8,4-Prozentpunkte-Verlust von vor vier Jahren wieder wett machen. 2017 hatte der bayerische Parteien-Platzhirsch erstmals massive Verluste eingefahren – gleichzeitig war die AfD damals deutlich zweistellig geworden – zu Lasten der beiden großen Parteien CSU und SPD.
Da werden Erinnerungen an die Zeiten von Landtagswahl-Ergebnissen anno Dazumal wach, als ein CSU-Fürst noch 50plusX als Ziel ausgeben konnte, ohne als Komiker oder wolkenträumender Optimist dazustehen: Nur ganz knapp die 50-Prozent-Marke verpasst hat die bayerische Volkspartei am Sonntag in der Gemeinde Schönthal.
Über 40 Prozent fährt die Partei immerhin noch in Treffelstein, Zell, Pemfling und Pösing ein. Entsprechend der blau gefärbten Gebiete im Landkreis hat die CSU die schlechtesten Ergebnisse in den AfD-Hochburgen Grafenwiesen, Neukirchen b. Hl. Blut und Hohenwarth.
Keinen Grund zur Freude gibt es für die Genossen im Landkreis Cham am Sonntag: Anders als auf Bundesebene, wo die SPD zumindest knapp an zweiter Stelle landete, muss sich die SPD im Landkreis mit nur 7,9 Prozent Stimmenanteilen und einem Verlust von 7,4 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Wahl hinter der AfD (29,1)mit dem dritten Platz zufrieden geben.
SPD: Entsetzen über dritten Platz hinter der AfD
Entsetzen bei den Roten, die im Vorfeld zumindest mit einem schlechten zweiten Platz gerechnet hatten. Doch mit 10,7 Prozent der Wählerstimmen in Runding als bestem Ergebnis im Landkreis können sie der blauen Übermacht nichts entgegen halten. Nur in fünf Landkreisgemeinden erreichen die Genossen um Direktkandidatin Marion Schieder gerade so ein zweistelliges Ergebnis.
Ein Desaster erleiden auch die Grünen – allerdings auf ohnehin niedrigem Niveau. Von 6,0 Prozent 2021 fallen sie auf 4,6 Prozent – und würden damit, geht es nach den Chamern, nicht einmal den Sprung in den Bundestag schaffen. Bestes Ergebnis: immerhin 8,0 Prozent in Pösing.
Noch deutlicher als auf Bundesebene fällt auch das Ergebnis der FDP im Landkreis aus. Nur 2,7 Prozent stehen am Ende zu Buche – ein Verlust zu 2021 um 4,1 Prozentpunkte.
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Freie Wähler fahren fast 10 Prozent Minus ein
Sogar doppelt so hohe Verluste müssen die Freien Wähler hinnehmen. Statt 18,1 nur noch 8,9 Prozent der Stimmen – hier macht sich womöglich bemerkbar, dass vor vier Jahren mit dem Kreisvorsitzenden Christian Schindler ein hinlänglich bekannter und beliebter Chamer als Direktkandidat angetreten war. Immerhin: In Michelsneukirchen, Rettenbach und Zandt knacken die Freien Wähler als ehemalige CSU-Alternative die 13-Prozentmarke.
Die Freude über das gute Abschneiden ein bisschen trüben könnten die Auswertungen der Erststimmen bei Direktkandidat Reinhard Mixl – er liegt in allen Gemeinden mit seinem persönlichen Wahlergebnis unter dem seiner Partei, was sich auch im Endergebnis ablesen lässt (AfD: 29,1 Prozent/Mixl 27,9 Prozent)
Englhard-Kopf übertrumpft sogar ihre CSU
Genau anders herum lesen sich die Zahlen bei Englhardt-Kopf. Sie kann das CSU-Ergebnis in sämtlichen Landkreis-Gemeinden übertreffen und landet sogar in den AfD-Hochburgen Neukirchen, Eschlkam und Arrach vor Mixl. Am Ende liegt ihr Erststimmen-Ergebnis (43,5) fast vier Prozentpunkte über dem der CSU.
Der altgedienten Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder nützt ihr besseres Erststimmen-Ergebnis nicht, um als Direktkandidatin noch einmal in den Bundestag einzuziehen. Wie berichtet, wurde Schieder auf der Kandidatenliste ihrer Partei zu weit nach hinten durchgereicht, um über die Liste in den Bundestag einzuziehen. Im Landkreis kann Marianne Schieder 7,2 Prozent Stimmenanteile für sich verbuchen, ihre Partei liegt mit 5,5 Prozent bei den Zweitstimmen noch einmal deutlich darunter. Das beste Ergebnis für Schieder kommt aus Tiefenbach: 16,3 Prozent.
Höchste Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung
Hohe Beteiligung: Wie schon vor vier Jahren, lag auch diesmal die Wahlbeteiligung im Landkreis noch einmal deutlich über einem ohnehin schon historisch hohen Wert: Nach 78,3 Prozent begaben sich diesmal 83,5 Prozent der Wähler zu den Urnen (bundesweit 76,4/82,5 Prozent – seit der Wiedervereinigung die höchste Wahlbeteiligung).
Die fleißigsten Wähler befinden sich dabei in den Gemeinden Schönthal (89,7 Prozent Wahlbeteiligung), Pemfling und Michelsneukirchen (jeweils 88 Prozent).